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01.04.2011

10:07 Uhr

Reformen für Deutschland

Der demografische Wandel zwingt die Politik zum Handeln

VonGabor Steingart, Dirk Heilmann, Dorit Marschall

Frühjahr 2011: Deutschland sonnt sich im "XXL-Aufschwung". Aber tief im Inneren ahnen die Deutschen, dass wir so nicht weiterwirtschaften können. Die Prognosen der Ökonomen über Deutschland Zukunft fallen düster aus.

Seniorin im Pflegeheim: Der demografische Wandel belastet die Sozialsysteme immer stärker. Quelle: dpa

Seniorin im Pflegeheim: Der demografische Wandel belastet die Sozialsysteme immer stärker.

DüsseldorfDeutschland schafft sich nicht ab, wie Thilo Sarrazin geschrieben hat. Aber das Land schrumpft und altert, was sich wiederum auf die Wirtschaftsleistung dämpfend und die Staatsausgaben steigernd auswirkt. Ändert sich weder an der Geburtenrate noch an Zuwanderung oder Erwerbsbeteiligung etwas, dann werden von 81 Millionen Deutschen zur Mitte des Jahrhunderts nur noch 64 Millionen übrig sein. Und noch stärker sinkt die Zahl der Erwerbstätigen. Das heißt: Ein immer kleinerer produktiver Kern der Volkswirtschaft muss eine immer dickere Schicht von Unproduktiven tragen – seien es Rentner oder Kranke, Hausfrauen oder Kinder, Arbeitslose oder Ein-Euro-Jobber. Schon heute zählen etwas mehr als die Hälfte des Volkes zu den Unproduktiven, und ihr Anteil steigt.

Das hat weitreichende Konsequenzen für die Privatwirtschaft, den Staat und seine Sozialsysteme:

• Auf dem Arbeitsmarkt folgt auf die Vollbeschäftigung schon bald ein Mangel an gut ausgebildeten Menschen. Jedes Jahr verlassen mehr Hochqualifizierte den Arbeitsmarkt, als neu hinzukommen. Das wird die Wertschöpfung und damit den Wohlstand des ganzen Landes schmälern.

• Das Bildungssystem steht unter dem politischen Druck, durch individuelle Förderung möglichst jeden Jugendlichen zum Schulabschluss zu bringen. Gleichzeitig muss es aus Gründen der ökonomischen Vernunft seine Eliten fördern und vergrößern. Der Vorsprung auf dem Weltmarkt lässt sich anders nicht behaupten.

• Mehr gut ausgebildete Menschen verlassen jährlich Deutschland als Zuwanderer hinzukommen. Und die Zuwanderer, die im Land sind, drücken den Wohlstand der Gesellschaft eher als sie ihn heben. Sie sind schlechter ausgebildet und häufiger arbeitslos als der Durchschnitt der Bevölkerung.

• Der deutsche Staat ist groß und ineffizient. Der Föderalismus ist von einer Stärke zu einer Belastung geworden. Er verhindert, dass das Geld der Steuerzahler dort ausgegeben wird, wo es die beste Wirkung entfalten kann. Die Finanzkrise hat die schon zuvor hohe Schuldenlast des Staates weiter sprunghaft steigen lassen. Sie hat soeben die unglaubliche Marke von zwei Billionen Euro überstiegen. Die viel gepriesene Schuldenbremse sorgt gerade einmal dafür, dass der Schuldenberg langsamer wächst.

Kommentare (86)

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Worldwideliving

01.04.2011, 10:47 Uhr

Es kann nur gehen, wenn ALLE jetzt lebenden Generationen Ihren Beitrag dazu leisten. Die heutigen Probleme wurden vor 10, 20, 30, 40 Jahren und früher gesäht - d.h. die Generation, die sich jetzt auf dem erarbeiteten ausruhen möchte, hat bereits über ihre Verhältnisse gelebt - doch eben den Wohlstand, die die heutige Generation geniesst (ebenso wie deren Kinder) haben wir unseren Eltern und Grosseltern zu verdanken. Also: ALLE RAN. Und bei all den Diskussionen darf man wohl eins nicht vergessen: LEBEN und LEBEN LASSEN ist mit der grösste Wohlstand den wir hier haben, d.h. über 50 Jahren (er)lebt Europa in friedlichen Zeiten (Priceless!!!)

mrx

01.04.2011, 10:51 Uhr

Als junger Berufstätiger blicke ich schon heute mit großer Angst in die Zukunft. Wer wird meine Rente bezahlen?

Bramm

01.04.2011, 11:09 Uhr

Erstens : Das Buch von Sarrazin lesen, da steht das Wesentliche drin. Zweitens: Endlich das Heer von Hartz IV Empfänger halbieren, z. Z. ca. 4,5 Mio Bürger. Die Menschen müssen beschäftigt werden, sie müssen ihren Beitrag zur Gesellschaft leisten. - z. B. Hartz IV Empfänger: 2 Erwachsene mit 4 Kindern erhalten monatlich 3.050,- Euro Netto !!! Hallo, spinnt denn der Staat? D.J.B

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