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06.09.2013

11:56 Uhr

Reformen gefordert

Was sich Top-Ökonomen von der Wahl versprechen

Deutschlands Top-Ökonomen sind sich in einem Punkt einig: Wer immer die nächste Bundesregierung stellen wird, muss wichtige Reformen durchziehen. Aber was muss getan werden, um Deutschland für die Zukunft fit zu machen?

Merkel oder Steinbrück? Deutschlands Top-Ökonomen haben vor allem inhaltliche Forderungen an die nächste Bundesregierung. dpa

Merkel oder Steinbrück? Deutschlands Top-Ökonomen haben vor allem inhaltliche Forderungen an die nächste Bundesregierung.

BerlinSpitzenökonomen der großen Forschungsinstitute ZEW, IW Köln, IfW und IMK sowie von der Hertie School of Governance beschreiben, welche wirtschaftlichen Veränderungen sie von der künftigen Regierung unbedingt sehen wollen:

Joachim Scheide ist Leiter des Prognose-Zentrums des Instituts für Weltwirtschaft (IfW). dpa

Joachim Scheide ist Leiter des Prognose-Zentrums des Instituts für Weltwirtschaft (IfW).

Joachim Scheide, IfW: „Bislang konnte sich die Politik daran sonnen, dass es der deutschen Wirtschaft besser geht als den meisten anderen Ländern in Europa. Während man die Problemländer zu Strukturreformen drängt, um deren Wachstumskräfte zu stärken, passierte hierzulande nichts in diese Richtung. Dabei sind die Aussichten alles andere als rosig: Die Rate, mit der die deutsche Wirtschaft mittelfristig wachsen wird, liegt bei etwa 1,25 Prozent. Das reicht nicht aus, um den Lebensstandard breiter Bevölkerungsschichten nennenswert zu erhöhen. Die Ansprüche werden jedoch kaum geringer werden.

Um die Aussichten zu verbessern, wäre es sinnvoll, Impulse für mehr Wachstum zu setzen. Positive Anreize würden beispielsweise von einer umfassenden Steuerreform ausgehen, bei der die Grenzsteuersätze sinken und die Steuerbasis verbreitert wird. Allerdings ist eine solche Reform unwahrscheinlich, denn keine Koalition wird den Mut aufbringen, Ausgaben zu kürzen, um eine solche Reform zu finanzieren.

Als Mindestanforderung bleibt, dass die Politik wenigstens einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums entgegenwirkt. Denn es gibt erheblichen Gegenwind. So wird das Potenzialwachstum mittelfristig durch die demographische Entwicklung gebremst. Hier kann mehr getan werden als die eingeleitete Anhebung des Rentenalters auf 67 Jahre.

Auch von anderen Staaten verlangen wir einschneidende Reformen. Warum können wir uns nicht dazu durchringen, das Renteneintrittsalter schrittweise mit der gestiegenen Lebenserwartung zu erhöhen? Täte man das, so zeigen Studien, könnte das Einkommen, das verteilt werden kann - auch an die Rentner! -, mittelfristig um 6 Prozent oder mehr höher sein, als wenn man nichts tut. Ältere Personen sind durchaus bereit, länger zu arbeiten; allerdings werden sie vielfach durch Verbote oder Fehlanreize daran gehindert.

Auch die Energiewende wirkt sich negativ auf das Wachstum aus. So oder so wird Strom mittelfristig deutlich teurer. Damit die Auswirkungen möglichst gering ausfallen, wäre es gut, wenn man es den Stromkonzernen überlässt, wie man am besten die Energie erzeugt und transportiert. Also: Es genügt, wenn der Staat hier den allgemeinen Rahmen setzt, anstatt mit hektischen und überdimensionierten Subventionen und Preisobergrenzen die Strukturen zu verzerren.

Solche Reformen kosten nicht viel, verlangen aber eine Umorientierung hin zu mehr Marktwirtschaft. Allerdings besteht wenig Hoffnung, dass die nächste Regierungskoalition einen solchen Weg einschlagen wird. So können wir nur hoffen, dass es nicht weiter in die falsche Richtung geht.“

Kommentare (23)

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06.09.2013, 12:02 Uhr

"Aber was muss getan werden, um Deutschland für die Zukunft fit zu machen?"

Noch mehr Bücher für die jeweilige "Wahrheit" verkaufen.

Leopold

06.09.2013, 12:08 Uhr

Wichtige Reformen durchziehen? Na das können wir uns bei Merkel aber abschminken. Die nimmt diese Reformen höchstens ins nächste Parteiprogramm auf. Es ist leider so dass Merkel die Zukunft Deutschlands absolut egal ist. Sie arbeitet an der Zukunft Europas, auch wenn das zu Lasten Deutschlands geht!

Michel

06.09.2013, 12:12 Uhr

Frage an den Top-Ökonomen, kann man 6 eckige Hühner züchten?

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