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26.04.2012

15:39 Uhr

Reformpläne

Elf Punkte für eine einfache Steuererklärung

Gute Nachrichten für alle Steuerzahler. Die Finanzminister der Länder haben einen Elf-Punkte-Plan für mögliche Steuervereinfachungen auf dem Tisch. Besonders interessant könnte der Arbeitnehmer-Pauschbetrag sein.

Einige Steuererregelungen sollen vereinfacht werden. APN

Einige Steuererregelungen sollen vereinfacht werden.

München/BerlinMit einem Elf-Punkte-Plan wollen die Bundesländer einen neuen Vorstoß zur Steuervereinfachung unternehmen. Ein entsprechender Vorschlag soll heute von der Finanzministerkonferenz beraten werden. Zentrales Vorhaben sei die Anhebung des Arbeitnehmer-Pauschbetrages um 150 Euro auf 1.150 Euro, berichten die „Süddeutschen Zeitung“ und die „Welt“. Davon profitierten rund eine Million Arbeitnehmer.

Ein höherer Arbeitnehmer-Pauschbetrag vereinfacht die Steuererklärung erheblich, da der Nachweis der einzelnen Ausgaben entfällt. Hat der Steuerpflichtige Werbungskosten, die unter diesem Betrag liegen, muss er durch die Anhebung zudem weniger Steuern zahlen. Bereits im vergangenen Jahr war der Betrag um 80 Euro auf 1.000 Euro angehoben worden. Dieser Betrag war aber im Gesetzgebungsverfahren als zu gering bezeichnet worden.

Elf Schritte zur Vereinfachung der Steuererklärung

Erhöhung der Pauschbeträge für behinderte Menschen (§ 33b EStG)

Die Neuregelung des Einzelnachweises tatsächlicher krankheits- und behinderungsbedingter Kosten und Dauerwirkung der Übertragung des Pauschbetrags eines behinderten Kindes auf die Eltern (§ 33b EStG) sorgt beim Bund für Steuermindereinnahmen von 220 Millionen Euro.

Nachweis von Pflegekosten (§ 33 EStG, § 64 EStDV)

Vereinfachungen beim Abzug und Nachweis von Pflegekosten führen zu Steuermehreinnahmen in Höhe von 140 Millionen Euro.

Abzug von Unterhaltsleistungen in das Ausland (§ 33a Absatz 1 EStG)

Höhere Nachweisauflagen wie die Forderung von Unterhaltstiteln aus Drittstaaten sowie unbaren Zahlungen bringen zusätzliche Steuereinnahmen in Höhe von 100 Millionen Euro.

Erhöhung des Arbeitnehmer-Pauschbetrags (§ 9a EStG)

Die Anhebung des Arbeitnehmer-Pauschbetrags um 150 Euro auf 1.150 Euro bedeutet Steuermindereinnahmen von 660 Millionen Euro.

Pauschale auf häusliches Arbeitszimmer

Die Pauschalisierung der Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer von 100 Euro monatlich (§ 4 Absatz 5 Satz 1 Nummer 6b, § 9 Absatz 5 EStG) hat Steuermindereinnahmen von 20 Millionen Euro zur Folge.

Freibeträge im Lohnsteuerabzugsverfahren (§ 39a EStG)

Die zweijährige Gültigkeit von Freibeträgen im Lohnsteuerabzugsverfahren hat keine Auswirkungen auf die Steuereinnahmen.

Steuerfreiheit von Arbeitgeberzuschüssen (§ 3 Nummer 33 EStG)

Die Begrenzung der Steuerfreiheit von Arbeitgeberleistungen zur Kinderbetreuung entsprechend dem Höchstabzug von Betreuungskosten als Sonderausgaben sorgt für Steuermehreinnahmen von 15 Millionen Euro.

Senkung der 44-Euro-Freigrenze für Sachbezüge (§ 8 Absatz 2 Satz 9 EStG)

Diese Maßnahme bringt zusätzliche Steuereinnahmen von 125 Millionen Euro.

Steuerermäßigung für Handwerkerrechnungen (§ 35a Absatz 3 EStG)

Der Sockelbetrag von 300 Euro bei der Steuerermäßigung für Handwerkerrechnungen bringt Steuermehreinnahmen in Höhe von 400 Millionen Euro.

Ausnahmen für Initiatorenvergütungen

Der Wegfall der steuerlichen Vergünstigungen für Initiatorenvergütungen von vermögensverwaltenden Private-Equity-Fonds (Carried Interest) (§§ 3 Nummer 40a und 18 Absatz 1 Nummer 4 EStG) bringt zusätzliche Steuereinnahmen von 120 Millionen Euro.

Vereinfachung des Verlustabzugs bei beschränkter Haftung (§ 15a EStG)

Die Vereinfachung des Verlustabzugs bei beschränkter Haftung von Kommanditisten durch „Steuerbilanzmodell“ anstelle des Handelsrechtsbezugs hat keine Auswirkungen auf die Steuereinnahmen.

Auch für die Nutzer eines häuslichen Arbeitszimmers wollen die Finanzminister der Vorlage zufolge die Steuererklärung vereinfachen. Künftig soll es Arbeitnehmern möglich sein, pauschal pro Monat 100 Euro beim Finanzamt als Aufwand anzugeben. Bisher mussten die Steuerpflichtigen die anteilig auf das Arbeitszimmer entfallenen Kosten für Miete, Finanzierung, Strom und Heizung nachweisen. Das bedeutete für sie, aber auch für die Mitarbeiter der Finanzämter, einen hohen Aufwand.

Damit die Steuererleichterungen keine Löcher in die staatlichen Kassen reißen, wollen die Länder an anderer Stelle Mehreinnahmen erwirtschaften. So sollen beispielsweise Handwerkerrechnungen unter 300 Euro künftig nicht mehr von der Steuer abgesetzt werden können. Das trifft eine verhältnismäßig hohe Anzahl von Steuerzahlern. Nach Daten der Länder lagen 2008 rund 56 Prozent der geltend gemachten Arbeitskosten für Handwerker unterhalb dieser Schwelle.

Eine weitere Regelung betrifft die Beteiligten an Private-Equity-Gesellschaften. Die Länder wollen eine Steuervergünstigung streichen, die bislang für einen Teil ihrer Einnahmen („carried interest“) gilt. Derzeit müssen die Investoren auf 40 Prozent dieser Einnahmen keine Steuern zahlen.

Kommentare (14)

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StB-Berater

26.04.2012, 09:51 Uhr

Die Änderung der Höhe von Pauschbeträgen, sei es nach oben oder unten, führt zu keiner Vereinfachung. Das ist absoluter Unfug. Fakt ist doch, dass ich erstmal alle Belege sammeln und prüfen muss. Wenn ich dann danach feststelle, dass ich nur 1090 Euro Werbungskosten habe, aber ich als Arbeitnehmerpauschbetrag 1150 Euro bekomme, dann ist die einzige Vereinfachung, dass ich die Steuererklärung hinsichtlich dieser Ausgaben nicht ausfüllen muss.
Dieses als Vereinfachung zu verkaufen ist einfach falsch.

Account gelöscht!

26.04.2012, 09:58 Uhr

Die abartigste Steuererklärung der gesamten Welt soll einfacher werden...eine Erklärung die nicht mal ein Fachmann zu 100% korrekt ausfüllen kann HA HA HA ich lach mich krank. Am besten seine Steuern (und wesentlich weniger) woanders zahlen, wo man es als Leistung annimmt. Was soll dieser Erklärung überhaupt? Diese kriminelle Staatsvereinigung raubt einem 60% des ehalts und wehe man zahlt irgendwas nicht oder vergisst etwas, dann heissts einfach mal "Dann schätzen wir" zahl oder wir machen Dir alles dicht!!!

Steuern in D, der Witz des Jahrtausends...da ist doch inzwischen eh jeder Cent fehlinvestiert.

RD1

26.04.2012, 10:01 Uhr

Die meinen ja auch Vereinfachung für das Finanzamt.
Nur wird es halt als Vereinfachung für den Steuerzahler verkauft.

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