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17.05.2014

16:09 Uhr

Reformvorschlag zum Aufenthaltsgesetz

Zur Prostitution gezwungen

Sie ist jung, träumt von einer schönen Zukunft – und am Ende landet sie in der Prostitution. Hunderte von Frauen werden in Deutschland gezwungen, ihren Körper zu verkaufen. Die Politik ist alarmiert.

Eine Prostituierte sitzt auf dem Sofa eines FKK-Clubs. Hunderte von Mädchen und Frauen werden in Deutschland zur Prostitution gezwungen. dpa

Eine Prostituierte sitzt auf dem Sofa eines FKK-Clubs. Hunderte von Mädchen und Frauen werden in Deutschland zur Prostitution gezwungen.

BerlinAuch als Marina klar wird, dass sie mit Männern für Geld schlafen soll, träumt sie noch den Traum eines kleinen Mädchens. Sie will einmal ein schönes Haus in ihrem Heimatland Rumänien und Kinder mit ihrem Freund. Das Geld dafür will die 16-Jährige in Deutschland verdienen. Ihr Freund hat ihr einen Job in einem Restaurant organisiert - zumindest hat der 30-Jährige das so gesagt. Doch kaum sind die beiden in Berlin angekommen, eröffnet er ihr, was sie wirklich tun soll: Sie soll ihren Körper verkaufen.

Marina ist kein Einzelfall. Hunderte von Mädchen und Frauen werden in Deutschland zur Prostitution gezwungen. Die Politik hat das Problem erkannt - die schwarz-rote Bundesregierung will nun das Prostitutionsgesetz verschärfen, so steht es im Koalitionsvertrag. Auch der Bundesrat macht sich für eine Reform stark. Frauenministerin Manuela Schwesig (SPD) kündigte kürzlich eine Expertenanhörung im Juni an. Doch einfache Lösungen gibt es nicht, wie das Beispiel Marina zeigt.

Die 16-Jährige reagiert geschockt auf den Vorschlag ihres Freundes. Sie versucht sich zu weigern, doch er baut Druck auf. Sie soll es für ihn tun, oder liebt sie ihn etwa nicht mehr? Außerdem hat er Fotos von ihr, wie sie nackt posiert. Da er ihr Freund ist, hat sie sich von ihm fotografieren lassen - aus Spaß, wie sie dachte. Er droht, die Fotos auf Facebook zu stellen. Die 16-Jährige willigt schließlich ein. Ihr Leben als Escort-Hure in Berlin beginnt.

„Wir sprechen hier nicht von Luxus-Escort“, sagt Margarete Muresan von der Hilfsorganisation In Via. Sie erzählt die Geschichte von Marina, die eigentlich anders heißt. Muresan hat das Mädchen bei ihrem Weg aus der Zwangsprostitution betreut. Marina hat ihre Freier nicht ins Theater oder zum Essen begleitet. Es ging nur um Sex. Die Männer konnten sie im Internet buchen, für eine halbe Stunde oder für die ganze Nacht, für zu Hause oder fürs Hotelzimmer.

Diese Form der Prostitution ist besonders gefährlich, weil die Frauen leicht in bedrohliche Situationen kommen, ohne dass es zum Beispiel - wie in vielen Bordellen - einen Türsteher gibt, der dazwischen gehen kann. In Privatwohnungen und Hotels sind die Frauen außerdem für Polizei und Hilfsorganisationen unsichtbar, anders als etwa auf dem Straßenstrich.

Marina bekommt ein Prepaid-Handy ohne Guthaben. Sie muss 24 Stunden am Tag für die Freier erreichbar sein, sie selbst kann aber niemanden anrufen. Die Kunden werden über eine Agentur vermittelt, mit der Marinas Freund zusammenarbeitet. Die Agentur ruft bei ihr an, sobald sich ein Freier meldet, Marina trifft die Männer in ihren Wohnungen oder in Hotelzimmern. Oft bringt ihr Freund sie dorthin.

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