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06.08.2012

03:35 Uhr

Regierungsbeauftragter

"Organspende-Skandal wird viele Leben kosten"

Deutsche Kliniken, die gegen Geld gespendete Organe vermitteln: Dieser Verdacht werde „viele Menschen das Leben kosten“, sagt der Patientenbeauftragte des Bundes. Noch Jahre dürften nun weniger Organe gespendet werden.

CSU-Gesundheitsexperte Wolfgang Zöller. dpa

CSU-Gesundheitsexperte Wolfgang Zöller.

BerlinDer Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Wolfgang Zöller, befürchtet, dass der Transplantationsskandal an den Unikliniken in Regensburg und Göttingen viele Opfer fordern wird. „Was hier gemacht wurde, wird in Zukunft viele Menschen leider das Leben kosten“, sagte der CSU-Politiker den Zeitungen der „WAZ“-Gruppe mit Blick auf eine nachlassende Organspendebereitschaft in der Bevölkerung.

„Schlimmer hätte es kaum kommen können“, sagte Zöller. Gerade jetzt, da man mit dem Transplantationsgesetz Vertrauen wecken wolle, komme dieser Fall auf. „Es wird garantiert Monate, wenn nicht Jahre dauern, um das Vertrauen in die Organspende wiederherzustellen.“

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Zöller forderte eine „hohe Strafe“ für den verantwortlichen Arzt, wenn dessen Schuld, Patientenakten manipuliert zu haben, erwiesen ist. „So ein Mensch hat im Gesundheitswesen nichts mehr verloren. Einen Entzug der Approbation würde ich begrüßen.“

In Göttingen und am Uniklinikum Regensburg wurden offenbar in großem Stil Daten manipuliert, um ausgewählten Patienten gegen Geld Spenderlebern zu verschaffen. Der in Göttingen unter Tatverdacht stehende Transplantationschirurg war von 2003 bis 2008 leitender Oberarzt in Regensburg. An der Universitätsklinik Göttingen soll er in mehr als 20 Fällen Patienten durch Datenmanipulationen Spenderlebern verschafft haben. Gegen ihn wird wegen Bestechlichkeit und Tötungsdelikten ermittelt.

Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, der beurlaubte Chirurgie-Chef des Universitätsklinikums Regensburg und der Hauptverdächtige im Transplantationsskandal von Göttingen und Regensburg seien seit Jahren sehr vertraut gewesen. Demnach trat der Chefarzt noch in dem Jahr als Bürge vor der Vereinigung der bayerischen Chirurgen für den Oberarzt ein, als gegen diesen wegen einer nach Jordanien verschleppten Leber ermittelt wurde.

Die beiden Ärzte hatten sich bereits Mitte der 1990er-Jahre an der Medizinischen Hochschule Hannover kennengelernt. Als der Chefarzt in Regensburg den Lehrstuhl für Chirurgie übernahm, holte er den Oberarzt in seine Abteilung. Beide flogen häufiger ins arabische Ausland, um dort zu transplantieren. In Regensburg brachte der Chefarzt die bis dahin schleppend verlaufene Karriere des Oberarztes in Gang, der bei ihm promovierte.

Auch nach dem Weggang des Oberarztes nach Göttingen publizierten die beiden noch zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten miteinander. Der Chefarzt verhalf sogar der Ehefrau des Oberarztes zur Doktorwürde: Die Zahnärztin promovierte bei ihm über Behandlungsmöglichkeiten bei Leberkrebs.

Neuer Verdacht im Organspende-Skandal

Video: Neuer Verdacht im Organspende-Skandal

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Kommentare (6)

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06.08.2012, 01:39 Uhr

[+++ Beitrag von der Redaktion gelöscht +++]

milo

06.08.2012, 02:23 Uhr

Wieder einmal die typische Gemengelage, Selbstverwaltung und Justiz, hier die Mediziner, hohes Prestige und dort die Justiz. Diese Eliten versagen mal wieder. Natuerlich koennen die Aerzte sich nicht selbst verwalten, ihr absolutes Gewinnstreben und ihren Lobbyismus haben sie ja nun hinlaenglich ueber viele Jahre bewiesen, es geht ihnen nur um ihr ureigenes Interesse mehr Geld zu verdienen. Das der Justiz ein Pfandbon oder der Diebstahl aus einer Supermarktmuelltonne viel mehr am Herzen liegt, als Aerzten auf die Finger zu schauen, ist ja wohl auch hinlaenglich bekannt. Es sind nicht die Einzelpersonen, es ist das System, das diesen Einzelpersonen erst den Weg frei macht, wenn wir das begriffen haben, erst dann wird sich etwas aendern. Durch gegenseitige Schuldzuweisungen , wie sie hier jetzt stattfindet, ist nichts geholfen, es gilt das System transparent zu machen, nur, das sei die Aerztelobby vor. Natuerlich werden die Leute weniger Organe spenden, verschwinden diese doch in einem Nirwana aus Selbstverwaltung und Selbstgerechtigkeit. Menschen werden aus Mangel an Spenderorganen sterben, die Verantwortung haben hier die Aerzte und ihre Selbstverwaltung und ihr Lobbyismus.

BernhardFinge

06.08.2012, 07:23 Uhr

Zur Spendenbereitschaft generell: Ein Mensch ist tot, wenn sein Herz nicht mehr schlägt, sein Kreislauf dementsprechend nicht mehr funktioniert und sein Gehirn sowie alle anderen Organe nicht mehr mit Blut / Sauerstoff versorgt werden. Dann setzen die Körperabkühlung und die Totenstarre ein. Erst dann ist er tot. Fehlt einer dieser Punkte, kann von Tod nicht gesprochen werden. Organe, die man einem solchen „echten Toten“ entnimmt, sind für eine Transplantation aber unbrauchbar, weil sie auch tot sind. Es gibt ernstzunehmende Mediziner, die aus diesen Gründen Transplantationen ablehnen. Es gibt sogar welche, die von Mord sprechen.
Man fühlt sich an die sogenannten Nahtoderlebnisse erinnert. Auch hier war ein Mensch angeblich oder klinisch tot und kam dann wieder ins Leben zurück. Und auch hier muß man ganz klar sagen, daß er eben nicht „richtig“ tot war. „Richtig“ tot bezeichnet einen Endzustand, aus dem es eben kein Zurück gibt. In beiden Fällen bewegt man sich in einem Grenzbereich, von dem wir letztlich nichts wissen. Man sagt nicht umsonst und zutreffend: Es ist noch niemand zurückgekommen.
Ich habe seit Jahren einen Spenderausweis in meiner Tasche, weil ich gerne alle meine Organe zur Verfügung stellen würde, um anderen Menschen damit ihr Leben zu verlängern. Aber ich habe gewisse Zweifel – wie man sieht.

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