Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.02.2013

07:40 Uhr

Regierungsbericht

Immer mehr Menschen müssen nachts arbeiten

Die Deutschen müssen immer öfter in der Nacht oder am Wochenende arbeiten. Auch die Schichtarbeit nimmt immer weiter zu – vor allem in sozialen Berufen. Die Regierung warnt vor höheren psychischen Belastungen.

Nicht zuletzt Angestellte in der Gesundheitsbranche sind verstärkt von Schichtarbeit betroffen. dpa

Nicht zuletzt Angestellte in der Gesundheitsbranche sind verstärkt von Schichtarbeit betroffen.

MünchenImmer mehr Menschen in Deutschland verdienen ihr Geld am Wochenende, abends, in der Nacht oder im Schichtbetrieb. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" (Montagsausgabe) unter Berufung auf eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag. Demnach arbeiteten im Jahr 2011 etwa 8,9 Millionen Beschäftigte, also jeder vierte, "ständig oder regelmäßig am Wochenende". 2001 waren es nur 6,7 Millionen.

Auch die Schichtarbeit hat nach Angaben der Bundesregierung stark zugenommen, von 2001 bis 2011 stieg die Zahl der Beschäftigten mit solchen Arbeitsrhythmen von 4,8 auf sechs Millionen. Am weitesten verbreitet sei Schichtarbeit in den sozialen Berufen, in der Gesundheitsbranche, bei Maschinen- und Anlageführern und beim Verkaufspersonal, heißt es laut dem Bericht in der Antwort der Bundesregierung. Für Schichtarbeiter steige das Risiko von psychischen Belastungen, zudem bestünden "erhöhte gesundheitliche Risiken", bemerkt die Regierung.

Die Nachtarbeit breitet sich demnach ebenfalls wieder aus, 2011 erreichte sie den Höchststand von 2008. Zwischen 23 und sechs Uhr mussten vor zwei Jahren 3,3 Millionen Beschäftigte arbeiten. Von 2001 bis 2004 lag die Zahl der Nachtarbeiter noch bei 2,5 Millionen.

Überlange Arbeitszeiten seien "nach wie vor eine Ausnahme", heißt es in der Antwort. Doch auch hier gab es in den untersuchten zehn Jahren eine Zunahme: Mehr als 48 Stunden die Woche schufteten 2011 etwa 1,92 Millionen Arbeitnehmer. 2001 waren es noch 1,56 Millionen, ein Zuwachs von 23 Prozent.

Was bei der Arbeit stresst

Verantwortung

Was sorgt im Büro für Stress? Der Personaldienstleister Robert Half hat im höheren Management nach den wichtigsten Gründen gefragt. Dabei gaben 18 Prozent der Befragten zu viel Verantwortung oder ständiges an die-Arbeit-denken auch in der Freizeit als Grund für Stress bei der Arbeit an. Nur in Tschechien können die Beschäftigten außerhalb des Arbeitsplatzes schwerer abschalten - dort gaben 28 Prozent an, dauernd an die Arbeit denken zu müssen. Auf der anderen Seite der Skala ist Luxemburg: nur fünf Prozent haben dort dieses Problem.

Stressfrei

Keinen Stress haben dagegen nur sieben Prozent der deutschen Befragten. Genauso niedrig ist der Anteil derer, die ihren aktuellen Job nicht mögen.

Druck von oben

Unangemessener Druck vom Chef nannten 27 Prozent der Befragten hierzulande als Stressgrund. In Brasilien sind es dagegen 44 Prozent.

Chefqualitäten

Wenn der Chef sich eher um sein Handicap kümmert, statt ordentlich zu führen: 28 Prozent der Befragten sind mit der Managementfähigkeit des Chefs unglücklich. Das Unvermögen des führenden Managers, das zu Stress führt, scheint in Luxemburg relativ unbekannt zu sein - nur 11 Prozent der Befragten sind dort mit den Befragten unglücklich, in Dubai sind es gar neun Prozent.

Büroklatsch

Dass unangenehme Kollegen oder fieser Büroklatsch zu Stress führen kann, ist allgemein bekannt. Dementsprechend führen auch 31 Prozent der Befragten das als Stressgrund an - der Anteil derer, die das ähnlich sehen, liegen in allen anderen Ländern fast gleich hoch - außer in Brasilien: 60 Prozent der Befragten geben unangenehme Kollegen und fiesen Büroklatsch als Stressgrund an.

Unterbesetzung

Ein weitere Stressgrund: personelle Unterbesetzung. 41 Prozent der Befragten sehen das als wichtigen Grund für Stress bei der Arbeit an - ein Wert, der fast in allen Ländern ähnlich ist.

Arbeitsbelastung

Doch am problematischsten, laut der Studie: die hohe Arbeitsbelastung. 51 Prozent der Befragten gaben dies als Stressgrund an. Deutschland liegt damit im Schnitt, auch in den anderen elf Ländern ist ein ähnlich hoher Anteil der gleichen Meinung.

Besonders häufig seien solche überlangen Arbeitszeiten bei Lehrern, Ingenieuren und bei "Berufen der Unternehmensleitung, -beratung und -prüfung". Der Bundesregierung zufolge ist die Anzahl der Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz seit 2007 um fast 30 Prozent auf 12.424 gestiegen.

Die Sprecherin der Linken für Arbeit und Mitbestimmung, Jutta Krellmann, sagte der "Süddeutschen Zeitung", "Psychostress" sei "eine tickende Zeitbombe in der Arbeitswelt" und müsse "endlich eingedämmt werden". Die Bundestagsabgeordnete fordert wie die IG Metall eine Anti-Stress-Verordnung im Arbeitsschutzgesetz.

Von

afp

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

18.02.2013, 08:13 Uhr

Das sind die Folgen unserer ach tollen Service-Gesellschaft.
Natürlich wird es immer Berufe geben wo man auch nachts und am WE arbeiten muss, aber sollte wirklich auf das absolute Nötige beschränkt werden !

Und dazu bedarf es internationaler Initiativen.

Es ist z.B nicht einzusehen, warum Luftfracht unbedingt nachts verladen werden muss.
In Köln Bonn angeblich überlebenswichtig, in Zürich geht's auch anders .....

leser

18.02.2013, 08:34 Uhr

Die Information: immer mehr Menschen arbeiten nachts.

Die journalistische Aufbereitung: immer mehr Menschen müssen nachts arbeiten.

btw

18.02.2013, 08:37 Uhr

Spass Spass, möchte man denken.
Warum nachts verladen wird?
Damit just in time die Ware am kommenden morgen die Kunden erreicht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×