Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.10.2014

14:50 Uhr

Regierungskoalition in Thüringen

Wer hat Angst vor dem roten Schreckgespenst?

VonDietmar Neuerer

Wer vor einer linken Regierung in Thüringen warnt, der verkennt, dass Deutschland bereits Erfahrungen mit linken Landesregierungen gemacht hat. Dabei zeigt sich: So schlecht haben rot-rote Bündnisse gar nicht regiert.

Angst vor dem roten Mann: Der Thüringer Linken-Politiker Bodo Ramelow könnte bald Ministerpräsident sein - ein Novum, das für Unruhe in der Politik sorgt. dpa

Angst vor dem roten Mann: Der Thüringer Linken-Politiker Bodo Ramelow könnte bald Ministerpräsident sein - ein Novum, das für Unruhe in der Politik sorgt.

BerlinRund 25 Jahre nach dem Mauerfall und dem Ende der SED könnten in Thüringen SPD und Grüne Bodo Ramelow als erstem linken Ministerpräsidenten ins Amt verhelfen. Obwohl es auch eine knappe Mehrheit für eine schwarz-rote Koalition gäbe. Aber der SPD-Landesvorstand hat den Thüringer Mitgliedern, die das letzte Wort haben, Rot-Rot-Grün empfohlen. Entsprechend groß ist die Aufregung.

Der Geschäftsführer der Unionsfraktion im Bundestag, Michael Grosse-Brömer, ist fassungslos, CDU-Generalsekretär Peter Tauber spricht von einem schlechten Tag für Thüringen. Zwar hatte CDU-Chefin Angela Merkel erklärt, die Landesverbände der Parteien bestimmten über die Koalitionen in ihrem Land. So wie es die CDU in Hessen im Dezember tat, als sie ein Bündnis mit den Grünen einging.

Doch die CDU fühlt sich vom Berliner Koalitionspartner und Thüringer Wahlverlierer SPD ausgebootet – nach, wie sie es sieht, 24 Jahren erfolgreicher Arbeit in Thüringen und einem Wählerauftrag für Christine Lieberknecht.

Thüringens Wirtschaft in Zahlen

Arbeitsplätze

Im 1. Vierteljahr 2014 hatten im Durchschnitt 1.018.600 Personen einen Arbeitsplatz in Thüringen. Das waren 800 Personen mehr als im 1. Vierteljahr 2013.

Arbeitslosenquote

Im August 2014 waren in Thüringen 87.090 Menschen arbeitssuchend gemeldet. Das entsprach einer Arbeitslosenquote von 7,5 Prozent (Gesamt-Deutschland: 6,6 Prozent).

Einkommen

Das durchschnittliche Haushalts-Einkommen in Thüringen lag 2012 bei 39.859 Euro im Jahr. Zehn Jahre zuvor waren es noch 32.946 Euro.

BIP

Das durchschnittliche Bruttoinlandsprodukt pro Kopf beträgt in Thüringen 23.168 Euro, in Deutschland sind es 33.355 Euro.

Handwerk

Mit einem Umsatz von mehr als 11 Mrd. Euro pro Jahrnahezu 32.000 in der Handwerksrolle eingetragenen Betrieben, über 134.000 Beschäftigten und über 7.000 Auszubildenden ist das Handwerk ein bedeutender Arbeitgeber, Ausbilder und Wirtschaftsfaktor in Thüringen.

Kreativwirtschaft

Mehr als 1,6 Mrd. Euro Jahresumsatz, rund 22.500 Erwerbstätige und mehr als 3.200 Unternehmen arbeiten in Thüringen in der Kreativwirtschaft und machen den Bereich zu einem relevanten Wirtschaftsfaktor.

Exporte

Der Warenwert der Thüringer Exporte erreichte im 2. Vierteljahr 2014 ein Volumen von 3,3 Milliarden Euro und lag damit um 2,8 Prozent über dem Wert für das 2. Vierteljahr 2013.

Importe

Thüringens Einfuhren erreichten im 2. Vierteljahr 2014 ein Volumen von 2,1 Milliarden Euro und stiegen gegenüber dem 2. Vierteljahr 2013 im Warenwert um 1,7 Prozent an.

Inflationsrate

Die Jahresteuerungsrate stieg von 0,7 Prozent im Juli auf 0,8 Prozent im August. Im Monatsvergleich blieb der Verbraucherpreisindex mit einem Indexstand von 106,5 Prozent konstant.

Verschuldung

Die Landesverschuldung Thüringens ohne Bürgschaften erreichte zum Ende 2013 einen Wert von 16,57 Mrd. Euro, was einer Pro-Kopf-Verschuldung von 7.660 Euro je Einwohner entspricht. Mit Bürgschaften sind es 8.819 Euro, in Deutschland durchschnittlich 11.339 Euro.

Landeshaushalt

Das Haushaltsvolumen beträgt 2013 rund 9,066 Milliarden Euro und 2014 rund 8,954 Milliarden Euro. In den kommenden beiden Jahren sollen in Thüringen Schulden in Höhe von 130 Mio. Euro getilgt werden.

Quellen

Landesamt für Statistik, Arbeitsagentur, Landesamt für Statistik, Statista, Wirtschaftsministerium, Finanzministerium

So zählte etwa der CDU-Generalsekretär Peter Tauber mit Blick auf Arbeitsplätze, Haushalt und Wirtschaftswachstum zunächst die Erfolge der bisherigen Großen Koalition in Thüringen auf, um dann die Warnung auszugeben. „Dies alles gefährdet die Thüringer SPD mit ihrer Entscheidung.“

Solche Horrorvisionen wurden auch schon in der Vergangenheit beschworen, als sich rot-rote Koalitionen bildeten – in Mecklenburg-Vorpommern (1998 bis 2006), in Berlin (2002 bis 2011) und in Brandenburg (seit 2009). Besonders drastisch fielen die Reaktionen aus, als klar war, die Hauptstadt wird künftig von einem Linksbündnis regiert.

Ramelow will Landeschef werden: Bodo Ja – Linkspartei Nein

Ramelow will Landeschef werden

Bodo Ja – Linkspartei Nein

Bodo Ramelow könnte als erster Linken-Politiker Ministerpräsident werden. Bleibt die Frage: Kann Ramelow auch Wirtschaft? Wir hatten vor der Landtagswahl Unternehmer im Land besucht. Sie sind skeptisch.

Union und FDP prangerten das Wiedererstarken des Kommunismus mitten in Deutschland an - Berlin in einer Reihe mit Peking, Havanna und Pjöngjang. Die SPD wurde als Steigbügelhalter für die erneute Machtübernahme der einstigen SED-Genossen geschmäht. Vom Verrat an den Mauertoten war die Rede.

Vier Jahre später beruhigten sich die Gemüter wieder. Weil Rot-Rot in Berlin bundesweit als Normalität akzeptiert worden war. Aber auch, weil viele einsehen mussten, dass auch eine linke Regierung regieren kann, ohne dass gleich der Weltuntergang droht. Wie bei andersfarbigen Landesregierungen gibt es Licht und Schatten – und manchmal sogar mehr Licht als Schatten, wie der folgende Überblick zeigt.

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

29.10.2014, 15:13 Uhr

Die Bürger des Bundesland Thüringen sollten Angst davor haben...mit Rot-Rot-Grün ging es schon immer in Sachen Wirtschaft und Wohlstand bergab. Siehe NRW.
Außer der Wirtschaft und der Industrie mit CO2-Ablasshandel und Verboten Knüppel in den Weg zu werfen, haben die Roten und Grünen noch nie etwas zustande gebracht.

Account gelöscht!

29.10.2014, 15:19 Uhr

Am besten die Politik abschaffen, und nur auf einzelne FÄHIGE Personen setzen. Nichts mit Liste, Schleim, Parteizugehörigkeit.

Novi Prinz

29.10.2014, 15:29 Uhr

So schlecht haben rot-rote Bündnisse gar nicht regiert.

Was solls, schlechter geht kaum noch .

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×