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30.05.2011

15:38 Uhr

Regierungskonsultationen

Westerwelle bahnt Merkels Weg durch Indien

Mit großem Aufgebot will die Bundesregierung die Wirtschaftsbeziehungen zu Indien verbessern. Nach dem Außenminister fliegt Dienstag die Kanzlerin ein. Indien könnte das neue China werden - aber es gibt auch Konfliktstoff.

Guido Westerwelle mit Indiens Außenminister Somanahalli Mallaiah Krishna. Quelle: Reuters

Guido Westerwelle mit Indiens Außenminister Somanahalli Mallaiah Krishna.

Neu DelhiGerade, als Guido Westerwelle dazu ansetzt, Indien als Wirtschaftsmotor zu loben, fällt im Taj Mahal Hotel das Licht aus. Kaum etwas unterstreicht die wirtschaftliche Aufholjagd des Schwellenlandes besser, von der der deutsche Außenminister spricht. Einerseits bietet eine der teuersten Adressen der indischen Hauptstadt Neu Delhi allen erdenklichen Luxus. Andererseits spüren auch die Bewohner des Sternehotels von Zeit zu Zeit die Defizite in der indischen Infrastruktur.

Westerwelle sprach am Montag mit dem indischen Außenminister Somanahalli Mallaiah Krishna über die Bemühungen von Deutschland, Japan, Brasilien und Indien um eine Reform des Uno-Sicherheitsrats, die deutsche Energiewende und das in der Mache befindliche Freihandelsabkommen zwischen Indien und der EU. Trotz dieses hochrangigen Ministertreffens sind die Gespräche aber nur das Vorspiel zu größerem.

Die deutsch-indischen Wirtschaftsbeziehungen

Exporte

Die deutschen Ausfuhren nach Indien haben sich von 2000 bis 2010 nahezu vervierfacht. Im vergangenen Jahr wurden dort Waren „Made in Germany“ im Wert von 9,25 Milliarden Euro abgesetzt, ein Plus von 14,3 Prozent. In der Rangliste der wichtigsten Exportkunden Deutschlands nimmt Indien damit Platz 21 ein. Größter Verkaufsschlager sind Maschinen, gefolgt von chemischen Produkten, Elektronik und Fahrzeugen.

Importe

Schneller als die Exporte wachsen die Einfuhren aus Indien. Sie legten 2010 um mehr als ein Fünftel auf rund 6,2 Milliarden Euro zu. Dabei stehen Textilien und Bekleidung an Nummer eins, gefolgt von chemischen Produkten, Elektronik, Maschinen und Nahrungsmitteln.

Unternehmen

Mehr als 3000 deutsche Unternehmen sind in Indien tätig, zum Teil schon seit Jahrzehnten. Darunter befinden sich so große Konzerne wie Siemens, Bosch, SAP und BMW. Umgekehrt gibt es rund 300 indische Firmen in Deutschland, die knapp 13.000 Mitarbeiter zählen. Dazu gehören der Windenergieanlagen-Bauer Repower und der Arzneimittel-Hersteller Betapharm.

Wirtschaftswachstum

Die Aussichten der deutschen Wirtschaft auf einen Ausbau ihrer Geschäfte mit Indien sind gut: Der Internationale Währungsfonds (IWF) sagt dem Schwellenland in diesem Jahr ein Wachstum von 8,2 Prozent und 2012 von 7,8 Prozent zu.

Morgen kommt die Bundeskanzlerin selbst, um einen neuen Schritt in den Beziehungen zu dem mit Macht aufstrebenden Schwellenland zu markieren. Zum 175 Personen starken Tross im Schlepptau der Kanzlerin gehören unter anderem vier Bundesminister und mehrere Staatssekretäre. Sie alle wollen ihre indischen Kollegen treffen - zu den ersten Regierungskonsultationen mit einem asiatischen Land überhaupt.

"Das Treffen ist ein Meilenstein in der Zusammenarbeit der beiden Länder", sagte Thomas Mattusek, der deutsche Botschafter in Indien, am Freitag. Es solle die Basis bilden für regelmäßige Zusammentreffen dieser Art.

Zu den wichtigsten Gesprächsthemen aus deutscher Sicht gehört die wirtschaftliche Zusammenarbeit. Mit 18 Prozent Wachstum und einem Gesamtvolumen von 15,5 Milliarden Euro im Jahr 2010 hat der bilaterale Handel zwischen Deutschland und Indien bisher nie gekannte Größenordnungen erreicht. Im Jahr 2011 gab es eine weitere Steigerung auf 4,5 Milliarden allein im ersten Quartal. Das von Merkel und dem indischen Premierminister Manmohan Singh gesetzte Ziel von 20 Milliarden Euro im Jahr 2012 scheint damit mehr als erreichbar.

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