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10.06.2014

17:18 Uhr

Regulierung des Wohnungsmarktes

Mieterbund fürchtet Verzögerungen bei Mietpreisbremse

Die große Koalition will einiges ändern für Mieter, zumindest hat sie es angekündigt. Doch der Mieterbund fürchtet, dass es noch länger übertrieben hohe Mieten und Maklergeschäfte zulasten Wohnungssuchender geben wird.

Sie wollen günstigen Wohnraum: Demonstranten in Berlin-Kreuzberg gehen gegen hohe Mieten auf die Straße. Der Mieterbund glaubt, dass die Regierung die Projekte auf die lange Bank schieben will. dapd

Sie wollen günstigen Wohnraum: Demonstranten in Berlin-Kreuzberg gehen gegen hohe Mieten auf die Straße. Der Mieterbund glaubt, dass die Regierung die Projekte auf die lange Bank schieben will.

BerlinDer Deutsche Mieterbund warnt davor, geplante Entlastungen für Mieter auf die lange Bank zu schieben. „Eine Verzögerung würde natürlich eindeutig zulasten bestimmter Mieterhaushalte gehen“, sagte Verbandspräsident Franz-Georg Rips am Dienstag in Berlin. Kurz vor der parlamentarischen Sommerpause befürchtet der Mieterbund, dass Teile der schwarz-roten Koalition versuchen könnten, längst vereinbarte Projekte wie „Mietpreisbremse“ und Änderungen im Maklerrecht aufzuweichen. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) teilte auf dpa-Anfrage mit, alles dafür zu tun, dass beide Projekte „so schnell wie möglich in Kraft treten können“.

Mieterbundspräsident Rips räumte ein, dass die Wohnungspolitik von der Koalition zwar aus dem „Dornröschenschlaf wachgeküsst worden“ sei. Nun müssten aber die Vereinbarungen aus dem Koalitionsvertrag auch in die Tat umgesetzt werden. „Es gibt genug zu tun im Mietrecht“, so der Verbandspräsident. Doch man könne den Eindruck gewinnen, dass Teile der CDU die geplanten Neuregelungen ablehnten und nach Möglichkeiten suchten, den von Maas vorgelegten Referentenentwurf zu verzögern.

Angesichts der Vereinbarungen im Koalitionsvertrag forderte Rips, die „Mietpreisbremse“ wie geplant umzusetzen. Die Neuregelung sieht vor, dass bei einem Mieterwechsel in angespannten Märkten die neue Miete künftig maximal zehn Prozent über dem ortsüblichen Niveau liegen dürfen soll. Das soll hohe Aufschläge bei Neuvermietungen verhindern. In welchen Regionen die Regelung greift, sollen die Länder festlegen können.

Es gebe dringenden Handlungsbedarf, so Rips. „Wir brauchen die Mietpreisbremse und zwar so schnell wie möglich.“ In angespannten Märkten wie zum Beispiel Universitätsstädten und einigen Ballungsräumen müssen Mieter bei Neuverträgen nach seinen Worten im Schnitt mehr als ein Drittel mehr zahlen als die Vormieter.

Die attraktivsten Immobilienmärkte Europas

Die Umfrage

Wie attraktiv sind die Immobilienmärkte Europas - das hat die Unternehmensberatung Ernst & Young 500 Investoren gefragt, die in den vergangenen Jahren auf ihrem nationalen Markt aktiv waren. Dabei sind folgende Ergebnisse herausgekommen:

Platz 1

Polen

Deutschlands östlicher Nachbar bietet der Umfrage zufolge den attraktivsten Standort für Immobilieninvestments. 67 Prozent der Befragten hielten Polens Immobilienmarkt für attraktiv, 33 Prozent gar für sehr attraktiv. Im Europäischen Vergleich sieht die Situation ähnlich aus: 85 Prozent der Befragten fanden beurteilten den Standort als gut oder sehr gut.

Platz 2

Deutschland

Auch Deutschland scheint Immobilienanlegern ein guter Standort zu sein. 67 Prozent der Befragten hielten den Immobilienmarkt hierzulande für attraktiv, nur ein Prozent gab sich skeptisch. Im Europäischen Vergleich hielten 59 Prozent der Befragten Deutschland für besonders attraktiv für Immobilienanlage.

Platz 3

Großbritannien

96 Prozent der Anleger beurteilten Immobilieninvestments auf der britischen Insel als attraktiv oder als sehr attraktiv. Auch im europäischen Vergleich war die Mehrheit dieser Meinung - lediglich zwei Prozent hielten den Markt für weniger lukrativ.

Platz 4

Schweden

30 Prozent der Befragten hielten Immobilieninvestments in Schweden für sehr attraktiv, weitere 65 Prozent zumindest für lohnend. Im Europäischen Vergleich schneidet das skandinavische Land weniger gut ab: Dort halten immerhin zehn Prozent der Befragten es für einen unattraktiven Standort.

Platz 5

Österreich

94 Prozent der Anleger hielten Investments auf dem österreichischen Immobilienmarkt für attraktiv oder sehr attraktiv, so die EY-Umfrage. Im europäischen Vergleich waren es 97 Prozent.

Platz 6

Russland

Rund ein Drittel der Befragten fand, dass sich das Investieren in den russischen Immobilienmarkt lohne. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern scheint das Land jedoch weniger attraktiv zu sein, lediglich 16 Prozent der Befragten fanden, dass sich auch im Europa-Vergleich Russland-Investments besonders lohnen.

Platz 7

Spanien

Für kein anderes Land in der Umfrage sind so viele Investoren der Meinung, dass sich Immobilienkauf lohne, wie für Spanien. 49 Prozent beurteilen den Standort als sehr attraktiv, im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sind 47 Prozent der Befragten dieser Meinung.

Platz 8

Luxemburg

Luxemburg beurteilen 35 Prozent der Befragten als besonders attraktiv, weitere 47 Prozent als attraktiv. Im Europavergleich sehen die Zahlen ähnlich aus: 92 Prozent finden den Standort sehr gut oder gut.

Platz 9

Türkei

Gerade im europäischen Vergleich schneidet die Türkei bei Immobilieninvestoren gut ab. 55 Prozent beurteilen den Markt als besonders attraktiv. Für sich genommen, beurteilen 45 Prozent den Markt als besonders gut. Rund ein Fünftel findet allerdings, dass sich das Investieren in die Türkei weniger lohnt.

Platz 10

Schweiz

Deutlich skeptischer blicken Investoren auf den Schweizer Markt. 20 Prozent halten ihn für sich genommen für wenig attraktiv, im Vergleich zu anderen EU-Staaten gar 30 Prozent. Zugleich sind 35 Prozent der Befragten der Meinung, dass sich Investments in die Schweiz lohnen.

Platz 11

Belgien

Über die Hälfte (54 Prozent) der befragten Investoren findet den belgischen Immobilienmarkt attraktiv, im Europavergleich 58 Prozent. Für besonders attraktiv halten den Markt ein Viertel der Befragten (Europavergleich: 21 Prozent).

Platz 12

Niederlande

Für nicht besonders attraktiv halten 33 Prozent der Befragten den niederländischen Immobilienmarkt - sowohl für sich genommen, als auch im Europavergleich. Immerhin: Über die Hälfte sind der Meinung, dass sich das Anlegen in dortige Häuser und Wohnungen lohne.

Platz 13

Ukraine

Wenn es um den Vergleich zu anderen Ländern Europas geht, ist die Ukraine für die Befragten das schlechteste Land. 44 Prozent halten es für weniger attraktiv. Für sich genommen steht die Ukraine aber gar nicht so schlecht da: Immerhin sind 57 Prozent der Immobilieninvestoren der Meinung, Anlegen würde sich in diesem Land lohnen.

Platz 14

Italien

61 Prozent der Befragten halten den italienischen Immobilienmarkt für attraktiv oder se, 39 Prozent sind der gegenteiligen Meinung. Im Europavergleich steht Italien weniger schlecht da: Dort finden 27 Prozent der Investoren, dass sich der Markt besonders lohne.

Platz 15

Frankreich

Das Schlusslicht im EY-Rating ist Frankreich. 40 Prozent der Investoren halten den Markt für sich genommen für unattraktiv. Im Europavergleich sinkt diese Zahl allerdings auf 18 Prozent.

Eine weitere Neuregelung betrifft das Maklerrecht: Künftig sollen die Kosten für Makler nicht mehr automatisch auf die Mieter umgelegt, sondern von dem getragen werden, der den Makler beauftragt. Gegen dieses „Bestellerprinzip“ gibt es Widerstand: Der Immobilienverband IVD zum Beispiel sieht verfassungsrechtliche Probleme und befürchtet langwierige Rechtsstreitigkeiten.

Nach Ansicht von Mieterbundsdirektor Lukas Siebenkotten zieht dieses Argument nicht: „Das ist eigentlich so marktwirtschaftlich wie nur irgendwas.“ Er begrüßte den Entwurf von Maas. Der Mieterbund pocht zudem darauf, auch andere im Koalitionsvertrag vorgesehene Änderungen nicht aus den Augen zu verlieren. Er verwies auf Themen wie Kosten für energetische Sanierungen, Mieterhöhungen und Kündigungsschutz.

Mit Blick auf den weiteren zeitlichen Fahrplan für „Mietpreisbremse“ und Maklerrecht ergänzte Justizminister Maas: „Wenn die Mietpreisbremse wie geplant im kommenden Jahr greift, haben wir gut gearbeitet.“ Gleiches gilt seinem Ministerium zufolge für die vorgesehenen Änderungen im Maklerrecht. Beide Projekte sorgen nach seiner Einschätzung dafür, dass sich die Lage auf angespannten Wohnungsmärkten entspannen wird.

Von

dpa

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