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05.03.2012

15:51 Uhr

Regulierung

Schwarz-Gelb will Rohstoffmärkte schärfer kontrollieren

Auf den Rohstoffmärkten tummeln sich immer mehr Finanzinvestoren. Sie nutzen dabei auch kaum durchschaubare Konstrukte und Preiswetten. Union und FDP fordern schärfere Regeln und mehr Transparenz.

Schwarz-Gelb will die Spekulationen an den Rohstoffmärkten eindämmen. dpa

Schwarz-Gelb will die Spekulationen an den Rohstoffmärkten eindämmen.

BerlinUnion und FDP machen Druck für eine schärfere Regulierung der Rohstoffmärkte. Der schwarz-gelben Koalition geht es vor allem um mehr Transparenz speziell beim Handel mit schwer durchschaubaren Rohstoffderivaten und Preiswetten an den Terminmärkten sowie beim sekundenschnellen Hochfrequenzhandel. Das geht aus einem Antrag der Koalitionsfraktionen von Montag hervor.

Danach sollen „insbesondere künftig alle Hochfrequenzhändler unter die Finanzmarktaufsicht“ gestellt werden. Für Derivatgeschäfte - das sind hochkomplexe Finanzprodukte - auf Agrarmärkten sollten zusätzliche Regulierungsmaßnahmen geprüft werden. Auch Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sowie die Finanzaufsicht Bafin warnten vor Ansteckungsgefahren, Übertreibungen und neuen Preisblasen.

Bei einer Konferenz der Unionsfraktion im Bundestag sagte Schäuble, die Entwicklung dürfe unter keinen Umständen tatenlos hingenommen werden. Bei den Bemühungen zur Regulierung habe es im vergangenen Jahr aber „ziemlich viel Ernüchterung“ gegeben.

Hintergrund ist, dass die weltweiten Rohstoffmärkte zunehmend von Finanzinvestoren beherrscht werden und wie Finanzmärkte agieren. Auch die Bundesbank verwies in ihrem Finanzstabilitätsbericht auf die hohen Kapitalzuflüsse und das wachsende Engagement von Banken, Index-Fonds und Hedgefonds auf den Rohstoffmärkten.

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An den Märkten für Energie, Metalle, Mineralien und Agrarprodukte gab es zudem erhebliche Preisschwankungen. Rohstoffderivate spielen zwar eine wichtige Rolle bei der Absicherung der Unternehmen gegen Preisrisiken. Der Derivatemarkt ist zuletzt aber stark gewachsen. Es besteht die Sorge, dass Rohstoffpreise nicht mehr von Angebot und Nachfrage bestimmt werden, sondern von Trends am Derivatemarkt.

Raimund Röseler von der Finanzaufsicht BaFin forderte zusätzliche Eingriffe auf nationaler und internationaler Ebene. Eine neue Blase müsse unbedingt verhindert werden. Angesichts der hohen Liquidität und niedriger Zinsen sei diese Gefahr nicht aus der Luft gegriffen.

Nach Angaben Schäubles und der Bafin ist das verwaltete Vermögen auf den Rohstoffmärkten zwar noch relativ gering. Die Tendenz sei aber steigend. Seit 2003 ist es laut Röseler von 26 Milliarden auf aktuell mehr als 400 Milliarden US-Dollar gestiegen. Treiber seien nicht nur Banken. Die ausstehende Summe an Rohstoff-Terminmärkten umfasse die gigantische Summe von 3200 Milliarden US-Dollar.

Die Top-Wirtschaftsmächte (G20) haben sich grundsätzlich dafür ausgesprochen, spekulative Preisschwankungen bei Rohstoffen durch strengere Regeln für Derivate einzudämmen. Dazu soll die Transparenz auf Terminmärkten erhöht und der Aufsicht Instrumente wie ein Limit für Handelspositionen zur Verfügung gestellt werden.

Auf EU-Ebene sollen zentrale Elemente der G20-Beschlüsse im Rahmen der überarbeiteten Richtlinie für Märkte über Finanzinstrumente (MiFiD) und der Marktmissbrauchsrichtlinie (MAD) umgesetzt werden. Daneben hat die EU-Kommission schärfere Rahmenbedingungen für den Hochfrequenzhandel vorgeschlagen.

Von

dpa

Kommentare (1)

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nobum

05.03.2012, 16:28 Uhr

Rohstoffe werden überwiegend im Ausland (UK,.... USA) gehandelt. In den USA sind die Regeln ziemlich restriktiv, in London weniger, und die Deutsche Bank ist ein großer Player. Was will Schwarz-Gelb da groß machen. Mit der neuen Tobin-Steuer gehen weitere Aktivitäten ins Ausland, und hier.......

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