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24.07.2014

18:23 Uhr

Rekordüberschuss

Arbeitgeber drängen auf Senkung des Rentenbeitrags

VonPeter Thelen

ExklusivNachdem die Bundesregierung per Sondergesetz die Senkung des Rentenbeitrags gestoppt hatte, fordert die Wirtschaft diesen Schritt nun endlich ein. Man könne nicht weitere Walversprechen aus den Rentenkassen bezahlen.

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) fordert endlich eine Entlastung der Arbeitgeber bei den Rentenbeiträgen. dpa

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) fordert endlich eine Entlastung der Arbeitgeber bei den Rentenbeiträgen.

BerlinAngesichts des Rekordüberschusses von 34 Milliarden Euro in der Rentenversicherung hat die Wirtschaft die Bundesregierung ermahnt, jeden Spielraum zur Senkung des Rentenbeitrags im nächsten Jahr zu nutzen. „Der Rentenbeitragssatz für das kommende Jahr sollte so festgelegt werden, wie es das Gesetz verlangt“, teilte die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) dem Handelsblatt mit (Freitagausgabe). „Der Gesetzgeber sollte nicht schon wieder Arbeitgebern und Beschäftigten eine gesetzlich zustehende Entlastung beim Rentenbeitrag verweigern.“

Nach den gesetzlichen Bestimmungen hätte der Rentenbeitrag eigentlich schon zum 1. Januar gesenkt werden müssen. Die Bundesregierung hatte diese Senkung aber mit einem Sondergesetz gestoppt, um Spielraum für die Finanzierung ihres Rentenpakets zu gewinnen. Inzwischen zeichnet sich aber ab, dass trotz der hohen Kosten von Rente mit 63 und Mütterrente 2015 erneut der Beitrag gesenkt werden muss, weil andernfalls die Rücklagen die gesetzliche Höchstgrenze von 1,5 Monatsausgaben überschreiten würden.

Das Rentenpaket der Großen Koalition

Mütterrente

Etwa 9,5 Millionen Frauen, deren Kinder vor 1992 zur Welt kamen, bekommen Kindererziehungszeiten in der Rente künftig besser honoriert. Pro Kind sind das ab 1. Juli brutto knapp 28 Euro monatlich mehr im Westen und gut 26 Euro mehr im Osten. Dies ist eine Verdoppelung des bisher bezahlten Zuschlags. Frauen mit jüngeren Kindern sind bei der Mütterrente aber immer noch bessergestellt.

Abschlagsfreie Rente ab 63

Wer mindestens 45 Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt hat, soll schon ab 63 Jahren ohne Abschlag in Rente gehen können. Begünstigt sind die Geburtsjahrgänge zwischen 1952 und 1963. Phasen kurzer Arbeitslosigkeit sollen mit angerechnet werden, aber nicht in den letzten zwei Jahre vor Beginn der Frührente. Das soll eine Welle von Frühverrentungen verhindern. Selbständige, die in ihrem Berufsleben mindestens 18 Jahre lang Pflichtbeiträge in die Rentenkasse entrichtet haben und danach freiwillig weiterversichert blieben, sollen ebenfalls ab 63 eine abschlagfreie Frührente beziehen können. Das kommt vor allem Handwerkern zugute.

Erwerbsminderungsrente

Wer aus gesundheitlichen Gründen vermindert oder gar nicht mehr arbeiten kann, soll brutto bis zu 40 Euro mehr Rente bekommen. Die Betroffenen werden so gestellt, als ob sie mit ihrem früheren durchschnittlichen Einkommen bis 62 – und damit zwei Jahre länger als bisher – in die Rentenkasse eingezahlt hätten.

Reha-Leistungen

Um Frühverrentungen aus gesundheitlichen Gründen zu verhindern, sollen die bislang gedeckelten Mittel für Rehabilitationsleistungen dynamisiert – also schrittweise erhöht – werden.

Bei der BDA fürchtet man, die Bundesregierung könnte die Beitragssenkung noch einmal stoppen, um weitere Wahlversprechen wie die „Lebensleistungsrente“ aus der Rentenkasse zu bezahlen. „Wenn die Lebensleistungsrente trotz aller Bedenken beschlossen wird, muss sie –wie im Koalitionsvertrag vereinbart – aus Steuermitteln finanziert werden“ hieß es dazu bei der BDA. Es dürfe nicht wie bei der Mütterrente dazu kommen, dass eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe von den Beitragszahlern geschultert werden muss.

Kommentare (3)

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Herr Woifi Fischer

25.07.2014, 12:18 Uhr

Rekordüberschuss
Arbeitgeber drängen auf Senkung des Rentenbeitrags
Die willkürliche Höchstgrenze von 1,5 Monatsausgaben ist durch Gesetz jederzeit zu verändern. Man sollte über eine Erhöhung auf 3 Monatsausgaben nachdenken, es können auch wieder schlechtere Zeiten auf den deutschen Arbeitsmarkt zukommen.

Arbeitgeber und Arbeitnehmer tragen die Pflichtbeiträge zur Rentenversicherung je zur Hälfte.
Bei einem Beitragssatz von zur Zeit19.9% entfallen auf jeden also9.95%, was soll das Gejammere der Arbeitgeber?
Was ist der Hintergrund des Jammerns der Arbeitgeber?
Wollen sie noch mehr Gewinne einfahren?

Herr D. Dino54

25.07.2014, 17:43 Uhr

"Rücklagen in der Rentenversicherung erreichen Rekordniveau" Artikel vom 23.07.2014

Natürlich drängt man auf Senkung, war schon bei diesem oben genannten Artikel und in der Vergangenheit klar !

Durchsichtig und zuwider dieses Spielchen aus Politik und Wirtschaft !

Arbeit lohnt sich nicht mehr in Deutschland, ein Armutszeugnis für Politik und Arbeitgeber... !!!

Ein Nachwuchs-Rentner mit einem Brutto-Gehalt von 2700 € im Monat, erhält ein bisschen mehr, als einer, der nie gearbeitet hat !!!
Die darunter liegen werden Armut-Aufstocker !!!

Einer, der den Höchstbetrag in die Rentenkasse einzahlt, das sind ~ 12000 € im Jahr, dem wird dann für das eingezahlte Jahr in Zukunft eine Monatsrente von ~50,00 € angerechnet ! Abzüge, besser, Kürzungen nicht berücksichtigt !!!

Eine Verars..ung von Politik und Arbeitgeber... incl. die private LOBBY-Riester-Rente !

Übrigens, den Herrn Riester ging/geht es nach der politischen "Karriere" äußerst gut, durch die Versicherungsbranche !

Werdet endlich wach !!! Lasst euch nicht ausspielen, Jung vs Alt !

Sind wir Bürger/Wähler/Arbeitnehmer bekloppt, das wir uns diese Unverschämtheiten weiter gefallen lassen ?


Herr Caruso Mortale

28.07.2014, 15:29 Uhr

Wir sollten nicht vergessen, unter welchen Abverkauf der gesetzlichen Leistungen der Rente, die Senkungen und Einschnitte erfolgten. Die paritätische Finanzierung wurde zu Gunsten der Versicherungswirtschaft (Riester-Rente) durchbrochen und mit der Rentenwertformel den derzeitigen Rentnern zur Mitfinanzierung aufgezwungen. Die Arbeitnehmer wurden gezwungen Finanzmarktabhängige Produkte zu kaufen, deren Rentabilität fraglich erscheint. Weshalb wurden Sonderzahlungen nicht über die GRV eingeführt, wenn es dem Staat um die Interessen der Menschen geht? Die Rücklagen müßten wieder auf das alte Niveau angepaßt und eine Rente unter Berücksichtigung der Arbeitsart eingeführt werden. Eine Schwerstarbeiterrente wäre denkbar. Wir müssen uns fragen, was der Gesellschaft die älteren Menschen wert sind, die Ihre Leistung erbrachten und welche Aufgabe die GRV zu erbringen hat. Dieses hat in einem breiten gesellschaftlichen Diskurs zu erfolgen und darf auf keinem Fall Lobbyisten und Wirtschaft überlassen werden, andernfalls sollten wir uns vom "Sozialstaat" verabschieden...und dann gute Nacht Deutschland.

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