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04.01.2006

10:06 Uhr

Rekruten werden eingekleidet

Der Soldat soll gut marschieren können

VonSilke Kersting

120 Artikel sind es etwa, die jeder Rekrut gegen Unterschrift erhält, wenn er seine Wehrpflicht abzuleisten beginnt. Skeptische Blicke gibt es zuhauf, doch im Verlauf der Ausbildung entwickeln sich Feldhosen, Socken und Rucksäcke zu regelrechten Liebhaberstücken.

BERLIN. Es ist eine Strecke von knapp hundert Metern, auf denen die jungen Männer sichtbar zu Soldaten werden. Eine Dame am Stehpult vermisst ihnen den Kopf, den Brust- und Bauchumfang. Langsam, während die Rekruten wie an einer Theke entlang die Ausgabestationen für ihre neue olivgrüne Ausstattung abklappern, verschwinden Teile ihrer zivilen Habe langsam unter einem Berg von Feldhosen, Feldhemden, Trainingshosen, Unterziehhemden, Socken, Rucksäcken und Sportschuhen. 120 Artikel sind es etwa, die jeder Rekrut gegen Unterschrift erhält, wenn er seine Wehrpflicht abzuleisten beginnt.

In Berlin sind es zwei Kasernen, wo zu Beginn eines jeden Quartals frisch einberufene Wehrpflichtige eingekleidet werden: in der Blücher-Kaserne in Kladow, weit im Westen, wo bis 1993 britische Soldaten Dienst schoben, sowie in der Julius-Leber-Kaserne nahe des Tegeler-Flughafens, einst Domizil französischen Militärs. Bundesweit werden bis Freitag 18 500 Wehrpflichtige an 80 Standorten neu eingekleidet.

Skeptische Blicke gibt es zuhauf, aber auch neugierige, gar stolze schweifen über das 30 Kilogramm-Gesamtpaket. „Sehr bequem“, lobt einer die Socken für die dicken schwarzen Kampfstiefel, von denen wiederum die beeindruckende Zahl von 64 verschiedenen Größen vorgehalten wird, damit sich die Soldaten ganz sicher keine Blasen laufen. „Ob breiter Fuß, ob schmaler Fuß – der Soldat muss gut marschieren können“, sagt Olga Maikranz von der für die Bekleidung der Soldaten zuständigen LH Bundeswehr Bekleidungsgesellschaft (LHBw). Die blauen Boxershorts stoßen auf geteiltes Echo. Während sie einer als „schön bequem“ würdigt, wirft ein anderer Rekrut einen fragenden Blick zum Vorgesetzten, ob er sie denn wohl wirklich tragen muss.

In den nächsten neun Monate ist für die neu eingestiegenen 18 500 Wehrpflichtigen Einheitskleidung angesagt. Für 2 400 von ihnen auch danach, denn sie haben sich zum anschließenden freiwilligen Wehrdienst verpflichtet.

Doch überwiegend scheint die Kleidung heute in der Bundeswehr gut anzukommen. Obwohl bis auf Wäsche und Socken alles nur geliehen ist, um sie nach ihrer Reinigung für die nächste Rekruten-Runde verwenden zu können, gibt es eine regelrechte Souvenirjagd. Bei manchen Artikeln wie dem Wüstentarnanzug beziffert die LHBw die Rücklaufquote bundesweit gerade einmal auf 30 Prozent. Und das ist schon gut. Als die LHBw 2002 gegründet wurde, um die Kooperation zwischen Bundeswehr und der Wirtschaft voran zu treiben und die Einkleidung der Soldaten effizienter über die Bühne zu bringen, lag der Rücklauf der begehrten Tropenbekleidung gerade einmal bei 10 Prozent.

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