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28.06.2011

17:03 Uhr

Renate Künast beim BDI

Grüne Schmuserunde mit der Industrie

VonBarbara Gillmann

Energiewende und Baden-Württemberg-Wahl haben das Klima aufgeheitert. Die Grünen sind salonfähig: Renate Künast wirbt beim BDI für Green Economy und zitiert sogar Ludwig Erhard. Doch etwas Misstrauen bleibt.

Grünen-Fraktionschefin Renate Künast: "Wir brauchen Mut zu sagen, jetzt gehen wir gemeinsam los." Quelle: dapd

Grünen-Fraktionschefin Renate Künast: "Wir brauchen Mut zu sagen, jetzt gehen wir gemeinsam los."

BerlinFedernden Schrittes verlässt Renate Künast die Bühne im Haus der Wirtschaft. Sie hat beim Innovationskongress des BDI über die gigantischen Chancen der Green Economy geredet. Doch es war keine Belehrung, es war eine politische Schmuserunde mit der Industrie. Die Stimmung ist gelöst, der Beifall ausgesprochen freundlich.

Das war vor einem dreiviertel Jahr noch ganz anders. Als Künast im September 2010 - mitten in Angela Merkels Herbst der Entscheidungen - erstmals beim Tag der Deutschen Industrie, dem Hochamt des BDI, sprechen durfte, war die Stimmung eisig. Künast war nervös, fremdelte, hielt eine schlechte Rede. "Ich erwarte keinen Beifall, würde aber welchen nehmen", sagte sie damals patzig. Die Herren der Industrie reagierten kalt und abweisend, der Beifall im Haus der Kulturen der Welt war nicht mal höflich.

Eine Energiewende und eine Baden-Württemberg-Wahl später hat sich das Klima aufgeheitert. Die Grünen haben sich an Umfrage-Werte jenseits der 20 gewöhnt, ihr Ministerpräsident in Stuttgart verbreitet gediegene Seriosität. Renate Künast, die im Herbst 2011 die Macht in Berlin erobern will, hat Dutzende von Wirtschaftsterminen hinter sich. Sie fremdelt längst nicht mehr. Sie wirbt, sie schmeichelt.

Als Entree nutzt sie Barack Obamas Lob für die deutsche Umweltpolitik: Das man von der Bundesrepublik lernen könne, "wie mehr Umweltfreundlichkeit zugleich zu mehr Wachstum führen kann". Auf dieser Basis lässt sich leicht die Vision von der Green Economy ausbreiten, die Vision vom radikalen Umbau von Maschinenbau, Chemieindustrie und Automobilbau, der weltweit auch noch Gewinne einspielt.

Diesen Weg jedoch "werden wir nur gemeinsam gehen können", sagt sie im Haus der Deutschen Wirtschaft und verspricht goldene Zeiten, in denen der Umweltschutz direkt auf den "Highway zu Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit" führt. Nationales Gütesiegel könne künftig nur eins sein: "Green Economy in schwarz-rot-goldenen Lettern".

'Wir' wird Renate Künast noch öfter sagen: "wir stehen an einer Weggabelung", "wir brauchen Mut zu sagen, jetzt gehen wir gemeinsam los". Man sieht förmlich Grüne und Industrielle untergehakt im Sonnenaufgang mit forschem Tempo in eine goldene Zukunft marschieren.

Kommentare (1)

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29.06.2011, 07:12 Uhr

Wer wird sich schon von diesem Saudummen Geschwätz einwickel lassen ?
Für dem Unternehmer zählen Zahlen sonst nichts , und das ist absolut Nachvollziehbar !!!
Machen sie Energie so Teuer das für Deutsche Unternehmen ein Wettbewerbsnachteil entsteht , entstehen Deutsche Arbeitsplätze dort wo diese Nachteile nicht vorhanden sind .Die Arbeitslosen in Deutschland dürfen sie Frau Künast behalten .

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