Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.06.2016

13:49 Uhr

Rente

Länger Arbeiten? Das reicht nicht aus!

VonPeter Thelen

Eine Studie untersucht Effekte einer längeren Lebensarbeitszeit auf die Rente. Das Ergebnis: Die Anhebung des Rentenalters ist gut für die Rente und auch gut für die Wirtschaft. Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit.

Dass längeres Arbeiten auch ökonomisch für alle Sinn macht, belegt nun die Prognos-Studie. Doch das allein reicht nicht aus. dpa

Rente

Dass längeres Arbeiten auch ökonomisch für alle Sinn macht, belegt nun die Prognos-Studie. Doch das allein reicht nicht aus.

BerlinMan nennt es eine klassische Win-Win-Situation, was das Prognos-Institut im Auftrag des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft herausgefunden hat. Würden wir alle länger arbeiten, am besten über das 67. Lebensjahr hinaus, würde das nicht nur zu einem Anstieg des Rentenniveaus führen – und somit die angeblich drohende Altersarmut vermeiden helfen. Auch das System der deutschen Rentenversicherung würde stabilisiert und ganz nebenbei der Bundeshaushalt entlastet. Die Erkenntnis ist nicht ganz neu – und sie hat einen Haken: Der Maßgabe der Politik, schon heute länger als bis 65 Jahren zu arbeiten, folgen viele Arbeitnehmer nur sehr zögerlich. Sie nehmen dafür sogar Kürzungen ihres Rentenanspruchs in Kauf.

Derzeit liegt das gesetzliche Rentenalter bei fast 65,5 Jahren. Bis 2030 soll es schrittweise auf 67 Jahre steigen. Tatsächlich gehen die Arbeitnehmer aber derzeit im Durchschnitt bereits mit 64,2 Jahren in Rente. Und wenn sich an diesem Verhalten nichts ändert, so hat Prognos ausgerechnet, wird das tatsächliche Rentenalter 2030 erst auf 65 Jahre geklettert sein. Das Kalkül der Politik, über ein höheres Renteneintrittsalter den Generationenvertrag zwischen Alt und Jung bezahlbar zu halten, ginge nicht auf. Prognos hat deshalb im Auftrag der GDV berechnet, um welche großen Vorteile sich die Arbeitnehmer dadurch bringen, dass sie noch immer recht früh in den Ruhestand wechseln wollen.

Die Rentenversprechen der Parteien

CDU/CSU

CSU-Chef Horst Seehofer hatte die jüngste Rentendebatte angestoßen mit der Äußerung, dass die Riester-Rente gescheitert sei und die Kürzung des Rentenniveaus die Hälfte der Bevölkerung in die Sozialhilfe führen würde. Doch ist das nicht Unionslinie. Der Unionsmittelstand fordert sogar eine Stärkung der Riester-Rente. Nach allem, was man hört, könnte die Union im Wahlkampf für ein behutsames Nachsteuern beim Rentenniveau eintreten. Das Verhältnis von Einkommen zur Rente soll wohl doch nicht auf 43 Prozent sinken können, so wie derzeit bis 2030 erlaubt. Die Union will wohl auch die Eigenvorsorge stärken. Diskutiert wird, den Bürgern ein Einheitsprodukt anzubieten.

SPD

SPD-Chef Sigmar Gabriel will verhindern, dass die Renten sich zu stark vom Einkommen abkoppeln. Menschen mit kleinem Lohn dürften im Alter nicht reihenweise auf Sozialhilfe angewiesen sein. Im Wert der Rente spiegelt sich für Gabriel auch der Wert der Arbeit. Doch die Reformagenda 2010, die auch die Rente bezahlbar halten sollte, dürfte die SPD nicht komplett zurückdrehen. Die öffentlich geförderte private Zusatzvorsorge abschaffen will die SPD auch nicht. Man will sich aber mehr um das Wohl älterer Arbeitnehmer kümmern.

Linke

Um Renten armutsfest zu gestalten, soll nach dem Willen der Partei das Rentenniveau von heute 48 Prozent wieder auf das Niveau vor den Rentenreformen der vergangenen Jahre steigen - auf 53 Prozent. Niemand dürfe nach 40 Beitragsjahren mit einer Rente über Grundsicherung abgespeist werden.

Grüne

Auch die Grünen wollen, dass die Rente vor Altersarmut schützt. Sie sprechen von einem Rentenniveau von nicht unter 46 Prozent. Geringe Rentenanwartschaften sollen mit einer steuerfinanzierten Garantierente aufgewertet werden. Die rund 2,3 Millionen Selbstständigen ohne obligatorische Alterssicherung sollen verpflichtend in der Rentenversicherung aufgenommen werden.

FDP

Die Liberalen wollen flexiblere Renteneintritte möglich machen und Hinzuverdienstgrenzen neben dem Rentenbezug aufheben. Sie treten dafür ein, bei der Grundsicherung im Alter einen Freibetrag für Einkommen aus privater und betrieblicher Altersvorsorge nicht anzurechnen. FDP-Chef Christian Lindner schlug die Zusammenlegung der Grundsicherung im Alter mit der Rente vor.

AfD

AfD-Parteichef Jörg Meuthen hatte eine Rente nach Schweizer Modell vorgeschlagen – dort gibt es drei Säulen: die gesetzliche Rentenversicherung, eine kapitalgedeckte Arbeitnehmerversicherung und geförderte Anlagen in private Rentenversicherungen.

Ins persönliche Lebenskalkül sollte das längere Arbeiten längst passen. Denn keine Generation vorher hatte Aussicht auf so viel Lebenszeit jenseits des Rentenbeginns, wie die Alten von heute. Hatte ein 65-Jähriger 1960 im Durschnitt noch zwölf Jahre vor sich, sind es heute 18 Jahre also nahezu zwei Jahrzehnte, so Oliver Ehrentraut, Leiter der Abteilung volkswirtschaftliche Grundsatzfragen bei Prognos. Und der größte Teil dieser Zeit wird von den meisten bei noch guter Gesundheit verbracht.

Warum also nicht ein paar Jahre länger arbeiten, statt auf der faulen Haut zu liegen? „Wer sich im Alter für den Job entscheidet, bleibt länger fit und gesund. Ältere Arbeitnehmer haben soziale Kontakte zu Kollegen und erleben ein befriedigendes Gefühl, wenn ihre Erfahrungen nachgefragt bleiben“, wirbt die Bundesregierung daher schon seit Mai 2015 für den längeren Verbleib im Job.

Dass das auch ökonomisch für alle Sinn macht, belegt nun die Prognos-Studie. Würden die Deutschen im Jahr 2030 tatsächlich bis 67 statt 65 arbeiten, würde allein dadurch das Rentenniveau um 1,1 Prozentpunkte steigen. In heutiger Kaufkraft sind das immer 200 Euro bei einer durchschnittlichen Jahresrente.

Und den eigenen, noch erwerbstätigen Kindern täte man auch etwas Gutes: Denn die müssten 2030 satt 21 Prozent nur 20,1 Prozent Rentenbeitrag zahlen. „Wir brauchen keine Debatte über eine Rente mit 70. Wir sollten zunächst alles daran setzen, das gesetzliche Ziel von 67 Jahren auch real zu erreichen,, sagte dazu der Präsident des GDV, Alexander Erdland.

Kommentare (46)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Fritz Yoski

13.06.2016, 14:02 Uhr

Am bestem ueberhaupt keine Rente mehr fuer die deutsche Ur-Bevoelkerung. Was an Rente eingespart wird kann anschliessend mit einer grossen Schippe Richtung Schatzsuchender und Wall Street verteilt werden.
Es duerfte auch nicht allzu schwer sein den deutschen Waehler von der Alternativlosigkeit dieser Massnahme zu ueberzeugen, der hat ja bisher jede Kroete geschluckt ohne zu murren.

Baron v. Fink

13.06.2016, 14:14 Uhr

Hätten sie mal was gespart, Aktien gekauft, keine Steuern bezahlt und das Vermögen ins Ausland geschafft, dann müssten sie jetzt hier nicht jammern um
die Almosen vom Staat. Dividen-Grüße von den Oasen dieser Welt ans wachsende
Prekariat

Herr Hans Mayer

13.06.2016, 14:16 Uhr

Der deutsche Rentner steht in Europa mit am schlechtesten da, selbst in Slowenien hat der Rentner im Vergleich mehr, ganz zu schweigen von Österreich oder gar Luxembourg. Eigentlich heißt das, die Gäule die den Hafer verdient haben bekommen ihn nicht. Wie den auch, bei den vielen Schutzsuchenden, aber anfangs waren das ja alles "Facharbeiter".
Das jetzige System ist am Ende, dank den Altparteien,

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×