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02.11.2012

14:23 Uhr

Rente

Wie lange muss ich arbeiten?

VonMaike Freund

120.000 Deutsche, die älter sind als 75 Jahre, haben einen Minijob, weil sie von ihrer Rente nicht leben können. Jetzt will die Politik der Altersarmut den Kampf ansagen und streitet übers Renteneintrittsalter.

Die Lebenserwartung steigt immer weiter. Dass es bei Rente mit 67 bleiben wird, ist noch nicht gesagt.

Die Lebenserwartung steigt immer weiter. Dass es bei Rente mit 67 bleiben wird, ist noch nicht gesagt.

DüsseldorfMit 40 oder 50 nicht mehr arbeiten zu müssen, stattdessen das Leben genießen – und zwar als wohlhabender Frührentner: Wer hat davon nicht schon geträumt? Beim Traum wird es wohl auch bleiben, jedenfalls in Sachen gesetzliche Rente. Egal ob mit 20, 40 oder 50: „Jedes Jahr zählt. Denn das deutsche Rentensystem bilanziert die Lebensarbeitszeit“, sagt Anika Rasner, Rentenexpertin beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Und das heißt: Eine Pause, zum Bespiel für den Nachwuchs oder auch die Frühverrentung – übrigens maximal fünf Jahre vor dem gesetzlichen Rentenalter –, wirkt sich negativ auf die Bilanz aus. Und zwar dramatisch.

„0,3 Prozent pro Monat. Das ist der Abschlag, den jeder von seiner gesetzlichen Rente hinnehmen muss, will er frühzeitig in den Ruhestand gehen“, sagt Rasner. Konkret bedeutet das: Wer auch in Zukunft mit 65 anstelle von 67 in Rente gehen will, der muss mit einer Minderung von 7,2 Prozent rechnen. „Zurzeit liegt das durchschnittliche Rentenalter bei 61 Jahren.“ Das bedeutet aber, dass diesen Rentnern 14,4 Prozent der Rente abgezogen werden. Im schlimmsten Fall heißt das: arm im Alter.

Es ist dieses Szenario, das die Politiker gerade umtreibt. Kein Wunder, es ist Wahlkampf. Und so schafft es die Rente neben der Euro-Rettung als Megathema auf die Wahlkampf-Agenda der Parteien.

Vor allem ist es Ursula von der Leyens Prestige-Projekt, das sie schnell umsetzen will, am liebsten schon im kommenden Jahr. Die Bundesarbeitsministerin hat sich das Thema Altersarmut auf die Fahnen geschrieben – die sie mit ihrem Vorschlag der Zuschussrente bekämpfen will.

Das Konzept der Zuschussrente sieht vor, Menschen mit geringer Rente zu unterstützen – „unter sehr vielen Bedingungen“, sagt Rasner. Beispielsweise müssten sie sehr lange privat vorgesorgt haben. Haben die Betroffenen außerdem 35 Jahre Pflichtbeträge gezahlt, wird die Kindererziehung angerechnet. Waren sie 45 Jahre lang versichert, zählt Arbeitslosigkeit hinzu. Auch wenn das Konzept der CDU nicht Zuschussrente heißen wird: „das alte Prinzip der Rente nach Mindestentgeltpunkten“, auf das sich die Partei verständigt hat, decke sich mit dem von ihr ursprünglich vorgelegten Konzept, sagt von der Leyen.

„Die Ministerin treibt den Teufel mit dem Beelzebub aus“, sagt Martin Gasche. Der Rentenexperte vom Munich Center for the Economics of Aging (MEA), eine Abteilung des Max-Planck-Instituts für Sozialrecht und Sozialpolitik, ist überzeugt: Die Zuschussrente verschiebe nur die Ungleichbehandlungen in die Rentenversicherung.

Kommentare (17)

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Micha

02.11.2012, 13:50 Uhr

"Denn das deutsche Rentensystem bilanziert der Lebensarbeitszeit"
Das sollte endlich auch für die Beamten gelten! Alles andere ist unsozial und eine klare Bevorteilung der Staatsdiener gegenüber dem arbeitenden Volk! Würde diese Regelung endlich auch für die Beamten übernommen, würden viele "Gefälligkeitsbeförderungen" entfallen und dem Steuerzahler sehr viel Geld einsparen!

Account gelöscht!

02.11.2012, 14:42 Uhr

Antwort: "Bis Du am verrecken bist".

Account gelöscht!

02.11.2012, 14:45 Uhr

@ Mischa, was ist denn im Prinzip anders, ebi den Beamten?

Gehen die füher in Pension? Oder was?

Bei der gesamten "Rentenalterdiskussion" geht es ausschließlich um Rentenkürzungen. Bisher erreicht ja nur ein Bruchteil das Regelrentenalter (derzeit 65 Jahre plus 1 Monat). Und es ist auch so, dass kein Betrieb die Älterne noch haben will. (Von Ausnahmen abgesehen).

Die Ausnahmeregelwerke für Beamte belegen, dass gerade diejenigen Hochbesoldeten länger bleiben, die kein Mensch braucht oder haben will.

Während in anderen Ländern Heerscharen gar keine Arbeit haben und die Anderen sowieso mit 60 Jahren aufhören (vgl. Griechenland, Frankreich, Spanien) sollen Deutsche bis 67 machen?

Herzliches Gelächter!

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