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23.06.2016

14:04 Uhr

Renten-Beitrag

Kasse erwartet stabilen Beitragssatz bis 2020

Keine Mehrausgaben in den nächsten vier Jahren: Der Beitragssatz für die Rentenversicherung von derzeit 18,7 Prozent des Bruttolohns soll mindestens bis 2020 nicht steigen, so die Rentenkasse. Danach allerdings schon.

Bis 2020 will die Rentenversicherung Mehrausgaben durch bestehende Rücklagen finanzieren. dpa

Senioren

Bis 2020 will die Rentenversicherung Mehrausgaben durch bestehende Rücklagen finanzieren.

BerlinAuf Arbeitnehmer und Arbeitgeber werden laut Berechnungen der Rentenversicherung auch in den nächsten vier Jahren keine Mehrausgaben durch eine Anhebung des Beitragssatzes zukommen. Der Beitragssatz von derzeit 18,7 Prozent des Bruttolohns werde voraussichtlich bis einschließlich 2020 stabil bleiben, teilte der Vorstandschef der Rentenversicherung, Alexander Gunkel, am Donnerstag bei der Bundesvertreterversammlung in Bremen mit. Der Beitrag bleibt allerdings nur unverändert, weil die Rentenkasse ihre Rücklagen drastisch verringert. Bereits in diesem Jahr wird sie etwa 3,3 Milliarden Euro mehr ausgeben als einnehmen.

Die Reserven der Rentenversicherungen betrugen Ende 2015 rund 34 Milliarden Euro. Das jährliche Defizit zwischen Einnahmen und Ausgaben werde in den kommenden Jahren steigen, so dass sich der Abbau der Rücklagen beschleunigen werde, sagte Gunkel laut Redetext. Im Jahr 2020 müsse aus der Reserve ein Fehlbetrag von 6,8 Milliarden Euro gedeckt werden. Im Jahr 2021 müsse der Beitragssatz dann steigen, um die gesetzlich vorgeschriebene Mindestrücklage einzuhalten. Diese beträgt 0,2 Monatsausgaben, was derzeit etwa 3,8 Milliarden Euro sind.

Bis zum Jahr 2030 ist den Berechnungen zufolge mit einem Anstieg des Beitragssatzes auf 21,9 Prozent und einem Absinken des Rentenniveaus von derzeit 47,5 auf 44,2 Prozent zu rechnen. Beim Beitrag werde der gesetzlich vorgegebene Höchstwert von 22 Prozent somit nur knapp eingehalten, sagte Gunkel. Das Rentenniveau darf bis 2030 43 Prozent nicht unterschreiten.

Die Rentenversprechen der Parteien

CDU/CSU

CSU-Chef Horst Seehofer hatte die jüngste Rentendebatte angestoßen mit der Äußerung, dass die Riester-Rente gescheitert sei und die Kürzung des Rentenniveaus die Hälfte der Bevölkerung in die Sozialhilfe führen würde. Doch ist das nicht Unionslinie. Der Unionsmittelstand fordert sogar eine Stärkung der Riester-Rente. Nach allem, was man hört, könnte die Union im Wahlkampf für ein behutsames Nachsteuern beim Rentenniveau eintreten. Das Verhältnis von Einkommen zur Rente soll wohl doch nicht auf 43 Prozent sinken können, so wie derzeit bis 2030 erlaubt. Die Union will wohl auch die Eigenvorsorge stärken. Diskutiert wird, den Bürgern ein Einheitsprodukt anzubieten.

SPD

SPD-Chef Sigmar Gabriel will verhindern, dass die Renten sich zu stark vom Einkommen abkoppeln. Menschen mit kleinem Lohn dürften im Alter nicht reihenweise auf Sozialhilfe angewiesen sein. Im Wert der Rente spiegelt sich für Gabriel auch der Wert der Arbeit. Doch die Reformagenda 2010, die auch die Rente bezahlbar halten sollte, dürfte die SPD nicht komplett zurückdrehen. Die öffentlich geförderte private Zusatzvorsorge abschaffen will die SPD auch nicht. Man will sich aber mehr um das Wohl älterer Arbeitnehmer kümmern.

Linke

Um Renten armutsfest zu gestalten, soll nach dem Willen der Partei das Rentenniveau von heute 48 Prozent wieder auf das Niveau vor den Rentenreformen der vergangenen Jahre steigen - auf 53 Prozent. Niemand dürfe nach 40 Beitragsjahren mit einer Rente über Grundsicherung abgespeist werden.

Grüne

Auch die Grünen wollen, dass die Rente vor Altersarmut schützt. Sie sprechen von einem Rentenniveau von nicht unter 46 Prozent. Geringe Rentenanwartschaften sollen mit einer steuerfinanzierten Garantierente aufgewertet werden. Die rund 2,3 Millionen Selbstständigen ohne obligatorische Alterssicherung sollen verpflichtend in der Rentenversicherung aufgenommen werden.

FDP

Die Liberalen wollen flexiblere Renteneintritte möglich machen und Hinzuverdienstgrenzen neben dem Rentenbezug aufheben. Sie treten dafür ein, bei der Grundsicherung im Alter einen Freibetrag für Einkommen aus privater und betrieblicher Altersvorsorge nicht anzurechnen. FDP-Chef Christian Lindner schlug die Zusammenlegung der Grundsicherung im Alter mit der Rente vor.

AfD

AfD-Parteichef Jörg Meuthen hatte eine Rente nach Schweizer Modell vorgeschlagen – dort gibt es drei Säulen: die gesetzliche Rentenversicherung, eine kapitalgedeckte Arbeitnehmerversicherung und geförderte Anlagen in private Rentenversicherungen.

Von

rtr

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