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19.09.2012

20:40 Uhr

Rentenalter

Beamtenbund befürwortet längere Lebensarbeitszeit

VonDietrich Creutzburg

ExklusivArbeiten bis 67? Für den Deutschen Beamtenbund darf's auch ein bisschen länger sein. DBB-Vizechef Dauderstädt zeigt sich verhandlungsbereit. Ganz anders sieht seine Position bei Pensionskürzungen aus.

Peter Heesens (Bild) möglicher Nachfolger Klaus Dauderstädt ist offen für eine Arbeitszeitverlängerung. dpa

Peter Heesens (Bild) möglicher Nachfolger Klaus Dauderstädt ist offen für eine Arbeitszeitverlängerung.

BerlinDer Deutsche Beamtenbund (DBB) öffnet sich für Überlegungen, die Lebensarbeitszeit auch über dies Altersgrenze von 67 Jahren hinaus zu verlängern. Angesichts des demografischen Wandels spreche „viel dafür, die starren Altersgrenzen der Alterssicherungssysteme flexibler zu gestalten – auch nach oben“, sagte DBB-Vizechef Klaus Dauderstädt in einem Interview mit dem Handelsblatt (Donnerstagausgabe).

Dauderstädt will im Herbst die Nachfolge des scheidenden DBB-Chefs Peter Heesen antreten. Er wolle zwar „jetzt nicht die Pension oder Rente mit 69 gutheißen“, sagte Dauderstädt. Doch bei steigender Lebenserwartung „ist ein steigendes Ruhestandsalter kein Tabu“. Die Anhebung des Pensionsalters auf 67 Jahre sei im DBB „bereits akzeptiert“.

Der 63-Jährige Gewerkschafter, der seit 2003 DBB-Vizechef ist, begründete seinen Vorstoß mit der drohenden Fachkräfteknappheit und mit Vorteilen für die Altersversorgung. „Wenn jemand zum Beispiel bei guter Gesundheit mit dem regulären Ruhestandsalter noch keine optimale Altersversorgung erreicht hat und dienstlich weiterhin gebraucht wird, sollte ihn nichts am Weitermachen hindern“, betonte er. Auf diese Weise könnten Beschäftigte ihre individuellen Altersbezüge aufbessern, und zugleich biete sich damit die Chance auf eine Entlastung der Versorgungssysteme insgesamt.

Direkte Pensionskürzungen zur Entlastung der öffentlichen Haushalte lehnte Dauderstädt dagegen strikt ab. Dazu gebe es „keinen Anlass“, sagte er. Zum seien die Ruhestandsbezüge in den vergangenen Jahren bereits gekürzt worden, zum anderen steuerten die Beamten bereits mit einem Abschlag von 0,2 Prozentpunkte bei jeder turnusgemäßen Besoldungsrunde zum Aufbau einer Pensionsrücklage bei. „Wir werden uns nicht verweigern, solange es um Einschnitte für die gesamte Bevölkerung geht“, sagte Dauderstädt. Doch für haushaltspolitische „Sonderopfer“ stünden die Beamten „nicht zur Verfügung“.

Die wichtigsten Fakten zum Armuts- und Reichtumsbericht

Kinder

Das Risiko von Kinder, arm zu werden, ist dann am höchsten (60 Prozent), wenn sie in einem Haushalt ohne Verdiener aufwachsen, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" und nimmt Bezug auf den Armuts- und Reichtumsbericht. Auch Kinder Alleinerziehender haben ein hohes Risiko zu verarmen (55 Prozent), gefolgt von Ausländern (28 Prozent), berichtet die Zeitung.

Kinderbetreuung

Die Zahl der Betreuungsplätze für Kinder ab einem Jahr hat sich seit 2006 auf mehr als 500 000 verdoppelt. Auch werden doppelt so viele Grundschüler ganztags betreut. Trotz aller Verbesserung: Die eingesetzten Mittel für die frühkindliche Bildung und Betreuung von Kindern unter sechs ist im internationalen Vergleich "immer noch weit unterdurchschnittlich". Sie beliefen sich auf 0,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. "In Ländern wie Dänemark oder Schweden beträgt dieser Anteil das Dreifache", heißt es in der Regierungsanalyse.

Bildung

In Deutschland sind die Bildungschancen von Kindern davon abhängig, was die Eltern gelernt haben und welches Haushaltseinkommen sie erzielen. Und: Für Analphabeten - mindestens 7,5 Millionen in Deutschland - wird nicht genug getan. Immerhin: nur noch 6,5 Prozent schafften 2010 keinen Schulabschluss. 2007 waren es noch 7,7 Prozent.

Minijob und Teilzeitstelle

Teilzeitstelle von bis zu 20 Wochenstunden, Minijob, befristeten Arbeitsverträge oder einer Anstellung als Leiharbeiter: Immer mehr Menschen arbeiten in einer solchen atypischen Beschäftigung. Der Anteil hat sich innerhalb on zehn Jahren von 20 auf 25 Prozent erhöht - und das auch noch auf Kosten normaler Arbeitsverhältnisse. Denn deren Zahl hat sich fast nicht verändert.

Ältere Menschen

"Die Einkommens- und Vermögenssituation der Älteren von heute ist überdurchschnittlich gut", heißt es in dem Bericht laut "Süddeutsche Zeitung". Nur 2,45 Prozent der über 65-Jährigen waren auf die staatliche Grundsicherung im Alter angewiesen. Als entsprechend niedrig gilt ihr Risiko, arm zu werden. Es liegt bei 14,7 Prozent, bei der Bevölkerung insgesamt bei 15,3 Prozent.

Arbeitsmarkt

Immerhin: Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist seit 2007 um 40 Prozent auf im Jahresdurchschnitt 1,06 Millionen 2011 gesunken, schreibt die "Süddeutsche Zeitung". Besonders deutlichen Rückgang gibt es bei Zugewanderten. Zwischen 2008 und 2011 sei deren Erwerbstätigenquote "noch stärker gestiegen als die der Inländer". Auch habe sich die Zahl der hoch qualifizierten Zuwanderer aus Nicht-EU-Staaten kräftig von 1200 im Jahr 1998 auf 27 800 im Jahr 2011 erhöht.

Die Führung des Beamtenbundes wird auf dem DBB-Gewerkschaftstag im November neu gewählt. Es sehe es als eine „attraktive Perspektive, die Arbeit unseres bisherigen Vorsitzenden Peter Heesen fortzuführen“, sagte Dauderstädt. Heesen, der seit 2003 DBB-Chef ist, hat bereits seinen Rückzug angekündigt.

Kommentare (22)

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RDA

19.09.2012, 20:58 Uhr

"Wir werden uns nicht verweigern, solange es um Einschnitte für die gesamte Bevölkerung geht“

Na dann können ja die Rentenkürzungen 2001 und 2004 um 30%-Punkte endlich auch auf Beamtenpensionen angewandt werden. Das hatte der böse Bundesrat damals nämlich verhindert.

skl

19.09.2012, 21:03 Uhr

Da hat einer zu heiss gebadet, oder es bestaetigt sich das Geruechst, die meisten Beamten (ausgenommen Finazverwaltung und untere Polizeiraenge) arbeiten gar nicht oder im Vergleich zu den "normalen"Arbeitnehmern sehr wenig. Schafft das Beamtentum bis auf die o.g. Ausanhemn komplett ab! Zudem hat ein dt. Rentner im Schnitt ca. 1100 euro Rente/ Monat, ein dt. Beamter 2600 euro! Da kommt einem doch die Idee den ganzen Staat abzuschaffen, denn mit 48% Staatsquote haben wird auch 48% Sozialismus. Also die halbe DDR! Das macht keinen Spass, da verstehe ich die Sozialabhaenger sehr gut.

Account gelöscht!

19.09.2012, 21:16 Uhr

Mein Opa (verbeamteter Akademiker, keine Personalverantwortung) bekommt mehr Pension (netto) als die meisten Mittdreissiger verdienen (netto), die ich kenne.
Er bekommt die Rente inzwischen schon länger, als er gearbeitet hat (hohes Alter).
Mehr muss man zu diesem kranken Staat glaube ich nicht sagen.

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