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18.05.2016

18:45 Uhr

Rentendebatte

Die Jugend ist sich uneinig

VonEva Fischer

Die Mehrheit der politischen Jugendorganisationen möchte die Rente anheben, auch wenn junge Menschen dann höhere Sozialabgaben bezahlen müssten. Nur die Junge Union hält dagegen. Ihr Vorsitzender hat anderes im Sinn.

„Der Kampf für die Ideologien scheint wichtiger zu sein, als das Interesse der jungen Generation zu vertreten“, so JU-Vorsitzender Ziemiak. dpa

Andrea Nahles (SPD) mit den Vertretern verschiedener politische Jugendorganisationen

„Der Kampf für die Ideologien scheint wichtiger zu sein, als das Interesse der jungen Generation zu vertreten“, so JU-Vorsitzender Ziemiak.

BerlinEine Lobbyveranstaltung für Rentner. So bezeichnete der Bundesvorsitzende der Jungen Union (JU), Paul Ziemiak, rückblickend den Rentengipfel – ein Treffen, bei dem junge Menschen über die Rente diskutierten. Bundessozialministerin Andrea Nahles (SPD) hatte die politischen Jugendorganisationen am Mittwoch ins Arbeitsministerium eingeladen. Mit dabei: die Jusos, die Grüne Jugend, die Linksjugend Solid, die Verdi-Jugend, die IG Metall Jugend und die Jungen Unternehmer.

Schon im Vorfeld war klar: Die jungen Sozialdemokraten, Grünen und Linken sowie die jungen Gewerkschafter beziehen ähnliche Positionen. „Für uns ist wichtig, dass wir eine lebensstandardsichernde Rente haben, jetzt und auch in der Zukunft. Das wird nur gelingen, wenn wir die gesetzliche Rente stärken und das Rentenniveau nicht weiter absinken lassen“, sagte Juso-Vorsitzende Johanna Uekermann dem Handelsblatt.

Ihr Ansatz: Die Rente müsse solidarisch finanziert werden, auch Beamte und Selbstständige in die Rentenkassen einzahlen. Das fordert auch die Grüne Jugend, die ebenfalls die Beitragsbemessungsgrenze anheben will. „Wir brauchen zudem eine steuerfinanzierte Basisrente, auf die die bestehenden Ansprüche aus gesetzlicher und privater Versicherung angerechnet werden,“ so Jamila Schäfer, Bundessprecherin der Grünen Jugend.

JU-Chef Paul Ziemiak: „Von der gesetzlichen Rente wird niemand mehr leben können"

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Seit September 2014 ist Paul Ziemiak Vorsitzender der Jungen Union. Im Interview spricht der Jungpolitiker über das gesetzliche Rentenniveau, das Renteneintrittsalter und die Pläne der Jungen Union.

Ihr Gegenspieler: Paul Ziemiak. Er lehnt eine Anhebung des Rentenniveaus ab. Stattdessen möchte er die private Vorsorge stärken und das Renteneintrittsalter stückweise anheben. Julius Zukowski-Krebs von der Linksjugend wettert dagegen: „Die Menschen, die vorschlagen, das Renteneintrittsalter auf 70 zu erhöhen, sind auch diejenigen, die sich weigern, Menschen über 50 überhaupt einzustellen.“ Auf einen gemeinsamen Nenner kamen die Jugendorganisationen an diesem Mittwoch nicht.

„Der Kampf für die Ideologien scheint wichtiger zu sein, als das Interesse der jungen Generation zu vertreten“, resümiert Ziemiak nach der Veranstaltung. Und erzählt, wie sich Juso-Vorsitzende Uekermann dafür ausgesprochen habe, den Rentenbeitrag notfalls auf über 20 Prozent zu steigern. „Anscheinend wollen wir als einzige Jugendorganisation für die junge Generation kämpfen“, sagt Ziemiak weiter.

Vielleicht ein guter Slogan, um in den Wahlkampf zu ziehen. 2017 will er für den Bundestag kandidieren – als Direktkandidat im Wahlkreis Herne-Bochum II, einer SPD-Hochburg. Seine prominente Gegnerin: Michelle Müntefering (SPD), die junge Ehefrau der SPD-Legende Franz Müntefering. Der hatte sich in der Vergangenheit bereits für ein höheres Renteneintrittsalter ausgesprochen.

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