Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.03.2013

10:43 Uhr

Rentenerhöhung

Rente steigt im Osten stärker als im Westen

Sie wird wie ein Staatsgeheimnis gehütet: Die nächste Rentenerhöhung. Es zeichnet sich ab: Ostrentner werden im Wahljahr deutlich mehr als die Ruheständler im Westen erhalten. Goldene Zeiten brechen dennoch nicht an.

Wie viel Geld haben Rentner nächstes Jahr im Portemonnaie? Aller Voraussicht nach werden die kommenden Erhöhungen nicht allzu hoch ausfallen. dapd

Wie viel Geld haben Rentner nächstes Jahr im Portemonnaie? Aller Voraussicht nach werden die kommenden Erhöhungen nicht allzu hoch ausfallen.

BerlinFür die mehr als 20 Millionen Rentner in Deutschland ist der 1. Juli ein besonders wichtiger Termin. Dann gibt's mehr Geld. Um wie viel die Rente genau steigt, ist noch offen. Erst müssen alle Zahlen zu Beschäftigung und Lohnentwicklung auf dem Tisch liegen. Dies könnte nach Einschätzung von Insidern um den 20. März herum der Fall sein. Erst dann wird das Geheimnis gelüftet. Gut möglich, dass die Erhöhung im Osten dreimal so hoch wie die im Westen ausfällt.

Drei Prozent mehr zwischen Rügen und Erzgebirge, ein Prozent Plus im Westen Deutschlands prognostizierte vor knapp vier Monaten die Spitze der Rentenversicherung. Kommt es so, können sich die rund vier Millionen Ost-Rentner im Wahljahr auf die höchste Rentenerhöhung seit 1997 freuen. Die etwa 16 Millionen Altersgenossen im Westen dürften dagegen eher lange Gesichter machen.

Bei einer Rente von 1200 Euro liefe dies im Westen auf eine Erhöhung um etwa 12 Euro im Monat hinaus. Im Osten wären es mit 36 Euro dreimal so viel. Bei 800 Euro Rente sind es 8 oder 24 Euro mehr, bei 1800 Euro Monatsrente schon 18 Euro oder 54 Euro. Schon 2009 - vor der letzten Bundestagswahl - schnitten die Ostrentner mit plus 3,4 Prozent deutlich besser ab als die Altersgenossen West mit 2,4 Prozent.

Die Rezepte der Parteien gegen Altersarmut

Gemeinsames Ziel

Im Ziel sind sich alle einig: Die Geringverdiener von heute sollen nicht die armen Rentner von morgen sein. In ihren Rezepten gegen die Altersarmut unterscheiden sich die Parteien aber. Der Vorstoß von Sozialministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat einen Wettstreit unterschiedlicher Konzepte ausgelöst.

CDU, CSU

In der Union läuft die Diskussion über Maßnahmen im Kampf gegen die Altersarmut noch. Offen ist bislang, ob CDU und CSU die Pläne von der Leyens für eine Zuschussrente überhaupt akzeptiert. Sie will die Renten von Geringverdienern auf 850 Euro aufstocken lassen; finanziert werden soll dies aus Rentenbeiträgen. Die Hürden für den Erhalt der Zuschussrente sind hoch: Voraussetzung sind ab dem Jahr 2023 dann 35 Beitragsjahre sowie 45 „Versicherungsjahre“, zu denen auch Ausbildung oder Arbeitslosigkeit gehören. Weitere Voraussetzung ist, dass der Empfänger bereits im Erwerbsleben private Zusatzvorsorge betrieben hat. Einkünfte daraus sollen nicht wie bisher bei der Grundversicherung wieder abgezogen werden.

SPD

Auch die SPD will kleine Renten auf 850 Euro aufstocken. Finanziert werden soll dies aber aus Steuermitteln. Die Partei setzt außerdem auf einen massiven Ausbau der Betriebsrenten, der sich in erhöhten Beitragszahlungen bemerkbar machen würde: Jeder Arbeitnehmer soll zwei Prozent des Bruttolohns zur Betriebsrente einzahlen - es sei denn, er widerspricht. Voraussetzung für die Mindestrente sind 30 Beitrags- und 40 Versicherungsjahre. Eine private Zusatzvorsorge ist nicht Bedingung. Wer die Rente auf 850 Euro aufgestockt bekommt, darf - anders als bei von der Leyen - keine anderen Einkünfte beziehen.

FDP

Die FDP lehnt eine beitragsfinanzierte Zuschussrente ab und bewertet auch steuerfinanzierte Modelle sehr skeptisch. Die Liberalen setzen vor allem auf Prävention und wollen die private Vorsorge und die Betriebsrenten stärken. Bei der Grundsicherung wollen sie Freibeträge für private und betriebliche Vorsorge einführen: Der Freibetrag soll bei mindestens 100 Euro liegen. Außerdem will die FDP das Renteneintrittsalter flexibel gestalten.

Grüne

Die Grünen wollen jedem Bürger eine Garantierente zusichern, damit sie nicht auf die Grundsicherung angewiesen sind. Sie soll laut Fraktionschef Jürgen Trittin jedem zustehen, der 33 Jahre lang dem Arbeitsmarkt zur Verfügung gestanden hat. Diese Garantierente soll leicht über der bisherigen Grundsicherung liegen. Die Bedingungen für diese Garantierente sollen weniger rigide sein als bei von der Leyen geplant.

Linkspartei

Die Linke setzt sich für eine Mindestrente ein, die mindestens 1000 Euro betragen soll. Um die Finanzierung zu gewährleisten, sollen anders als bislang auch Freiberufler, Beamte und Politiker in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen.

Noch steht nichts fest. Schon einmal - im Oktober 2011 - hatten sich die Experten mit ihrer Schätzung vergaloppiert: Damals sagten sie ein Plus von über drei Prozent für den Osten voraus. Am Ende waren es nur 2,26 Prozent, im Westen 2,18 Prozent.

Kommentare (12)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

12.03.2013, 11:58 Uhr

Diese Bevorzugung hat usn bis heute noch niemand erklärt, denn die haben ja nicht in unsere Rentenvers. eingezahlt.
Also was ist das los?

Account gelöscht!

12.03.2013, 12:32 Uhr

Im letzten Jahr war die Ankündigung doch ähnlich, am Schluß stand dann zweimal der gleiche Wert.
Ist halt bischen das Spiel Teile und Herrsche. Etwas gegeneinander aufhetzen halt.
Künftig wird es - in Anberacht der extrem niedrigen Einkommen drüben - kaum noch über die Armiutsgrenze reichen.
Bitter insbesondere für die Frauen - die im Osten allg. voll gearbeitet haben - und nun kaum Rente bekommen, das sie in den letzten Jahren für Billiglöhne gearbeitet haben.

Account gelöscht!

12.03.2013, 12:37 Uhr

Vielleicht liegt es daran, daß die Einkommen im Osten bis heute bei 50-80% der Westeinkommen liegen. Somit führt selbst eine Verzehnfachung der Rentenerhöhung immer noch in die Armut. Srom, Gas, Lebensmittel kosten nicht weniger. Wasser ist oft viel teurer als noch im Westen.

Wenn sie es mal in den Medien beobachten, so wird bei Traifverhandlungen immer fein zwischen Einkommen West und Ost unterschieden. Und dies 23 Jahre nach dem Anschluß! Hinzu kommt, daß aufgrund der Deindustrialisierung kaum lohnenswerte Jobs vorhanden sind.
Ich denke, sie kommen nicht zu kurz.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×