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26.11.2012

11:35 Uhr

Rentenfrage

„Parteien scheuen radikalen Schnitt“

VonStefan Kaufmann

Im Wahljahr steigen die Renten, die Parteien beglücken die Ü65-Generation mit der Aussicht auf Mindestrente (SPD) oder Lebensleistungsrente (CDU). Dabei sagen Experten, dass das aktuelle Rentensystem keine Zukunft hat.

Nur die Wähler nicht verprellen: Kanzlerin Angela Merkel mit einer Rentnerin dapd

Nur die Wähler nicht verprellen: Kanzlerin Angela Merkel mit einer Rentnerin

DüsseldorfDiese Nachricht kommt der schwarz-gelben Bundesregierung wie gerufen: Im Juli 2013 – mitten in der Wahlkampf-Hochphase – werden in Deutschland die Renten steigen. Und das nicht zu knapp. So erwartet Rentner in Ostdeutschland mit 3,49 Prozent das höchste Plus seit 1997. Im Westen steigen die Altersbezüge um ein Prozent.

Das steht im bisher unveröffentlichten Rentenversicherungsbericht der Bundesregierung, der am Mittwoch dem Kabinett vorgelegt wird. Wie die „Bild“-Zeitung berichtet, soll die Rentenerhöhung im Sommer 2013 keine Eintagsfliege sein. Für 2014 sieht der Bericht eine Steigerung der Altersgelder von 2,33 Prozent im Westen und von 2,4 Prozent im Osten vor. Im Jahr darauf sollen die Renten in Westdeutschland um 2,55 Prozent angehoben werden, in Ostdeutschland um 2,65 Prozent. 2016 soll es in den alten Bundesländern 2,39 Prozent mehr Rente geben, in den neuen 2,47 Prozent mehr.

Die guten Zahlen stimmen allerdings nur dann, wenn es bei der wirtschaftlichen Entwicklung keinen ernsthaften Rückschlag gibt. In diesem Fall müssten die Werte für die Renten-Erhöhungen nach unten korrigiert werden.

Das SPD-Rentenkonzept (Stand 25.11)

850 Euro Mindestrente

Sie soll nach 30 Beitragsjahren eine sichere Altersversorgung auch dann sichern, wenn jemand länger arbeitslos war.

Ost-Renten

Sie sollen bis 2020 West-Niveau erreichen.

Frühere Rente

Wer 45 Versicherungsjahre aufweist, soll auch schon vor dem 65. Lebensjahr ohne Einbußen in Rente gehen können.

Betriebliche Altersversorgung´

Sie soll massiv ausgebaut werden und als zweite Säule neben der gesetzlichen Rente die Riester-Rente ersetzen.

Rentenniveau bis 2030

Die SPD will ein Absinken von derzeit knapp 50 auf bis zu 43 Prozent des durchschnittlichen Nettolohns verhindern, über die genaue Höhe aber erst bis 2020 entscheiden.

Finanzierung

Sie erfolgt aus Steuer- oder aus Haushaltmitteln. Zudem könnte der Rentenbeitragssatz auf bis zu 22 Prozent ansteigen.

Kosten

Die SPD rechnet mit Zusatzkosten von 16 Milliarden Euro bis 2030 - ohne zusätzliche Milliardenbeträge für die Mindestrente.

Die Erhöhung im kommenden Jahr beruht auf einem Automatismus. Sie berechnet sich jährlich aus der Rentenformel, in die Parameter wie die Lohnentwicklung und das Verhältnis von Beitragszahlern und Empfängern eingerechnet werden.

„Wir hatten in diesem Jahr gute Tarifabschlüsse, zudem wieder mehr Beschäftigte in sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen – das zahlt sich für die Rentner nun aus“, erklärt Anika Rasner, Rentenexpertin beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Eine Einschränkung macht die Deutsche Rentenversicherung. „Der Rentenversicherungsbericht ist nur eine Prognose, für dieses Jahr können schließlich nur vorläufige Zahlen vorliegen“, sagt DRV-Sprecher Dirk von der Heide.

Und auch die Arbeitnehmer profitieren von der wirtschaftlichen Entwicklung: Ihr Beitragssatz wird von 19,6 auf 18,9 Prozent sinken. Was die Rentenexperten der Stiftung „Denkwerk Zukunft“ kritisieren. „Hier besteht ein Sparpotenzial, man sollte die Überschüsse lieber zurücklegen“, sagt Geschäftsführerin Stefanie Wahl.

Doch statt zu sparen arbeiten alle Parteien an Rentenkonzepten, die vor allem eines zum Ziel haben: Die Ü65-Generation nicht zu vergraulen. Denn 20 Millionen Rentner in Deutschland sind 20 Millionen potenzielle Wählerstimmen, die es zu umwerben gilt. Dabei widerspricht diese Politik der vollen Taschen vollkommen der demografischen Entwicklung, die das deutsche Rentensystem bedroht.

Kommentare (29)

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Account gelöscht!

26.11.2012, 15:12 Uhr

Denkwerk Zukunft und dann auch noch Meinhard Miegel.
Da können wir aber getrost drauf verzichten auf so einen Schmarrn
Steuerfinanzierte Rente in Deutschland?
Die wird dann von der jeweiligen Politit nach ihrem Gust angepaßt und das meist nach unten
Aber dem Herrn Miegel schmeckt natürlich das Schweizer Modell nicht, denn da müßten er und seine Freund dann auch einzahlen und das möchte man unter keinen Umständen

Account gelöscht!

26.11.2012, 15:13 Uhr

Die Demokratie ist gescheitert - wiel sie den Wählern nach dem Mund redet, statt zu tun, was getan werden muss! (Klimawandel, Staatsverschuldung, Energiekonzepte, usw.)

RalphFischer

26.11.2012, 15:34 Uhr

Schonmal was vom Kettenbrief gehört ? Nennt man auch Schneeballsystem.

Die ersten bekommen was, weil man immer neue "Doofe" findet.
Dann ist irgendwann ende und die letzten stehen dumm da...

Die Rente ist nix anderes. Die hat super funktioniert, als nach dem Krieg die Alten alle tot waren und die Jungen alle Arbeit hatten...

Heute leben die Alten und die Jungen haben keine Arbeit...

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