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14.03.2017

18:50 Uhr

Rentenniveau

Altersarmut – ein Phantom?

VonPeter Thelen

Das Institut der Deutschen Wirtschaft kommt zum Ergebnis, dass auch bei weiter sinkendem Rentenniveau normale Arbeitnehmer nicht in der Grundsicherung landen. Doch zusätzliche Vorsorge wird trotzdem immer wichtiger.

Rentnerpaar auf einer Bank vor dem Reichstag in Berlin. Die Angst vor der Altersarmut ist oft nur eine Phantomangst, will das Institut der Deutschen Wirtschaft herausgefunden haben. dpa

Rentnerpaar

Rentnerpaar auf einer Bank vor dem Reichstag in Berlin. Die Angst vor der Altersarmut ist oft nur eine Phantomangst, will das Institut der Deutschen Wirtschaft herausgefunden haben.

BerlinIn der aktuellen rentenpolitischen Debatte wird die Forderung, das Niveau der gesetzlichen Rente nicht weiter absinken zu lassen oder sogar wieder zu erhöhen, vor allem damit begründet, dass bei weiter sinkendem Sicherungsniveau der Rente vor Steuern in Zukunft auch eine „normale“ Erwerbsbiografie in vielen Fällen nicht mehr zu einer gesetzlichen Rente führt, die über das Grundsicherungsniveau im Alter hinausreicht.

Käme es so, könnte dadurch die Akzeptanz des gesetzlichen Umlagesystems dauerhaft verloren gehen, heißt es nicht nur bei den Gewerkschaften und der SPD. Auch Teile der Union plädieren mit diesem Argument für eine Stabilisierung des Rentenniveaus. Dabei markiert die Grundsicherung, auch Hartz IV genannt, den soziokulturellen Mindestbedarf, den jemand in Deutschland hat.

Aber sind diese Ängste überhaupt berechtigt? Das Institut der Deutschen Wirtschaft hat gerechnet und kommt in einer Studie, die dem Handelsblatt vorab vorliegt, zum Ergebnis, dass dem nicht so ist. Als klassisches Beispiel führt das IW den sogenannten Standardrentner an. Das ist jemand, der 45 Jahre immer ein Durchschnittseinkommen erzielt hat, von dem Rentenbeiträge abgeführt wurden. Ein solcher Arbeitnehmer hat, wenn er in Rente geht, 45 Entgeltpunkte auf seinem Konto. Multipliziert mit dem aktuellen Rentenwert für Westdeutschland von 30,45 Euro ergibt dies derzeit einen Rentenanspruch von 1370 Euro in Westdeutschland, was einem Rentenniveau vor Steuern von 48,2 Prozent entspricht.

Nach geltendem Recht darf dieses Rentenniveau bis 2030 auf 43 Prozent sinken. Wäre diese niedrigere Schwelle heute schon erreicht, käme der Standardrentner nur noch auf 1222 Euro, rechnet das IW vor. „Für einen Single-Haushalt entspricht die Grundsicherung im Alter derzeit aber lediglich einem Äquivalent an monatlicher Bruttorente von schätzungsweise 850 Euro pro Monat“ schreibt das IW. Dabei seien Kranken- und Pflegeversicherungsschutz und die durchschnittlichen Wohnkosten schon eingerechnet.

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Nun wird es nach den aktuellen Vorausberechnungen aber bis 2030 wegen der guten Beschäftigungslage gar nicht so weit nach unten gehen mit dem Rentenniveau. Die Bundesregierung geht in ihrem neuesten Rentenbericht für 2030 von einem Niveau von 44,5 Prozent aus. Die Standardrente läge also in heutigen Preisen damit sogar bei 1265 Euro. Selbst 2045, wenn ohne Eingreifen des Gesetzgebers nach neuesten Prognosen das Rentenniveau auf 41,7 Prozent gesunken sein wird, gäbe es nach 45 Jahren Durchschnittsverdienst immer noch 1185 Euro Rente im Monat, also deutlich mehr als den derzeitigen Grundsicherungsanspruch eines Singlehaushalts.

Allerdings schaffen es heute immer weniger Menschen, noch 45 Jahre am Stück sozialversicherungspflichtig erwerbstätig zu sein. Die Erwerbsbiografie für westdeutsche Männer etwa beträgt derzeit nur 41,4 Jahre im Durchschnitt. Westdeutsche Frauen kommen sogar im Durchschnitt nur auf 30 Versicherungsjahre. Auch hier ergeben sich laut IW bei der nach geltendem Recht vorgesehenen Absenkung des Rentenniveaus keine Armutsrenten für Durchschnittsverdiener. 

So kommen die westdeutschen Männer mit Durchschnittsverdienst aktuell auf 1261 Euro Rente bei einem derzeitigen Rentenniveau von 48,2 Prozent. Wäre bereits 2045 und das Niveau auf 41,7 Prozent geschrumpft, wären es immer noch 1203 Euro. Frauen ginge es nach den 30 Versicherungsjahren, die sie im Durchschnitt nur erreichen, schon deutlich schlechter: Aktuell kämen sie auf 914 Euro Rente im Monat. Wäre schon 2045, kämen nur 872 Euro heraus.

Das ist zwar immer noch mehr als die durchschnittliche Grundsicherung. Aber in Ballungszentren mit hohen Mieten wie Hamburg und München würde sich für sie ein Antrag auf Grundsicherung schon lohnen. Allerdings ist es kein Zufall, dass westdeutsche Frauen oft kürzere Erwerbsbiografien haben, mutmaßt das IW. Sie seien offenbar oft auf andere Weise abgesichert. Dafür spreche, dass bereits 2015 fast die Hälfte der gezahlten Renten mit einer Höhe von maximal 750 Euro unterhalb der Grundsicherungsschwelle für einen Single gelegen hätten. Trotzdem haben im gleichen Jahr nur 2,7 Prozent der gesetzlichen Rentner Grundsicherung erhalten.

Kommentare (1)

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Herr Hans-Jörg Griesinger

15.03.2017, 10:09 Uhr

„Als klassisches Beispiel führt das IW den sogenannten Standardrentner an. Das ist jemand, der 45 Jahre immer ein Durchschnittseinkommen erzielt hat, von dem Rentenbeiträge abgeführt wurden.“

Genau da liegt der Fehler in der Berechnung.
Den sogenannten Standardrentner gibt es nicht mehr.
Sehr viele Menschen haben mittlerweile gebrochene Erwerbsbiografien mit längeren Zeiten von Arbeitslosigkeit.
Waren lange in der Leiharbeit, bei niedrigen Bruttolöhnen beschäftigt.
Logisch das der IW die Dinge im Sinne der Unternehmen schönrechnet!
Mich kotzt dass an und ich sage voraus, dass wenn man die „Babyboomer“ bei der Altersabsicherung und zukünftigen Rente im Stich lässt, werden Köpfe rollen!

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