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12.11.2014

13:41 Uhr

Rentenpolitik

Angleichung in Ost und West kommt kaum voran

Die Koalition hat eine Ost-West-Angleichung bei der Rente per Gesetz beschlossen, doch diese kommt kaum voran. Ohne zusätzliche Milliarden dürfte eine Angleichung auch künftig nicht gelingen.

Die Standardrente liegt im Osten noch immer unter jener im Westen. dpa

Die Standardrente liegt im Osten noch immer unter jener im Westen.

Würzburg25 Jahre nach dem Fall der Mauer kommt die angestrebte Rentenangleichung in Ost- und Westdeutschland nur schleppend voran. Ohne Einschnitte für viele Rentner im Osten oder zusätzliche Milliardensummen dürfte sie kaum gelingen. Das machte die Deutsche Rentenversicherung Bund am Mittwoch bei einer Veranstaltung in Würzburg deutlich. Präsident Axel Reimann mahnte die Bundesregierung zu klaren Aussagen, wie die Rentenangleichung erreicht werden soll: „Das Ziel ist nicht klar beschrieben.“

Zwar sehe der schwarz-rote Koalitionsvertrag eine völlige Angleichung der Rentenwerte zum Ende des Solidarpakts 2019 vor. Doch dies dürfte kaum automatisch durch eine weitere Angleichung der Löhne geschehen. Eine Angleichung des für die Rente zentralen Lohnniveaus in Ost- und Westdeutschland sei demnächst nicht zu erwarten. Deshalb müsse geklärt werden, ob die für die Rente maßgeblichen Rechengrößen tatsächlich angeglichen und wie gegebenenfalls zusätzliche Kosten geschultert werden sollen.

Das Rentenpaket der Großen Koalition

Mütterrente

Etwa 9,5 Millionen Frauen, deren Kinder vor 1992 zur Welt kamen, bekommen Kindererziehungszeiten in der Rente künftig besser honoriert. Pro Kind sind das ab 1. Juli brutto knapp 28 Euro monatlich mehr im Westen und gut 26 Euro mehr im Osten. Dies ist eine Verdoppelung des bisher bezahlten Zuschlags. Frauen mit jüngeren Kindern sind bei der Mütterrente aber immer noch bessergestellt.

Abschlagsfreie Rente ab 63

Wer mindestens 45 Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt hat, soll schon ab 63 Jahren ohne Abschlag in Rente gehen können. Begünstigt sind die Geburtsjahrgänge zwischen 1952 und 1963. Phasen kurzer Arbeitslosigkeit sollen mit angerechnet werden, aber nicht in den letzten zwei Jahre vor Beginn der Frührente. Das soll eine Welle von Frühverrentungen verhindern. Selbständige, die in ihrem Berufsleben mindestens 18 Jahre lang Pflichtbeiträge in die Rentenkasse entrichtet haben und danach freiwillig weiterversichert blieben, sollen ebenfalls ab 63 eine abschlagfreie Frührente beziehen können. Das kommt vor allem Handwerkern zugute.

Erwerbsminderungsrente

Wer aus gesundheitlichen Gründen vermindert oder gar nicht mehr arbeiten kann, soll brutto bis zu 40 Euro mehr Rente bekommen. Die Betroffenen werden so gestellt, als ob sie mit ihrem früheren durchschnittlichen Einkommen bis 62 – und damit zwei Jahre länger als bisher – in die Rentenkasse eingezahlt hätten.

Reha-Leistungen

Um Frühverrentungen aus gesundheitlichen Gründen zu verhindern, sollen die bislang gedeckelten Mittel für Rehabilitationsleistungen dynamisiert – also schrittweise erhöht – werden.

Derzeit liegt die Standardrente im Osten mit rund 1188 Euro um 100 Euro unter jener im Westen von 1287 Euro. Der Rentenwert – also quasi die monatliche Rente für ein Jahr Beschäftigung mit Durchschnittsentgelt – beträgt im Westen 28,61 Euro, im Osten 26,39 Euro. Um den Nachteil auszugleichen, werden die Ostlöhne und -gehälter für die Rente aufgewertet, derzeit um 18,73 Prozent. Reimann wies darauf hin, dass die Aufwertung auch dazu führt, dass ein Ost-Beschäftigter bei gleichem Einkommen bei der Rente besser dasteht als einer im Westen.

Von

dpa

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