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04.10.2016

16:33 Uhr

Rentenreform

Arbeitgeber warnen vor neuen Rentenkosten

VonPeter Thelen

Die Rentenreform wird auch zum Streitpunkt zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern. BDA-Hauptgeschäftsführer Steffen Kampeter warnt vor höheren Renten im Osten, falls der Beitrag nicht angehoben werden.

Um die Rente wird zumindest in der Politik und Wirtschaft weiter gestritten. Die Arbeitgeber sehen eine Steigerung kritisch. dpa

Im Ruhestand

Um die Rente wird zumindest in der Politik und Wirtschaft weiter gestritten. Die Arbeitgeber sehen eine Steigerung kritisch.

BerlinBei der anstehenden Rentenreform gehen Gewerkschaften und Wirtschaft auf Konfrontationskurs. Während der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) am Dienstag forderte, den Rentenbeitrag von 18,7 Prozent bereits in den kommenden Jahren „behutsam“ anzuheben, um Geld für eine Stabilisierung des Rentenniveaus anzusparen, forderten die Arbeitgeber, das Rentenniveau wie geplant weiter sinken zu lassen. Nötig sei vielmehr eine „Haltelinie für den Rentenbeitrag“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands BDA, Steffen Kampeter. Der dürfe auch nach 2030 nicht über die bis dahin gesetzlich fixierten 22 Prozent steigen.

Konkret warnte Kampeter vor höheren Ostrenten, wie sie Arbeitsministerin Andrea Nahles vorgeschlagen hat, um bis 2020 ein einheitliches Rentenrecht für West- und Ostdeutschland zu erreichen. Auch bessere Leistungen für Erwerbsgeminderte und Mütter sowie die solidarische Lebensleistungsrente lehnen die Arbeitgeber ab.

Zentrale Zahlen zur Rente

Erhöhung

Zum 1. Juli 2016 gab es eine Rekordanhebung der Rente: In Westdeutschland stiegen die Bezüge im Sommer um 4,25 Prozent, in den neuen Ländern um 5,95 Prozent. Bis 2019 werden nur noch Erhöhungen jeweils unter 3 Prozent prognostiziert.

Rentenniveau

Die Rente hinkt den Löhnen somit immer stärker hinterher. Bis 2035 fällt das Rentenniveau von heute 47,8 Prozent nach Berechnungen des Sozialministeriums auf unter 43 Prozent – bis 2045 könnte es auf 41,6 Prozent sinken. Das will Nahles nun verhindern.

Beitragssatz

Er dürfte nach den vorläufigen Zahlen von heute 18,7 Prozent 2031 auf über 22 Prozent steigen. Der Satz ist nach geltendem Recht auf 22 Prozent bis 2030 begrenzt. Nach den aktuellen Zielen soll er auch bis 2045 nicht über 25 steigen.

Rücklage

Die Reserve der Rentenkasse, die Nachhaltigkeitsrücklage, sank von Juli bis August um mehr als eine Milliarde auf 30,9 Milliarden Euro.

Dagegen drängen die Gewerkschaften neben einer Stabilisierung des bis 2045 von 47,8 auf 41,6 sinkenden Rentenniveaus auf Verbesserungen für Erwerbsgeminderte, Soloselbstständige und die 22 Prozent der Erwerbstätigen, die weniger als zwei Drittel des Medianeinkommens haben. Ihnen droht eine Rente unterhalb der Grundsicherung.

Genau darum ging es dem Vernehmen nach auch beim Treffen von Arbeitsministerin Nahles mit Vertretern der Sozialpartner und Verbände am Dienstag, das bei Redaktionsschluss noch andauerte. Beschlüsse wurden nicht erwartet. Die Ministerin sieht in den Beratungen jedoch einen wertvollen Beitrag für das Reformkonzept, das sie im November vorlegen will.

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