Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.02.2014

07:26 Uhr

Rentenreform

Arbeitsagentur warnt vor Kosten der Rente mit 63

Die Bundesagentur für Arbeit rechnet mit Zusatzkosten in Milliardenhöhe wegen der Rente mit 63. Doch nicht nur die Beitragszahler, auch die Rentner selbst dürften für das Rentenpaket kräftig zur Kasse gebeten werden.

Rentner spazieren durch Rostock: Die Rente mit 63 steht nicht auf festen Beinen – die Bundesagentur für Arbeit rechnet mit bis zu 1,7 Milliarden Euro Zusatzkosten. dpa

Rentner spazieren durch Rostock: Die Rente mit 63 steht nicht auf festen Beinen – die Bundesagentur für Arbeit rechnet mit bis zu 1,7 Milliarden Euro Zusatzkosten.

BerlinDie Bundesagentur für Arbeit (BA) hat offenbar vor zusätzlichen Kosten in Milliardenhöhe gewarnt, sollte die Rente mit 63 unverändert Gesetz werden. BA-Chef Frank-Jürgen Weise habe dies bei einer Anhörung vor dem Haushaltsausschuss des Bundestages deutlich gemacht, berichtete Süddeutsche.de am Freitag. Hintergrund sei, dass Beschäftigte mit dem geplanten Gesetz bereits mit 61 Jahren ihre Arbeit aufgeben könnten, um die zwei folgenden Jahre Arbeitslosengeld I zu beziehen und danach mit 63 in Rente zu gehen. Für die abschlagsfreie Rente mit 63 dürfen Beschäftigte innerhalb von 45 Beitragsjahren maximal zwei Jahre lang Arbeitslosengeld I bezogen haben. Arbeitnehmer ab 58 Jahren haben wiederum nach vier Jahren ununterbrochener Erwerbstätigkeit einen Anspruch auf 24 Monate dieser Lohnersatzleistung.

BA-Chef Weise habe den Mitgliedern des Haushaltsausschusses drei Szenarien vorgerechnet, mit denen sich die Behörde auf das Problem vorbereite, hieß es in dem Bericht. Sollten fünf Prozent derjenigen, die Anspruch auf Rente mit 63 haben, bereits mit 61 ihre Jobs aufgeben, würden die Ausgaben für Arbeitslosengeld I um 190 Millionen Euro steigen. Machten 15 Prozent davon Gebrauch, lägen die Kosten bei etwa einer Milliarde Euro. Bei 25 Prozent wären es sogar 1,7 Milliarden Euro an zusätzliche Ausgaben.

Die Pläne zur abschlagfreien Rente mit 63

45 Jahre eingezahlt

Wer 45 Jahre lang Beiträge zur Rentenversicherung gezahlt hat, kann mit 63 Jahren ohne Abschläge in den Ruhestand gehen. Für jeden Monat, den die Rente vor dem gesetzlichen Renteneintrittsalter beginnt (2014: 65 Jahre und drei Monate), wird das Altersgeld eigentlich um 0,3 Prozent gekürzt. Dieser lebenslange Abschlag entfällt bei der Rente mit 63.

Altersrente für besonders langjährig Versicherte

Aus der Rente mit 63 wird bis 2029 die Rente mit 65: Die Schwelle soll schrittweise steigen. Die neue „Altersrente für besonders langjährig Versicherte“ gilt ab 63 Jahren nur für Versicherte, die vor dem 1. Januar 1953 geboren sind und deren Rente nach dem 1. Juli 2014 beginnt. Für ab 1953 Geborene steigt die Altersgrenze mit jedem Jahrgang um zwei Monate. Für ab 1964 Geborene liegt sie somit bei 65 Jahren.

Anspruchsvoraussetzungen sinken

Bisher gab es nur eine „Rente für besonders langjährig Versicherte“ ab 65 Jahren. Die neue Rente mit 63 weitet diese Regel aus und senkt zudem die Anspruchsvoraussetzungen. Zeiten der Arbeitslosigkeit werden als Beitragsjahre mitgezählt, wenn Anspruch auf das reguläre Arbeitslosengeld I bestand. Hartz-IV-Empfänger bleiben außen vor.

Was das kostet

Die Kosten wachsen langsam von 900 Millionen Euro 2014 auf 1,9 Milliarden Euro 2015 bis auf 3,1 Milliarden jährlich im Jahr 2030.

Die Bundesregierung hatte Ende Januar grünes Licht für das Rentenpaket von Arbeitsministerin Andrea Nahles gegeben. Vorgesehen sind ab dem 1. Juli höhere Renten für Mütter, deren Kinder vor 1992 geboren wurden. Langjährige Arbeitnehmer mit 45 Beitragsjahren sollen mit 63 ohne Abschläge in Rente gehen können und die Erwerbsminderungsrente wird verbessert. Außerhalb der Koalition stößt vor allem die Finanzierung der Vorhaben aus den Rücklagen der Rentenkasse auf Kritik.

Doch nicht nur die Beitragszahler, auch die Rentner selbst dürften für das Rentenpaket kräftig zur Kasse gebeten werden. Nach Berechnungen der Arbeitgeber werden die Rentensteigerungen bis 2030 insgesamt um rund 55 Milliarden Euro geringer ausfallen als nach geltendem Recht, wie die „Welt“ am Freitag berichtete. Die Rentner würden damit ein Drittel der Gesamtkosten von mehr als 160 Milliarden Euro der geplanten Leistungsverbesserungen für Mütter, langjährig Versicherte und Erwerbsgeminderte tragen.

Von

rtr

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

21.02.2014, 08:01 Uhr

DER RENTENBETRUG DER SPD
........................
vertrauen schaffen durch sachpolitik sieht anders aus.!
die bereits beschlossene beitragssenkung der rentenbei-
träge wird "kassiert" und zur finanzierung der renten -
reform benutzt.
..
frau nahles - das ist betrug am wähler und ist keine
keine seriöse regierungspolitik..!!
..
---SO KANN MAN DER SPD WIRKLICH NICHT MEHR VERTRAUEN..---

Joker1

21.02.2014, 08:37 Uhr

Das Rentenkonzept der großen Koalition ist völlig undurchdacht und nicht konkret und langfristig auf die Finanzierbarkeit durchgerechnet.
Aber, viel, viel schlimmer sind die nicht finanzierbaren
Pensionen der Politkaste und der Beamten. Über die Größenordnungen für diese "Zukunftsbelastungen" spricht
niemand; die Belastungen hierfür erreichen historisch unfinanzierbare Dimensionen.

Account gelöscht!

21.02.2014, 08:54 Uhr

Das Rentenkonzept der Koalition ist natürlich durchdacht - allerdings nach Regeln, die die Öffentlichkeit besser nicht erfahren sollte: Auf 45 Beitragsjahre kommen nur Menschen, die relativ niedrig qualifizierte Berufe ausüben, sonst hätten sie nicht so viele Beitragsjahre. Viele davon haben ihr Leben lang schwer körperlich gearbeitet.

Der ganze Sinn der Übung ist, diese Leute aus dem staatlich subventionierten Sozialsystem wegzuloben. So kann man deren Lebensunterhalt aus einem Topf bezahlen, der nicht zum Bundeshaushalt gehört.

Genau so fängt es doch schon an: Die Rente mit 63 soll von den Beitragszahlen der Rentenversicherung finanziert werden. Deshalb zahlen wir schon dieses Jahr höhere Rentenbeiträge. Um die weiteren Folgen dreht sich dieser Artikel.

Also nix mit "Gerechtigkeit": Die Mütterrente für Kinder ab 1992 war als Ausgleich für die Absenkung des Rentenniveaus bei jüngeren Rentnerinnen gedacht. Die Ausweitung auf ältere Mütter hat also nichts mit "Gerechtigkeit" zu tun, sondern: siehe oben!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×