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13.01.2010

14:34 Uhr

Rezession

Gehälter der Deutschen gehen stark zurück

Kurzarbeit und geringere Vergütungen: In der schärfsten Rezession der Nachkriegszeit sind die Löhne der Deutschen so stark gesunken wie seit der Wiedervereinigung nicht. Allerdings kamen die Beschäftigten noch wesentlich glimpflicher durch die Krise als die Unternehmen.

2009 brach die Arbeitsproduktivität ein, die Lohnstückkosten stiegen. ap

2009 brach die Arbeitsproduktivität ein, die Lohnstückkosten stiegen.

HB WIESBADEN/BERLIN. Die Bruttogehälter schrumpften im vergangenen Jahr um 0,5 Prozent auf knapp 991 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Grund dafür waren vor allem die Einbußen wegen der Kurzarbeit und geringere Vergütungen. Die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte legten nur um 0,4 Prozent zu und damit so gering wie seit Anfang der 90er Jahre nicht mehr. Die Sparquote – der Einkommensteil, den die Menschen nicht ausgeben – blieb mit 11,2 Prozent auf dem hohen Niveau von 2008.

Damit kamen die Beschäftigten aber noch wesentlich glimpflicher durch die Krise als die Firmen. Während die Arbeitnehmerentgelte nur um 0,2 Prozent zurückgingen, schrumpften die Unternehmens- und Vermögenseinkommen um elf Prozent und damit so stark wie noch nie seit Beginn der Detailstatistik 1970. Das Volkseinkommen, die Summe dieser drei Faktoren, sank erstmals seit der Wiedervereinigung um vier Prozent auf 1,811 Billionen Euro.

Nach der Rezession 2003 hatten sich die Firmengewinne wegen Sparprogrammen und moderater Lohnpolitik deutlich besser entwickelt als die Gehälter. „Die Schere hat sich in den letzten zwei Jahren wieder etwas geschlossen“, sagte der Präsident des Statistikamtes, Roderich Egeler, in Wiesbaden. Damit erhöhte sich auch der Anteil der Arbeitnehmerbezüge am Volkseinkommen: Die sogenannte Lohnquote stieg auf 67,5 Prozent.

Die Unternehmen traf es auch an der Kostenfront hart: Die Arbeitsproduktivität – also die Wirtschaftsleistung je Beschäftigtem – brach mit 4,9 Prozent so stark ein wie noch nie in der Nachkriegszeit. Zugleich kletterten die Lohnstückkosten mit über fünf Prozent so stark wie seit 1992 nicht mehr, da die Firmen auf Kurzarbeit setzten statt Mitarbeiter zu entlassen. „Die Unternehmen halten nach wie vor so lange wie möglich an ihren Stammbelegschaften fest“, betonte Chefvolkswirt Volker Treier vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK).

Im laufenden Jahr dürfte den Verbrauchern trotz Konjunkturerholung und Steuerentlastungen kaum mehr im Geldbeutel bleiben. „Die real verfügbaren Einkommen werden 2010 wohl schrumpfen“, sagte Volkswirt Andreas Scheuerle von der DekaBank und begründete dies mit anziehender Inflation und geringeren Lohnabschlüssen. Die Sparquote werde – auch wegen zunehmender Angst vor dem Jobverlust – auf 11,6 Prozent klettern.

Kommentare (2)

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Dieter

13.01.2010, 19:54 Uhr

Angefangen hat alles mit dem Euro. Eine Pizza, die früher 5 Mark kostete, kostet heute 5 Euro. Die Renten und Einkommen wurden damals halbiert. Das ging bei der damaligen Preisgestaltung eine Zeit lang gut. im Laufe der Jahre haben sich die belastungen und Preise den ursprünglichen D-Mark Preisen angepasst. Die Einkommen sind nur verhalten gestiegen. Außerdem haben sich die Lebenshaltungskosten durch zeitweise enorm gestiegene Energiekosten erheblich verteuert. Hunderttausende Arbeitsverhältnisse wurden in Teilzeit oder 400 € Jobs ausgelagert. Überall wird über Ausbeutung, mieserabele Arbeitsbedingungen und bespitzelungen berichtet. Unter diesen Umständen wundert es keinen, dass Arbeitnehmer abwandern um im europäischen Umfeld zu arbeiten. Gestern war in einer Magazin-Sendung zu erfahren, dass Mitarbeiter einer Waschstraßenkette im ungünstigsten Fall für 1 Euro am Tag arbeiten. ihre Gehälter müssen auf Hartz iV Niveau aufgestockt werden. Das ist menschenunwürdiges Sklaventum. Da wundert es keinen, dass viele Hartz iV Empfänger lieber, wie es so schön heißt, vor der Glotze rumhängen. Die Schere hat sich nicht geschlossen, eher weiter geöffnet. Die beklagten, reduzierten Unternehmenseinkommen schrumpfen von einem hohen Niveau herunter, da sie in den Jahren zuvor teilweise zweistellige Steigerungsraten zu verzeichnen hatten. Das konnte man von den Löhnen und Gehältern nicht behaupten. Wenn sich jetzt die Grenzen für Arbeitskräfte aus der gesamten EU öffnen, werden wir die ganze Wucht des Rationalisierungspotenzials der industrie zu spüren bekommen. Da sind die heutigen Zahlen Peanuts, denn es ist noch viel Luft nach unten. Die Kurzarbeit hat zwar das Schlimmste verhindert, aber was passiert, wenn die Maßnahmen auslaufen und kein Aufschwung in Sicht ist. Da reden wir nur noch über die Sicherung der Jobs und weniger über Einkommen. Das Problem ist die Tatsache, dass wir für unsere Euros immer weniger kaufen können.

18-formatic

13.01.2010, 20:43 Uhr


Antwort darauf ist:

die Globalisierung und Kapitalismus die das wirken auf der Wirschaft richtig ins Eingemachte geht.
Wen Kapitalgewinne der Unternehmer noch weiter schrumpfen,wird es gnadenlos auf dem Arbeitsmarkt zugehen.

Der beispiel " EiNEN EURO AM TAG "

Wen der Ölpreis weiter steigt dan wird es mit Autowaschen auch nicht mehr interesant!
Die Folge daraus?

Staatspleiten sind auch im Anmarsch.

Mfg

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