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20.05.2015

12:52 Uhr

Richtungsstreit in der AfD

Luckes Gegner formieren sich

Eine Parteispitze mit Bernd Lucke und Frauke Petry? Ein Konstrukt ohne Zukunft. Petry wirft Lucke eine „neue Qualität der Konfrontation“ vor. Rechte AfD-Funktionäre schmieden bereits Allianzen für eine Zeit nach Lucke.

Disput in der AfD-Spitze

„Luckes Projekt bringt AfD nicht voran“

Disput in der AfD-Spitze: „Luckes Projekt bringt AfD nicht voran“

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BerlinDie Co-Vorsitzende der Partei Alternative für Deutschland, Frauke Petry, sieht für ihren Konkurrenten und Parteigründer Bernd Lucke keine Zukunft mehr an der Parteispitze. Lucke habe mit der Gründung des Vereins „Weckruf 2015“ eine „neue Qualität der Konfrontation“ eingeleitet, sagte Luckes Widersacherin dem Radiosender WDR5. Jüngst hatte sie bereits im Handelsblatt-Interview mit Lucke abgerechnet und diesem vorgeworfen, die Partei schwächer gemacht zu haben.

Dieser neue Verein nun sei „de facto eine Partei in der Partei“, kritisierte die zum nationalkonservativen Parteiflügel zählende Petry. „Das kann ich nicht akzeptieren – und deshalb kann ich mir auch nicht vorstellen, dass Bernd Lucke weiter an der Spitze der AfD steht nach dem Parteitag in Kassel.“ Nach Angaben aus Parteikreisen sammelt sie bereits Verbündete für die Wahl eines neuen Vorstandes ohne Lucke.

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Lucke hatte am Dienstag die Gründung des Vereins „Weckruf 2015“ angekündigt, um seine Position in der AfD vor dem Parteitag Mitte Juni zu festigen. In dem Verein will er seine Anhänger sammeln, um die zerstrittene AfD nach eigenen Angaben „zu retten“. Lucke, der den wirtschaftsliberalen Teil der Partei repräsentiert, beteuerte, dass er weder die Gründung einer neuen Partei noch eine „Initiative zum Massenaustritt aus der AfD“ betreibe.

Wer Führungsaufgaben in der Partei übernehme, müsse sich zu einhundert Prozent mit den Zielen der Partei identifizieren, kritisierte Petry Luckes Aktion. „Das ist wohl kaum möglich, wenn ich im Stillen schon möglicherweise die Gründung einer neuen Partei plane.“

Wer hält bei der AfD die Fäden in der Hand?

Bernd Lucke

Parteigründer Bernd Lucke (52) ist der mächtigste Mann in der AfD. Mit der bisher eher basisdemokratischen Führungsstruktur tut sich das ehemalige CDU-Mitglied schwer. Gerne würde er deutschnationale Kräfte und Mitglieder, die radikale Systemkritik wollen, loswerden. Lucke ist gläubiger Christ. Mit der provinziellen Deutschtümelei einiger AfD-Mitglieder kann er nichts anfangen.

Frauke Petry

Frauke Petry (39) stand als Co-Vorsitzende im Bundesvorstand anfangs im Schatten von Lucke. Seitdem die AfD 2014 mit 9,7 Prozent in den sächsischen Landtag eingezogen ist, hat sie an Profil gewonnen. Petry ist Politikneuling. Sie setzt sich im Landtag und auch in der eigenen Partei für mehr Basisdemokratie ein. Die Chemikerin wird dem rechten Flügel zugeordnet. Im Vergleich zu den Forderungen anderer Vertreter dieses Flügels sind ihre Positionen aber eher moderat. Petry ist mit einem evangelischen Pfarrer verheiratet und hat vier Kinder.

Alexander Gauland

Alexander Gauland (74) gehört dem AfD-Bundesvorstand als Stellvertreter an. Sein Landesverband hatte im vergangenen Jahr mit 12,2 Prozent das bislang beste Landtagswahl-Ergebnis für die Partei eingefahren. Gauland ist ehemaliges CDU-Mitglied. Von 1987 bis 1991 leitete er die hessische Staatskanzlei. Gaulands Schwerpunkt ist die Asylthematik. Er will die AfD zu einer Partei machen, die sich vor allem den Sorgen der „kleinen Leute“ widmet.

Konrad Adam

Konrad Adam (73) ist ein konservativer Publizist. Er arbeitete unter anderem für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ und die „Welt“. Lucke schätzt Adams rhetorische Fähigkeiten, reibt sich aber häufig an seinen Positionen, vor allem beim Thema Einwanderungspolitik. Adam gehört dem rechten Flügel an. Radikale Kräfte will er in er AfD nicht haben.

Björn Höcke

Björn Höcke (43) ist Wortführer einer Gruppe von rechten AfD-Mitgliedern, die sich eine Anti-Mainstream-Politik wünschen. Der Lehrer für Sport und Geschichte ist Vorsitzender der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag. Im März veröffentlichte er die „Erfurter Resolution“. Darin heißt es, viele Mitglieder wünschten sich die AfD als „Widerstandsbewegung gegen die weitere Aushöhlung der Souveränität und der Identität Deutschlands“. Nachdem Höcke vor einigen Tagen erklärt hatte, nicht alle NPD-Mitglieder seien extremistisch, forderte ihn Lucke zum Austritt aus der AfD auf.

Petry ist nicht die einzige, der Luckes Vorstoß verstört. Die Brandenburger AfD-Fraktion mit Alexander Gauland hat bereits aufgerufen, den Weckruf unerhört zu lassen. Weitere AfD-Funktionäre bereiten sich schon auf eine Zukunft ohne den Parteigründer vor. Der Vorsitzende der AfD-Fraktion in Thüringen, Björn Höcke, sagte dem MDR, er könne sich vorstellen, beim Parteitag am 13. Juni für den Bundesvorstand zu kandidieren. An eine Versöhnung mit Lucke glaube er nicht. Der AfD-Vorstand hat ein Amtsenthebungsverfahren gegen Höcke eingeleitet. Anlass ist die Äußerung Höckes, man könne nicht jedes einzelne NPD-Mitglied als extremistisch einstufen. Petry hatte nicht für das Amtsenthebungsverfahren gegen Höcke gestimmt.

Umfrageergebnisse und Mitgliederzahlen der AfD. Um die Grafik zu vergrößern, klicken Sie bitte auf das Bild.

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Kommentare (23)

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Account gelöscht!

20.05.2015, 13:24 Uhr

Einen Gefallen hätte ich an das Handelslbatt....bitte verwendet doch in Zukunft den Ausdruck "national konservativ" und nicht "Rechts".
Die AfD wird bei den Wählern und in der Gesellschaft als eine wirtschaftliche und geselslchaftlich national konservative Pareti wahrgenommen. In der Positionierung gegen die wertvernichtende=marktfeindliche Energiewende und als Verteidiger der sozialen Marktwirtschaft besetzt die national konsverative AfD genau die Themenfelder, die die grün-sozialistische Union hat liegen lassen. Danke!
Lucke ist mit seiner Fixierung auf das Euro Thema einfach zu Starrsinnig geworden und hat die anderen dringlicheren Problem der deutschen volksiwirtschaftlich vernichtenden Energie- und Wirtschaftspolitik komplett vernachlässigt und aus den Augen verloren. Auch das Asyl. und Einwanderungsthema hat Lucke nicht richtig und entschlossen genug angepakt und verteidigt.
Lucke kann zwar rethorisch gut Reden aber er muss auch dem Volk auf das Maul schauen und auch mal von seinen hohen Prof. Thron herabsteigen und sich mit einer geselslchatlichen und bodenständigen Rethorik umgeben.

Herr C. Falk

20.05.2015, 13:26 Uhr

Mit der Gründung des "Weckruf"-Vereins, dessen unausgesprochenes Ziel es augenscheinlich ist, die Lucke-Anhänger im Fall einer Wahlniederlage des Herrn Lucke geschlossen aus der Partei zu führen, ist das politische Tischtuch zwischen der Gruppe Henkel/Lucke und Frau Petry, Herrn Adam, Herrn Gauland, Herrn Pretzell und Frau v.Storch wohl endgültig zerschnitten und eine Trennung unausweichlich geworden.

Herr Lucke hat mit seinem Verein gerade mal 1050 Mitglieder gewinnen können bei einer Gesamtmitgliederzahl der AfD von 22000 . Also weniger als 5%.

Die Mitglieder der AfD haben wohl verstanden, dass Herr Lucke weder über strategisches Geschick verfügt eine Partei zu führen, noch taktisch überzeugend agiert.

Frau Margrit Steer

20.05.2015, 14:05 Uhr

Was derzeit abläuft, kann keiner gut finden. Egal welchr Seite er angehört.
Lucke hat Fehler, ja. Aber kann man da nicht mal in Ruhe drüber reden?
Den Vorwurf mache ich Frau Petry.

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