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11.12.2011

16:26 Uhr

Riesige Datenbanken

Stasi-Experte warnt vor Facebook-Überwachung

Der Chef der Stasi-Unterlagenbehörde, Roland Jahn, hat den Netzwerk-Betreiber Facebook massiv kritisiert. Hätten Stasi-Mitarbeiter über Werkzeuge wie Facebook verfügt, hätte man sie „brutal genutzt“.

Facebook wäre auch für die Stasi von Interesse gewesen, sagt der Chef der Stasi-Unterlagenbehörde. dpa

Facebook wäre auch für die Stasi von Interesse gewesen, sagt der Chef der Stasi-Unterlagenbehörde.

BerlinDer Chef der Stasi-Unterlagenbehörde, Roland Jahn, hat in einem Zeitungsinterview den Netzwerk-Betreiber Facebook massiv kritisiert. „Die Gefahr bei Facebook ist, dass Menschen benutzt werden für Dinge, über die sie nicht Bescheid wissen“, sagte Jahn der Wochenendausgabe der Berliner „taz“.

Es gehe nicht, dass Daten gespeichert blieben, obwohl der Nutzer meine, sie gelöscht zu haben. Daten dürften auch nicht einfach weitergegeben werden. „Das nimmt dem Bürger sein Selbstbestimmungsrecht“, sagte Jahn der Zeitung. „Der Missbrauch der Daten muss unterbunden werden.“

Facebook und andere soziale Netzwerke dürften nicht länger nur im Kleingedruckten und nebenbei über ihre Speicherpraxis informieren. „Wenn etwa Profile über mein Verhalten erstellt werden, will ich das vorher wissen.“ Zugleich warnte Jahn vor den Möglichkeiten, die Geheimdienste dank Netzwerken wie Facebook neuerdings hätten. Die Stasi etwa hätte Facebook „brutal genutzt“, falls es Facebook zu Zeiten der DDR bereits gegeben hätte.

Unterdessen hat sich Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) bei der US-Regierung über anhaltende Datenschutz-Verstöße des sozialen Netzwerks Facebook beschwert. Das Unternehmen verstoße gegen das von den USA und der EU geschlossene Datenschutzabkommen, schrieb Aigner in einem der Nachrichtenagentur AFP am Sonntag übermittelten Schreiben an die US-Handelskommission FTC.

Die Ministerin kritisierte in dem Schreiben unter anderem das Erheben biometrischer Daten durch Facebook. Für die Gesichtserkennung erstelle das Netzwerk derzeit die „vermutlich weltweit größte Datenbank mit biometrischen Merkmalen einzelner Personen“, ohne über die Erfassung klar und verständlich zu informieren. Ebenfalls informiere die Firma darüber, dass sie Informationen über besuchte Webseiten 90 Tage lang speichere.

Aigner hatte bereits bei ihrer USA-Reise im September bei der FTC auf eine stärkere Einhaltung des sogenannten Safe-Harbor-Abkommens („Sicherer Hafen“) durch US-Unternehmen gedrungen. Dieses Abkommen hatte die EU vor einem Jahrzehnt mit den USA geschlossen um dafür zu sorgen, dass aus Europa übermittelte personenbezogene Daten dort auch nach europäischen Datenschutzstandards behandelt werden.

Die FTC habe Aigner bei ihrem Besuch gebeten, mögliche Verstöße gegen das Abkommen an die Behörde zu melden, erklärte ein Sprecher des Verbraucherschutzministeriums am Sonntag. Diesem Wunsch sei Aigner mit dem Schreiben nachgekommen, aus dem am Samstag das Magazin „Focus“ zitiert hatte. Leider sei festzustellen, dass es immer wieder gravierende Verstöße gegen das Datenschutz-Abkommen gebe, fügte der Sprecher hinzu.

Von

afp

Kommentare (12)

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Brenner

11.12.2011, 16:51 Uhr

Sie meinen wohl Überwachung durch oder mit Hilfe von Facebook und nicht "Facebooküberwachung"

Peer-Bilderbeger

11.12.2011, 16:52 Uhr

Stimmt es eigentlich, dass facebook von der Firma programmioert wurde, die auch den Schüble Trojaner programmiert haben??

Account gelöscht!

11.12.2011, 17:15 Uhr

Na ja, die Leute in der Ostzone konnten sich der Stasi nicht entziehen.

Aber niemand wird gezwungen, auf dieser Schülerplattform präsent zu sein um dort sein Intimleben auszuplaudern.

Wer's dennoch macht - Selbst Schuld!

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