Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.09.2014

16:17 Uhr

Risiko für die Euro-Zone

Ratingagentur warnt vor AfD

VonJörg Hackhausen, Dietmar Neuerer

Die AfD legt in Umfragen weiter zu. Der Aufstieg der Euro-Kritiker schreckt die Finanzmärkte auf. Eine Ratingagentur warnt vor dem Einfluss von AfD-Chef Lucke und seiner Partei. Die AfD selbst verbucht das als Erfolg.

Auf der Erfolgswelle: AfD-Chef Bernd Lucke kommt mit seiner Partei in Umfragen bundesweit auf zehn Prozent der Stimmen. AFP

Auf der Erfolgswelle: AfD-Chef Bernd Lucke kommt mit seiner Partei in Umfragen bundesweit auf zehn Prozent der Stimmen.

Berlin, DüsseldorfEine Ratingagentur schlägt Alarm: Standard & Poor’s (S&P) sieht die Stabilität der Euro-Zone gefährdet. Doch diesmal kommt die Gefahr nicht aus Griechenland oder Spanien, sondern mitten aus Deutschland. Die eurokritische Alternative für Deutschland (AfD) könne zum Risiko für die gesamte Währungsunion werden, vermuten die Bonitätswächter in einer aktuellen Analyse. Was als Warnung an Investoren gedacht ist, wird bei den Eurokritikern als Erfolg gefeiert. Sie kommen ihrem Ziel ein gutes Stück näher.

„Die wachsende Unterstützung für die AfD ist ein neuer Faktor, den die Kreditmärkte beobachten müssen“, sagt Moritz Kraemer, Chefanalyst von S&P in Deutschland. Die Programmpunkte der Partei – Auflösung der Euro-Zone, Rückkehr zu nationalen Währungen, Begrenzung der staatlichen Kreditaufnahme sowie mehr Kompetenzen für Nationalstaaten – hätten die deutschen Steuerzahler „wachgerüttelt“. Das wiederum dürfte Folgen für Investoren und die Krisenstaaten in Europa haben.

Die Anti-Euro-Thesen der „Alternative für Deutschland“

Zukunft des Euro

Wir fordern eine geordnete Auflösung des Euro-Währungsgebietes. Deutschland braucht den Euro nicht. Anderen Ländern schadet der Euro. (Quelle: Parteiprogramm)

Neue Währungen

Wir fordern die Wiedereinführung nationaler Währungen oder die Schaffung kleinerer und stabilerer Währungsverbünde. Die Wiedereinführung der DM darf kein Tabu sein.

Europäische Verträge

Wir fordern eine Änderung der Europäischen Verträge, um jedem Staat ein Ausscheiden aus dem Euro zu ermöglichen. Jedes Volk muss demokratisch über seine Währung entscheiden dürfen.

Austrittsrecht

Wir fordern, dass Deutschland dieses Austrittsrecht aus dem Euro erzwingt, indem es weitere Hilfskredite des ESM mit seinem Veto blockiert.

Lasten für den Steuerzahler

Wir fordern, dass die Kosten der sogenannten Rettungspolitik nicht vom Steuerzahler getragen werden. Banken, Hedge-Fonds und private Großanleger sind die Nutznießer dieser Politik. Sie müssen zuerst dafür geradestehen.

Schuldenschnitte

Wir fordern, dass hoffnungslos überschuldete Staaten wie Griechenland durch einen Schuldenschnitt entschuldet werden. Banken müssen ihre Verluste selbst tragen oder zu Lasten ihrer privaten Großgläubiger stabilisiert werden.

EZB-Politik

Wir fordern ein sofortiges Verbot des Ankaufs von Schrottpapieren durch die Europäische Zentralbank. Inflation darf nicht die Ersparnisse der Bürger aufzehren.

Dass sich eine Ratingagentur mit der politischen Landschaft innerhalb von Staaten befasst, ist nicht ungewöhnlich – es ist ein Mosaikstein bei der Bewertung von Bonitätsrisiken. Dennoch überrascht, wie deutlich sich S&P jetzt zu einer einzelnen Partei in Deutschland äußert. Das unterstreicht, welche Bedeutung die Ratingagentur diesem Thema zumisst. Für die AfD könnte es kaum eine bessere Werbung geben. Und daher ist es auch kein Wunder, dass sich die Partei selbst bestätigt sieht: „Die Ratingagentur S&P hat uns mit dieser Studie bescheinigt, dass wir die Nachfolge des Wirtschaftsflügels der CDU und FDP angetreten haben“, sagte AfD-Vize Hans-Olaf Henkel dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). „Es wird Zeit, dass die Wirtschaftsvertreter dies auch zur Kenntnis nehmen.“

Die eurokritische Partei erlebt gerade einen beachtlichen Aufstieg: Nach einer am Dienstag veröffentlichten Forsa-Umfrage kann sie bundesweit auf etwa zehn Prozent der Wählerstimmen zählen. Im Vergleich zur Vorwoche verbesserte sich die Partei demnach um drei Prozentpunkte. Die AfD hatte bei den Landtagswahlen Ende August und Mitte September in Sachsen 9,7 Prozent erreicht, in Thüringen waren es 10,6 und in Brandenburg 12,2 Prozent.

Kommentare (55)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Theo Gantenbein

23.09.2014, 16:32 Uhr

Bestimmt wird auch Deutsche Bank vor der AfD warnen. Denn unter der AfD wäre nämlich Schluss mit der Alimentation von Banken aus Steuergeldern.

In Schottland musste sich die DB ja auch zu Wort melden.

Ein Grund mehr AfD zu wählen!

Herr Jens Großer

23.09.2014, 16:37 Uhr

Ja diese Warnung ist pure Werbung für die AfD wenn auch ich nicht glaube, das Merkel auf absehbare Zeit ihren Euro-Kurs auch nur leicht ändern wird. Dafür ist einfach der Rückhalt ihrer Politik noch zu groß und gleichzeitig die AfD noch zu schwach. Mit der Betonung auf NOCH!

Herr Vittorio Queri

23.09.2014, 16:40 Uhr

Zitat : Ratingagentur warnt vor AfD

Zuerst kam die Ignoranz, dann die Diffamierung und Wahlfälschung.....jetzt gibt es schon Warnungen.

Das ist aber bei weitem noch nicht alles.

Erst wenn die Ängste kommen, dann kommt die SED ( SPD,CDU,FDP,GRÜNE,LINKE ) zum Zittern.....um ihre warmen, gut dotierten Plätze am Steuertrog !

Dann hat auch die AfD die ersten Erfolge zu verzeichnen.

Der Frühling 2015 in D naht !

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×