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04.05.2012

15:17 Uhr

Robert Habeck

Schick im Schlick

VonMariam Lau
Quelle:Zeit Online

Robert Habeck, grüner Spitzenkandidat in Schleswig-Holstein, gilt als cool, als Mischung aus Punk, James Dean und Robin Hood. Und was nützt es ihm?

Robert Habeck: Der Spitzenkandidat von Bündnis 90/Die Grünen in Schleswig-Holstein beim Leuchtturm Westerhever an der Nordseeküste. dpa

Robert Habeck: Der Spitzenkandidat von Bündnis 90/Die Grünen in Schleswig-Holstein beim Leuchtturm Westerhever an der Nordseeküste.

Was für ein schöner Sonntag. Robert Habeck, 42, grüne Hoffnung von Schleswig-Holstein und gelernter Philosoph, hat sich beim taz-Kongress an der Spree bei bestem Kaiserwetter über Das gute Leben ausgelassen. Dann hat er sich Winfried Kretschmann geschnappt, um mit dem ersten grünen Ministerpräsidenten zur Wahlkampf-Wattwanderung in den hohen Norden zu fahren. Wie sie da so am Kanzleramt vorbeischlendern in Richtung Hauptbahnhof, könnten sie nicht verschiedener sein: Nord und Süd, jung und alt, protestantisch - katholisch. Aber politisch stehen die beiden sich sehr nah. Man könnte sich fast hinreißen lassen, von einem Projekt zu sprechen.

Habeck und Kretschmann repräsentieren den neuen Kraftpol der Grünen: die starken Länder, die sich vom »Raumschiff Berlin«, dem Führungsquartett und seinem Quotengerangel, weitgehend verabschiedet haben. Es sind Grüne mit einem eigenen Heimatbegriff; Grüne ohne Angst vor dem Volk und ohne Angst vor persönlicher Verantwortung in politischen Ämtern. Sogar eine grüne Innenpolitik können sie sich vorstellen. Beide bestreiten ihre Wahlkämpfe als alleinige Spitzenkandidaten; Doppelspitzen werden von ihnen nicht goutiert, Quartette gar als »organisierte Verantwortungslosigkeit« abgetan. Mit ihren Sympathien für vieles, was sonst die Union vertrat - privat vor Staat zum Beispiel -, gehören sie zu denen, die man früher »Ökolibertäre« genannt hat. » Wir arbeiten am selben Ziel«, sagt Habeck über den grünen Regierungschef aus Stuttgart; »die Grünen als Volkspartei, obwohl ich das Wort nicht so mag. So ein Ökobauer bei uns - der ist nicht >Scholle< und Provinzialismus; das hat etwas Widerständiges, Punkiges, Eigenwilliges.« Habeck hat einmal ein Buch über »linken Patriotismus« geschrieben, über das viele Parteifreunde die Nase rümpfen. » Bei mir ist der Patriotismus ein bisschen erarbeitet, bei Kretschmann ist er ererbt«, sagt er.

Wenn Schleswig-Holstein am 6. Mai wählt, geht es für Robert Habeck nicht einfach nur um 12 oder 14 Prozent, um die Mitgift in einer rot-grünen Koalition mit Torsten Albig. Er muss auch beweisen, dass es geht: die Grünen als Heimatpartei. Wenn es in Stuttgart geklappt hat, könnte es doch wohl auch in Kiel gehen. Und wenn es in Kiel klappt, dann sollte es womöglich auch einmal in Berlin funktionieren. Es könnte sich die Hausmacht formieren, die Habeck fehlte, als er 2006 in den Parteivorstand aufrücken wollte. Insofern ist Schleswig-Holstein auch eine Abstimmung über das künftige Gesicht der Grünen.

Kaum hat man sich im Abteil niedergelassen, haben die Bodyguards des Ministerpräsidenten an der Tür Platz genommen, erhebt sich sofort die Frage, was zum Teufel eigentlich mit den Grünen los ist. Vor einem Jahr standen sie bei 30 Prozent! Ein Glas Prosecco kann zwar diese Frage nicht abschließend klären, hebt aber die Stimmung, die ohnehin mit jedem Kilometer Entfernung von der Hauptstadt an Heiterkeit gewinnt. Imitationen vom Redegestus mancher grüner Bundestagsabgeordneter - dieser ganz speziellen Mischung aus Spott und Bescheidwisserei, die nie so klingt, als wolle man das Land regieren, weil man es liebt, sondern weil man recht behalten will - treiben das Gespräch auf die Frage zu, woher die schlechte Stimmung kommt. Eine Partei flieht vor einer Nachricht - warum?

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