Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.04.2012

16:46 Uhr

Roland Koch

Die Rückkehr eines Alpha-Tiers

VonOliver Stock

Der ehemalige hessische Ministerpräsident Koch springt der Kanzlerin in der Schuldenkrise bei. Und das obwohl er sich zuvor noch mit Händen und Füßen dagegen sträubte, in politische Debatten einzusteigen.

Der Vorstandsvorsitzende des Bau- und Dienstleistungskonzerns Bilfinger Berger und ehemalige Ministerpräsident von Hessen, Roland Koch. dpa

Der Vorstandsvorsitzende des Bau- und Dienstleistungskonzerns Bilfinger Berger und ehemalige Ministerpräsident von Hessen, Roland Koch.

Basel„Nein“, sagt er, „ich will mich nicht von Euch Jungs in die Politik zurücktreiben lassen.“ Der ehemalige hessische Ministerpräsident Roland Koch, der in seiner zweiten Karriere an der Spitze des Baukonzerns Bilfinger und Berger steht und - damit nicht genug - auch noch den Aufsichtsrat der UBS in Deutschland leitet, wehrt mit diesem Satz seit mehr als einem Jahr Journalisten ab, die ihm womöglich Fragen zu Merkel, der Schuldenkrise oder so etwas Profanem wie dem deutsch-schweizer Steuerstreit stellen wollen. Das klingt dann, als hätte das ehemalige politische Schwergewicht ein Gelübde abgelegt: Hände weg von der Politik! Heute hat er dieses Gelübde gebrochen.

Vor dem ehrenwerten und vor allem männlichen Publikum der Vereinigung Schweizerischer Unternehmen in Deutschland, im Gewölbesaal des Zunfthauses „Zum Safran“ in Basel, hat Koch eine politische Plauderei begonnen, die ganz der selbstgeschaffenen Tradition des einstigen CDU-Granden entsprechend an Deutlichkeit kaum Wünsche offen ließ. Der Streit zwischen SPD und CDU geführten Bundesländern, über die Höhe der Steuer, mit der Deutsche mit Vermögen in der Schweiz belangt werden, dieser Streit sei dem Wahlkampf geschuldet, meinte er. Danach, so ab Mitte Mai, meinte er, sei eine Verständigung noch möglich.

Kochs Kernthema an diesem Tag jedoch ist die EU und die Krise, in der sie steckt. Sein wichtigstes Anliegen: Er will der Kanzlerin, die mit ihren Sparappellen angesichts politischer Veränderungen in Europa immer einsamer dasteht, den Rücken stärken. Im Gegensatz zur Geschäftswelt, so hat der Neu-Manager Koch erkannt, werden in der Politik Entscheidungen stets aufgrund rationaler und emotionaler Argumente getroffen. Deswegen müsse Deutschland dem bis über die Ohren verschuldeten Griechenland helfen - und ihm drohen. Ohne Drohung wäre in Griechenland kein einziges Spargesetz verabschiedet worden, meint Koch. Und ohne griechische Gegendrohung Richtung Deutschland wäre keines dieser Gesetze von den Griechen jemals akzeptiert worden.

Aber Griechenland abwickeln wie die Drogeriemarktkette Schlecker? Das stehe nicht zur Diskussion. „Wer soll dann die Sozialhilfe bezahlen?“, fragt Koch, um dann mit einem weiteren Vergleich zur Unternehmerwelt aufzuwarten: In der Geschäftswelt sei es selbstverständlich, Sicherheiten zu verlangen. Die Wahrheit in der Politik sei, dass es keine Sicherheiten, sondern nur Einschätzungen gebe. Das habe nichts mit Unfähigkeit, sondern sehr viele mit Demokratie zu tun.

Und er wäre nicht Koch, wenn er mit seiner Einschätzung zur Staatsschuldenkrise und ihrem Ausgang hinterm Berg hielte. Die Krise verschlinge ohne Zweifel Unsummen von Geld. „Die Frage ist aber, ob es eine Investition oder eine Verschwendung ist“. Er plädiere dafür, es als Investition in Europa zu sehen, sagte der Ministerpräsident a.D. - womit sich die Sparkanzlerin im fernen Berlin nicht mehr ganz so einsam fühlen muss.

Kommentare (12)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

26.04.2012, 17:07 Uhr

Da hätte Koch doch besser seinen Mudn gehalten.
Was für ein Heuchler.
Was erwartet er sich denn davon, dass er jetzt so plötzlich Merkel den Rück stärkt, die ihn ja letztendlich abgesägt hat?

Der-Aufklaerer

26.04.2012, 17:14 Uhr

Koch, ist das nicht dieser "Ehrenmann" mit den
Jüdischen Vermächtnissen und der "Brutalstmöglichen
Aufklärung".

Ein weiterer Beweis, dass Ehre, Moral in Deutschland
nichts (mehr) bedeuten.

Mazi

26.04.2012, 17:26 Uhr

Frau Merkel scheint auf jede Hilfe angewiesen zu sein. Wie angeschlagen muss sie sein, wenn selbst der "uneigennützige" Koch ihr schon zur Seite springen will. Vielleicht erweist sie sich im Gegenzug auch noch dankbar.

Oder sucht die CDU etwa schon den Nachfolger für Merkel?

Auch Herr Koch hat irgendwann Geburtstag und würde sich sicherlich über eine bezahlte Geburtstagsparty in angenehmem Rahmen freuen. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×