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10.01.2017

14:31 Uhr

Roman Herzog ist tot

Abschied vom Reformpräsidenten

VonHeike Anger

Der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog war bis zuletzt ein gefragter Ratgeber der Politik. Nun ist der CDU-Politiker im Alter von 82 Jahren verstorben. Bequem war der konservative Bayer freilich nie. Ein Nachruf.

Der Altbundespräsident ist im Alter von 82 Jahren gestorben. dpa

Roman Herzog

Der Altbundespräsident ist im Alter von 82 Jahren gestorben.

BerlinBis zuletzt hat ihn die Befindlichkeit der Bundesrepublik umgetrieben. Er forderte – ganz in der Tradition seiner berühmten „Ruck“-Rede – die „Revitalisierung der politischen Parteien“. Roman Herzog warb für sozialen Frieden und warnte vor Politikverdrossenheit. Nun ist der ehemalige Bundespräsident in der Nacht zu Dienstag gestorben.

„Durch Deutschland muss ein Ruck gehen. (...) Alle sind angesprochen, alle müssen Opfer bringen, alle müssen mitmachen“, dies sind wohl seine bekanntesten Worte. Er sprach sie 1997, etwa zu Mitte seiner Amtszeit als Bundespräsident. Da hatte sich Herzog schon als unbequemer Mahner von Politik und Gesellschaft profiliert. Der CDU-Politiker und ehemalige Präsident des Bundesverfassungsgerichts wollte die Verkrustungen der Republik aufbrechen. „Die ganze Gesellschaft leidet bei uns an eingeschlafenen Füßen, die allerdings bis ans Hirn führen“, monierte er 2004. Auch nach seiner Zeit im höchsten Staatsamt blieb er ein gefragter Ratgeber der Politik und leitete zahlreiche Kommissionen.

Roman Herzog – Stationen seines Lebens

In Landshut geboren

Roman Herzog wurde am 5. April 1934 in Landshut geboren. Nach dem Abitur studierte er Rechtswissenschaft und promovierte zum Dr. jur.

Eigener Lehrstuhl

Er lehrte zunächst in München, ab 1965 auf einem eigenen Lehrstuhl an der Freien Universität in Berlin und ab 1969 in Speyer.

Weg in die Politik

1970 trat Herzog der CDU bei. Er leitete die rheinland-pfälzische Landesvertretung in Bonn, trat 1978 als Kultusminister in die Stuttgarter Landesregierung ein. 1980 übernahm er das Amt des Innenministers.

Am Verfassungsgericht

1983 ging er als Vizepräsident ans Bundesverfassungsgericht nach Karlsruhe und übernahm 1987 das Amt des Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts.

Bundespräsidentenwahl

1994 wurde Roman Herzog zum Bundespräsidenten gewählt, wobei er sich im dritten Wahlgang gegen Johannes Rau durchsetze.

Berliner Rede

Berühmt machte ihn das Wort vom „Ruck“, der durch Deutschland gehen müsse. In einer Rede im Hotel Adlon hatte er 1997 mit diesem Begriff mehr Reformbereitschaft und Änderungswillen angeregt und dadurch eine Diskussion geprägt, die noch viele Jahre andauern sollte.

Als Präsident a.D.

Nach dem Ende seiner Amtszeit blieb Roman Herzog wissenschaftlich und publizistisch tätig. Im Jahr 2000 leitete er den Konvent zur Erarbeitung der EU-Grundrechte-Charta und legte die Empfehlungen der Herzog-Kommission für die zukünftige Parteienfinanzierung vor.

Herzog privat

Roman Herzog ist evangelisch. 1959 heiratete er die Hauswirtschaftslehrerin Christiane Krauß, die am 19. Juni 2000 verstarb. Sie widmete sich an der Stoffwechselerkrankung Mukoviszidose erkrankten Menschen und gründete die nach ihr benannte Christiane-Herzog-Stiftung. Das Ehepaar hatte zwei Söhne. Roman Herzog heiratete ein zweites Mal: Alexandra Freifrau von Berlichingen.

Quelle: Bundespräsident.de

Bequem war der konservative Bayer freilich nie. Den 1934 als Sohn eines Museumsdirektors in Landshut geborenen Herzog zog es zum Jurastudium nach München. Dort promovierte und habilitierte er beim Staatsrechtler Theodor Maunz, dem Herausgeber des bekannten Kommentars zum Grundgesetz, dessen Mitherausgeber Herzog später wurde. Doch schon bald wechselte Herzog in die Politik.

Mit 36 Jahren trat er in die CDU ein, 1973 ging er als Staatssekretär nach Bonn, zog später als Abgeordneter in den Stuttgarter Landtag ein. Unter Lothar Späth wurde er 1980 Innenminister in Baden-Württemberg. Die Sicherheitspolitik zog er dort mit „Härte und Zweifellosigkeit“ durch, wie Befürworter und auch Kritiker ihm bescheinigten. So führte er „Demonstrationsgebühren“ ein, um die Teilnehmer von ungenehmigten Versammlungen für den nötigen Polizeieinsatz zur Kasse zu bitten. 

Als umso erstaunlicher wurde seine liberale Linie als Verfassungshüter registriert. So hob er das Verbot einer Demonstration gegen das Kernkraftwerk Brokdorf mit Verweis auf die Versammlungsfreiheit auf. Bekannt ist auch seine Urteil zu den Rentenregelungen für Trümmerfrauen, die Entscheidung zum Recht auf Kenntnis der eigenen Abstammung, die Entscheidung zum steuerfreien Existenzminimum oder ein Grundsatzurteil zur Stellung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Eine „Totalrevision“ des Grundgesetzes nach der deutschen Einheit schloss Herzog vehement aus. Und er beklagte stets, dass die Politik immer mehr Streitthemen nach Karlsruhe verlagere. 

Roman Herzog ist tot: Die Berliner Rede im Wort

Roman Herzog ist tot

Die Berliner Rede im Wort

Am 26. April 1997 hielt der damalige Bundespräsident Roman herzog im Berliner Hotel Adlon eine Grundsatzrede. Die Ansprache gehört zum politischen Vermächtnis des Nachwende-Deutschlands. Die Rede im Wortlaut.

Als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten brachte ihn die CSU ins Spiel. Zunächst galt er als Ersatzlösung, weil der eigentlich vorgesehene Steffen Heitmann absprang. 1994 wurde Herzog zum Nachfolger von Richard Freiherr von Weizsäcker gewählt. SPD-Kandidat Johannes Rau und FDP-Kandidatin Hildegard Hamm-Brücher hatten das Nachsehen. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit als Bundespräsident setzte er ein historisches Zeichen der Völkerverständigung.

In Polen, am Mahnmal des Warschauer Aufstandes, äußerte er die „Bitte um Vergebung“ – eine Geste, die nach dem Kniefall von Willy Brandt (SPD) vor dem Ghetto-Denkmal für Aufsehen sorgte.

„Das Fragenstellen ist das schärfste Schwert, das der Bundespräsident hat. Denn Fragen kann man nicht verbieten“, war Roman Herzog überzeugt. Auch deutliche und unbequeme Feststellungen scheute er nie. So kritisierte er etwa: „Ich jedenfalls kann unser Steuersystem nicht mehr verstehen, obwohl ich mich zehn Jahre mit Steuern in Karlsruhe befasst habe.“

Kommentare (2)

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Herr Frank Becher

10.01.2017, 16:02 Uhr

Sicher hat er sich Verdienste erworben. Aber hat er etwas mit seiner Ruck-Rede erreicht? Und als andere ehemalige Verfassungsrichter wie di Fabio, Papier und Bertram die Politik massiv kritisierte, hat er geweschwiegen.
"Die Bundesregierung hat den Rechtsstaat durch die bedingungslose Öffnung der Grenzen außer Kraft gesetzt", so die Staatsrechtsprofessoren Hans-Jürgen Papier und Udo Di Fabio und auch Verfassungsrechtler Bertram
Merkel hat das "Rechtssystem in schwerwiegender Weise deformiert" (Die Welt vom 14.1.2016)
Das ist letztlich unverzeihlich für einen Juristen mit einem solchen Renommee.

Herr Albert Magens

10.01.2017, 17:14 Uhr

Ein großartiger Mann.
Seine großartigen Reden haben Deutschland aus der Lethargie geweckt!
Ich trauer um ihn.

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