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10.03.2013

16:02 Uhr

Rot-Grünes-Schreckgespenst

„Wir überlassen diesen Fuzzis nicht unser Land“

VonJacqueline Goebel

Als Sturmspitze der FDP soll Rainer Brüderle punkten. Der Gegner des neuen Spitzenkandidaten ist Rot-Grün. Doch er kämpft auch mit der eigenen Vergangenheit – von den jüngsten Verletzungen hat er sich noch nicht erholt.

Der erhobene Zeigefinger ist Markenzeichen von FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle. Reuters

Der erhobene Zeigefinger ist Markenzeichen von FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle.

BerlinRainer Brüderle steht hinter dem gelben Rednerpult und hält seinen rechten Zeigefinger in die Luft. Es ist kein erhobener Finger, es ist ein stupsender Finger. Der neue Spitzenkandidat soll am Sonntag mit seiner Rede auf dem FDP-Parteitag die Basis und die Wähler aufrütteln. Aber das kommt erst später – erst mal wird gestupst.

Brüderles Rede beginnt eine halbe Stunde früher als geplant. Die Delegierten und Pressevertreter laufen noch wild durch den Raum, als der FDP-Fraktionschef oben auf der Bühne schon anfängt über die US-amerikanische Verfassung und das in ihr verankerte Streben nach Glück zu sprechen.

Die besten Zitate vom FDP-Parteitag

Philipp Rösler über Fehler:

„Ja, es gab manchmal schwierige Zeiten. Manchmal auch eigene Fehler. Und ich hoffe, dass ich daraus gelernt habe. Und es gab manchmal doofe Abende, wenn man sich auch grundsätzliche Fragen gestellt hat.“

Philipp Rösler über SPD und Grüne:

„Die Schulden in Deutschland haben zwei Farben: rot und grün.“

„Die Grünen sind längst zum Sinnbild des Obrigkeitsstaats geworden. Früher kam der Obrigkeitsstaat mit Pickelmütze, jetzt kommt er auf Birkenstock-Sandalen angeschlichen.“

Rainer Brüderle über sich selbst:

„Nennt das Spitzenmann oder Spitzenkandidat. Der Titel ist mir egal. Hauptsache, das Ergebnis ist spitze.“

Rainer Brüderle über die politische Konkurrenz:

„Wir überlassen nicht diesen Fuzzis, diesen fehlprogrammierten Typen unser Land.“

Rainer Brüderle über die Homo-Ehe:

„Viele schwule, viele lesbische Paare nehmen wie heterosexuelle Paare eine besondere Verantwortung wahr. Sie sind bürgerliche Paare im besten Sinne des Wortes“

Rainer Brüderle über Brüssel:

„Die politischen Strukturen in Brüssel erinnern mich mehr an Babylon und Byzanz als an ein modernes Staatswesen.“

Dirk Niebel über seine Abwahl:

„Ich stehe und gehe erhobenen Hauptes. Damit ist das lustige Ministerversenken beendet.“

Dirk Niebel über die Politik im Allgemeinen:

„Politik und Rugby haben eines gemeinsam: Beides ist Raufen nach Regeln.“

Daniel Bahr über sein Scheitern:

„Ich nehm's sportlich.“

Christian Lindner über die parteiinternen Wahlen:

„Das war ein reinigendes Gewitter.“

Wolfgang Kubicki über Peer Steinbrück:

„Was hat die arme Sau aus seinem Leben gemacht – er ist jetzt Kanzlerkandidat der SPD.“

Es herrscht Unruhe im Kongresscenter des Berliner Estrel-Hotels, und unruhig ist auch Brüderle. Er blickt oft auf seine Rede, ist weniger präsent als sonst. Er spricht über Amerika, das Land, das auf dem Streben nach Glück gegründet wurde. Das Land, das so viel früher als Deutschland seinen Weg zur Demokratie und zur freien, sozialen Marktwirtschaft gefunden hat.

Er spricht über den schwierigen Weg Deutschlands und den Beitrag der FDP, diesen Weg zu finden. Über die neue Ost-Politik, über FDP-Politiker, die mächtig Eindruck hinterlassen haben, über Walter Scheel und Hans Dietrich Genscher. Ein Kapitel der FDP, das die ewigen Personaldebatten, das Hadern und Zaudern bei so vielen inhaltlichen Fragen, die anhaltenden Machtkämpfe mit den Koalitionspartnern in den vergangenen Jahren haben vergessen lassen.

Röslers FDP: Die versöhnte Partei

Röslers FDP

Die versöhnte Partei

Philipp Rösler hat beim Parteitag eine passable Rede gehalten, bei seiner Wahl zum FDP-Chef aber einen Dämpfer erhalten. Das haut ihn nicht um, zumal seine Widersacher deutlich schlechtere Ergebnisse kassierten.

„Es wird immer welche geben, die uns weghaben wollen“, sagt Brüderle. „Lasst euch nicht einschüchtern von diesen Gegnern der Freiheit“, erklärt der neue Spitzenmann im Bundestagswahlkampf und spricht dabei vielleicht vor allem zu sich selbst. Auch wenn die FDP es ihm nicht übel nimmt, die Dirndl-Affäre und die Sexismus-Debatte um ihn, der doch die gleichen Rechte für alle und auch für die Frauen verteidigen soll, haben Brüderle doch zugesetzt.

„Wir verteidigen die Freiheit, auch mal Fehler machen zu können. Wir verteidigen die Freiheit der zweiten Chance“, sagt Brüderle und wirkt dabei, als ob er vor allem seine Freiheit, die Freiheit auf direkte Worte, und ja, auch auf Altherrenwitze, verteidigen möchte. Die Menge klatscht höflich.

Kommentare (36)

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waehlerung

10.03.2013, 16:15 Uhr

Wer, wer interessiert sich für diese gelbe bande von lächerlichen selbstdarstellern. Wen interessiert es, was sie herumblöken ? Sowas völlig unwichtiges hat ja die welt noch nicht gesehen wie diesen verein da. inszenierter "Parteitag" um käse zu quaken. sowas gibts ja nur hier. schaustellerverein, jämmerlicher.

Republikaner

10.03.2013, 16:29 Uhr

Lieber Herr Brüderle: In den Spiegel schauen...und nachdenklich werden. Sehr erfreulich wären auch ein bischen mehr Inhalt und Klartext. Nur markige Worte...oh Gott, davon gabs schon zu viele.
Männer wie Dahrendorf, mit klaren Ansagen und echtem, gebildetem Format fehlen der FDP. Auch mal zu sagen: bis hierher und nicht weiter! Die FDP läßt sich zu allem verbiegen. Hauptsache man ist Steigbügelhalter für irgendjemanden.

Account gelöscht!

10.03.2013, 16:40 Uhr

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