Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.10.2016

13:25 Uhr

Rot-Rot-Grün

Unions-Nachwuchs empört mit Rote-Armee-Vergleich

SPD, Linke und Grüne loten die Möglichkeit für ein linkes Regierungsbündnis auf Bundesebene aus – und erzürnen damit CDU und CSU. Auch die Junge Union poltert los – mit einem bizarren Geschichtsvergleich.

Umstrittene Fotomontage: Der Unions-Nachwuchs provoziert mit einem bizarren Geschichtsvergleich. (Foto: HB; Screenshot)

Aktion gegen Rot-Rot-Grün.

Umstrittene Fotomontage: Der Unions-Nachwuchs provoziert mit einem bizarren Geschichtsvergleich. (Foto: HB; Screenshot)

BerlinKnapp ein Jahr vor der Bundestagswahl haben die Unionsparteien vor einem rot-rot-grünen Regierungsbündnis gewarnt.  Die Generalsekretäre von CSU und CDU, Andreas Scheuer und Peter Tauber, sparten dabei nicht mit Kritik. Scheuer sprach von einer „Linksfront“,  Tauber sagte, ein rot-rot-grün regiertes Deutschland wäre ein „Stabilitätsrisiko für Europa und die Welt“.

Deutlich heftiger fällt die Reaktion des Unions-Nachwuchses auf die rot-rot-grünen Gedankenspiele aus.  In den sozialen Medien postete die Junge Union München-Nord eine Fotomontage, das SPD, Linke und Grüne in die Nähe der Roten Armee rückt. Zu sehen  ist eines der bekanntesten Fotos aller Zeiten: Ein sowjetischer Soldaten hisst auf dem Dach des Reichstages die Rote Fahne. Das Bild steht wie kein anderes für die Niederlage Hitler-Deutschlands.

In das Bild montiert sind die Logos der Parteien, die sich am Dienstagabend in Berlin trafen, um Gemeinsamkeiten für ein mögliches Bündnis auszuloten. An den Beratungen nahmen rund 90 Bundestagsabgeordnete und Funktionäre von SPD, Linken und Grünen teil. SPD-Chef Sigmar Gabriel besuchte das Treffen kurz, ohne sich aber zu äußern. Überschrieben ist das von der JU verbreitete Foto mit der Zeile „Der deutsche Sozialismus formiert sich im Bund!“

Der CDU-Politiker Ruprecht Polenz kritisierte die Aktion scharf. „Jetzt dreht die Junge Union München-Nord völlig durch“, schreibt der frühere Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag auf seiner Facebook-Seite. Die Rote Armee werde als Symbol für eine Regierung aus SPD, Grünen und Linkspartei verwendet, dabei koaliere die CDU mit zwei dieser Parteien, „und das ist gut so“. Die Linkspartei hingegen sei für die CDU nicht koalitionsfähig. „Die Gründe werden wir im Wahlkampf deutlich machen, aber nicht so.“

Grüne und Linke

GESCHICHTE

Der westdeutsche Zweig der Linken, die Wahlalternative WASG, wurde 2005 auch aus Protest gegen die SPD gegründet - unter anderem von ehemaligen SPD-Mitgliedern, die mit der unter dem damaligen SPD-Kanzler Gerhard Schröder beschlossene Agenda 2010 nicht einverstanden waren. Prominentester Vertreter: der ehemalige SPD-Chef Oskar Lafontaine, der dann das WASG-Bündnis mit der PDS schmiedete.

RHETORIK

Linke-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht sieht die SPD als Teil eines „neoliberalen Parteienkartells“. Dieses mache eine Politik, „die dem Raubtierkapitalismus freie Bahn geschaffen hat, die den Sozialstaat zerstört hat“. Folgerichtig sieht es zumindest die prominente Frontfrau der Linken als Aufgabe ihrer Partei an, eine klare Oppositionspolitik in Politik und Gesellschaft zu machen.

CSU-Generalsekretär Scheuer ließ indes auch kein gutes Haar an dem R2G-Treffen (R2G steht für zwei Mal rot und einmal grün). „Jetzt weiß es jeder: das Ziel ist eine linke Republik mit Rot-Rot-Grün“, sagte Scheuer der Nachrichtenagentur dpa. „Diese Linksfront würde Deutschland massiv schaden.“ Tauber attackierte in den Zeitungen der Funke Mediengruppe die Linken. „Die Linke ist eine rote AfD – sie will raus aus dem Euro und bezeichnet die Nato als Kriegstreiber.“ Der SPD warf er Orientierungslosigkeit vor.

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Percy Stuart

19.10.2016, 14:52 Uhr

Z. Bsp. zeigt die BREXIT-Medien-Kampagne, wie verlogen die ganzen Artikel rund um den BREXIT und das britische Pfund sind. Dies erkennt man daran, dass man uns seit Jahren erzählt, wie gut eine Weichwährung (der Euro) für unsere Wirtschaft und unsere Arbeitsplätze ist. Bei den Briten ist nun plötzlich alles anders. Die Briten sind Exportnation und exportierten in 2015 für 442.00 Billionen US$ (Stand 11.2015). Als Exportland profitieren sie von einem schwachen Pfund, ebenso steigt die dadurch die Wettbewerbsfähigkeit und Jobangebote. So wurde es uns doch im Euro jahrelang erkauft, eine Sc Schwachwährung ist gut für unsere Exporte, sie schafft zudem neue Arbeitsplätze und lässt uns unsere Produkte im Ausland billiger verkaufen. Jetzt plötzlich soll der BREXIT und der Kusrverfall des britischen Pfunds der Untergang des Vereinigten Königreichs bedeuten? Ich lach mich tot. Genau das Gegenteil wird passieren, die Briten werden genau wie die Schweizer massiv davon profitieren, nicht mehr weiter an den Euro angekoppelt zu sein. Klar wollen die Brüsseler Technokraten nicht, dass der BREXIT ein Erfolgsmodell wird, weil nämlich dann noch weitere EU-Staaten auf die Idee kämen, dass es für sie lohnender ist, aus dem Euroverbund und der EU auszutreten. Wir werden nach Strich und Faden belogen, gerade so, wie man es aktuell benötigt. Jetzt wo endlich wieder die Löhne in D steigen, wird von den Ökonomen und der Wirtschaftslobby sofort wieder unsere angeblich daniederliegende Produktivitätssteigerung in Frage gestellt. Man erinnere sich an den Mindestlohn, welche Medienkampagnen dagegen gefahren wurden. Wie vor Arbeitsplatzverlusten und einem Millionenheer neuer Arbeitsloser gedroht und Angst erzeugt wurde. Und jetzt, nachdem der Mindestlohn eingeführt wurde, ist genau das Gegenteil davon passiert. Viele Unternehmen suchen Mitarbeiter und können Stellen nicht besetze

Herr Percy Stuart

19.10.2016, 15:02 Uhr

Versprochen hatte man den Deutschen bei Aufgabe der starken D-Mark aber, dass der Euro genauso stark, stabil und kaufkraftstark sein wird, wie es die D-Mark war. Gleiches galt für das Wohlstandsversprechen und die Friedensfrage. Der Euro sollte Wohlstand und Frieden für alle in Europa schaffen. Geschaffen hat er heute Spaltung und Zwietracht unter und innerhalb der Gesellschaften, illegale Masseneinwanderung in unsere Sicherungssysteme und auf unsere Arbeitsmärkte mit allen negativen Begleiterscheinungen, Verarmung ganzer Volkswirtschaften und ein wieder übermächtiges größenwahnsinniges Deutschland, an dessen Wesen, wieder mal die Welt genesen soll.

Herr Clemens Keil

19.10.2016, 15:19 Uhr

 Jetzt zeigt sich, dass der von den Rechtspopulisten in der Union und insbesondere der CSU im Rahmen der Flüchtlingskrise eingeübte Jargon, der zurecht von der Kanzlerin als Überbietungswettbewerb sprachlicher Enthemmung kritisiert wurde, auch zum Bangemachen vor demokratischen Parteien links von der Union herhalten soll! Aber das hatten wir jaj schon mal in Deutschland. Da fällt mir in Anlehnung an den Grafik-Designerr Klaus Staeck nur ein: Deutsche, die Linken wollen euch eure Häuser im Tessin wegnehmen!
Ich hätte Bange vor einem weiteren Jahrzehnt Unions-dominierter Politik mit rechtspopulistischer Ausrichtung in bekannter Tradition, mit einer rückständigen Bildungspolitik, mit einer Altersarmut fördernden Rentenpolitik und einer die Schere zwischen Arm und Reich weiter öffnenden Sozial-,Abgaben- und Steuerpolitik, mit einer planlosen, menschenunwürdigen Flüchtlingspolitik, mit einer weiterhin Milliarden von Steuergeldern in veraltete Modelle und Strukturen verschwendenden rückwärtsgewandten Familien- und Frauenpolitik, mit einer Europa-Politik, die Europa gegen die Wand fährt, und den EURO zulasten von Sparern und Rentnern "rettet", mit einer weiteren Hinwendung an einen - nicht nur von namhaften christlichen Würdenträgern - heftig kritisierten, verkommenen, hilflosen, des "C" im Parteinamen unwürdigen, die Wählermüdigkeit fördernden Politikstil.
Postfaktische Welt?
http://youtu.be/QqoSPmtOYc8
Was sagen unsere Bundestagsabgeordneten dazu?
http://youtu.be/QGOx8I0COYg
Und im übrigen: nach der Wahl ist vor der Wahl:
http://youtu.be/0zSclA_zqK4
Viel Spaß beim Anhören! Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentaresind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×