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12.11.2012

17:24 Uhr

Roth und Özdemir

Spielbälle der Grünen-Basis

VonDietmar Neuerer

Die Grünen sind eigen, wenn es um die Auswahl ihres Führungspersonals geht. Claudia Roth hat das bei der Urwahl zur Bundestags-Spitzenkandidatur spüren dürfen. Ihrem Co-Vorsitzenden Özdemir droht ein ähnliches Schicksal.

Die Grünen-Bundesvorsitzenden Claudia Roth, links, und Cem Özdemir. ap

Die Grünen-Bundesvorsitzenden Claudia Roth, links, und Cem Özdemir.

BerlinNach der Aufstellung ihrer Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl sind die Grünen an einer quälenden Führungsdebatte vorbeigeschrammt – vorerst zumindest. Parteichefin Claudia Roth kündigte am Montag an, dass sie trotz ihrer Niederlage bei der Mitgliederbefragung beim Parteitag am kommenden Wochenende erneut für den Vorsitz kandidieren werde. Der Entschluss der 57-Jährigen, die seit acht Jahren an der Parteispitze steht, wurde im Führungszirkel mit großer Erleichterung aufgenommen. Bei einer anderen Entscheidung hätten die Grünen beim Delegiertentreffen in Hannover nach einer neuen Chefin suchen müssen.

Der Partei steht aber ein neues Problem ins Haus. Diesmal geht es um den Co-Vorsitzenden Cem Özdemir. Der will im kommenden Jahr wieder in den Bundestag einziehen. 2009 ist ihm das misslungen. Sein baden-württembergischer Landesverband verweigerte ihm damals die Unterstützung. Einen sicheren Listenplatz für die Bundestagswahl erhielt er nicht. Özdemir war daher auf ein Direktmandat angewiesen. Doch auch das verpasste er. Im kommenden Jahr sollte deshalb alles anders werden. Doch die Parteilinke macht Özdemir einen Strich durch die Rechnung.

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Claudia Roth meldet sich nach der Urwahl-Pleite zurück. Es gehe nicht um ihre Enttäuschung, sondern um Wichtigeres: die Ablösung von Schwarz-Gelb. Daran will sie weiter arbeiten – und zwar als Parteichefin.

Als Spitzenduo für den anstehenden Wahlkampf haben sie die Landesgruppenchefin der Südwest-Grünen im Bundestag, Sylvia Kotting-Uhl, und den Mannheimer Bundestagsabgeordneten und Finanzexperten Gerhard Schick, auserkoren. Kotting-Uhl beansprucht auf dem Böblinger Landesparteitag Anfang Dezember Platz eins der Landesliste, den eigentlich die stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion, Kerstin Andreae, im Blick hatte, Schick will den von Özdemir angepeilten Platz zwei.

Der Parteilinke, der über die Parteigrenzen hinaus wegen seiner finanzpolitischen Expertise geschätzt wird, macht denn auch keinen Hehl daraus, dass er die Kraftprobe mit Özdemir sucht. „Die Regel, dass man gegen einen Vorsitzenden nicht antritt, hat es bei den Grünen nie gegeben“, hatte Schick vor kurzem erklärt, „die kann man jetzt nicht plötzlich erfinden“. Er habe daher vor, für Platz zwei der Landesliste zu kandidieren.

Für den früheren Bundesparteichef Reinhard Bütikofer steht außer Frage, wie er unlängst via Twitter mitteilte, dass Özdemir als Bundesvorsitzenden beschädigt wäre, würde er Schick in einer Kampfabstimmung unterliegen. Der könne kein politisches Gewicht mehr auf die Waagschale bringen, wenn ihm sein eigener Landesverband zweimal einen vorderen Listenplatz verweigere, schrieb Bütikofer.

Kommentare (16)

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tesaro

12.11.2012, 17:34 Uhr

Ihr Studium hat Claudia Roth abgebrochen. Nach Jobs beim Theater und als Rock-Managerin landete sie bei den Grünen. Die Partei ist ihr Leben und ihre Existenz – das zeigt ihr Entschluss, trotz Urwahl-Schlappe im Amt zu bleiben.
Sonst müßte sie von HartzIV leben.

Analyst

12.11.2012, 17:51 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

ROBERT_LEE

12.11.2012, 18:05 Uhr

Frau Roth ein Spielball?

Die Basis hat der Dame die
Gefolgschaft verweigert.

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