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12.06.2014

12:47 Uhr

Rückendeckung für Wulff

Steinbrück wettert gegen „gewalttätigen Journalismus“

VonDietmar Neuerer

Christian Wulffs scharfe Attacke auf Justiz und Medien schlägt hohe Wellen. In der Politik löst er damit aber nicht nur Kopfschütteln aus. Peer Steinbrück gibt dem ehemaligen Bundespräsidenten Recht – auf seine Weise.

Der ehemalige SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück: „Wer diktiert die politischen Bedingungen für Rücktritte in Deutschland?“ dpa

Der ehemalige SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück: „Wer diktiert die politischen Bedingungen für Rücktritte in Deutschland?“

BerlinVielen ist die Affäre um Christian Wulff noch in guter Erinnerung. Am 17. Februar 2012 war der CDU-Politiker als jüngstes Staatsoberhaupt nach 598 Tagen und damit der kürzesten Amtszeit aller bisherigen Bundespräsidenten zurückgetreten. Kaum ein anderer Politiker fiel so schnell so tief wie Wulff. Amt, Ruf und Ehre verlor er im Verlauf der Affäre, am Ende sogar Ehefrau Bettina. Das ist umso bitterer, als das Landgericht Hannover ihn dann letztlich vom Vorwurf der Vorteilsannahme in seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident freigesprochen hat.

Welcher Zorn vor allem auf Teile der Medien und der Justiz in ihm gärt, daraus macht der gestürzte ehemalige Bundespräsident keinen Hehl. Seine Abrechnung hat er niedergeschrieben in seinem Buch „Ganz oben Ganz unten“. Peer Steinbrück hat das Werk gelesen. In der Wochenzeitung „Die Zeit“ bezieht der ehemalige Kanzlerkandidat der SPD dazu ausführlich Stellung.

Auch Steinbrück liefert eine Abrechnung. Darauf deutet gleich die Überschrift seiner Buchrezension unmissverständlich hin: „Medien als Folterwerkzeug“ hat er seinen Text überschrieben. Wer Steinbrück kennt, weiß, dass er sowas nicht einfach so dahin schreibt, dass er damit nicht ein Versprechen abgibt, dass er am Ende dann doch nicht hält. Im Gegenteil: Steinbrück schlägt sich auf die Seite Wulffs. Ohne Wenn und Aber. Dahinter steht eine schonungslose Analyse des Falls Wulff.

Christian Wulff: Ein Steckbrief

Geburt

Christian Wulff ist am 9. Juni 1959 in Osnabrück als Christian Wilhelm Walter Wulff geboren.

Ausbildung

Sein Abitur bestand Wulff 1980 mit der Note 1,9. Danach studierte Wulff bis 1986 Jura in seiner Heimatstadt Osnabrück.

Beruf

1990 Niederlassung als Rechtsanwalt in Osnabrück .

Partei

1975 CDU-Eintritt, 1978-1980 Bundesvorsitzender Schüler-Union, 1994-2008 Landesvorsitzender in Niedersachsen, seit 1998 stellvertretender CDU-Bundesvorsitzender.

Abgeordneter

Von 1986 bis 2001 im Rat der Stadt Osnabrück, von 1994 bis 2010 im niedersächsischen Landtag

Wahlen

Niederlagen: 1994 und 1998 erfolglose Kandidatur gegen Gerhard Schröder (SPD) um das Amt des Ministerpräsidenten in Hannover.

Wahlsiege: 2003 Gewinn der Landtagswahl und Ministerpräsident Niedersachsens bis 2010, im gleichen Jahr wird Wulff im dritten Wahlgang zum Bundespräsidenten und somit zum Staatsoberhaupt gewählt.

Familie

Verheiratet: Von 1988 bis 2006 mit Rechtsanwältin Christiane; von 2008 bis 2013 mit Journalistin Bettina.

Kinder: aus erster Ehe Tochter Annalena (geb. 1993), gemeinsam mit Bettina Sohn Linus Florian (geb. 2008); Bettina Wulff hat aus früherer Beziehung Sohn Leander (geb. 2003).

Die Gründe für seine Parteinahme nennt Steinbrück gleich zu Beginn seines Beitrags. Es sind die vielen Facetten der „politischen und persönlichen Verfolgung und Zuschaustellung“ von Wulff, die ihn umtreiben. Es geht um eine Geschichte, die, wie Steinbrück es nennt, „fürwahr aufschreckt“. Es geht um „Anmaßungen von Medien und Justiz, journalistisches Jagfieber und Rudelverhalten, die Beschädigung einer öffentlichen Person im höchsten Staatsamt, Manipulation und Indiskretionen, sogar Rechtsbeugung, Denunziationen und Nötigung“.

Kommentare (7)

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12.06.2014, 13:02 Uhr

Der Einschätzung von Herrn Steinbrück schließe ich mich an. Schön, dass das Handelsblatt ihr den Raum gibt, der ihr gebührt. Der Fall Wulff hat gezeigt, dass auch die 4. Gewalt als Wolf im Schafspelz des Moralapostels daherkommen und der Versuchung der Macht -in diesem Fall des Wortes- erliegen und sich beschmutzen kann.

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12.06.2014, 13:05 Uhr

ja, und wenn es über die presse nicht geht den Otto Normalo zu einflussen dann reitet er een mit d Kavallerie nach Salzburgwedel...........

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12.06.2014, 13:12 Uhr

Wenn der Fall eines aufdeckte, dann ist es die Posse um die sogenannte "Unabhängigkeit der Justiz".

Was die Fälle Wulff und Steinbrück angeht, muss man festhalten, dass beide Fälle ebenfalls Possen von Anfang an sind.

Möglicherweise haben Sie Schwierigkeiten den Abgleich zu verstehen. Deshalb hier der Gedankengang.

Im Fall Wulff ging es um Korruption. Steinbrück hat mit seinen Vorträgen im Jahr mehr als 1Mio. € eingenommen. Gehen Sie davon aus, dass die Banken diese Honorare ohne Erwartung der Gegenleistung abgedrückt haben?

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