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10.08.2014

15:19 Uhr

Rückendeckung schwindet

Seehofer distanziert sich von Haderthauer

Langsam wird es eng für sie: Nun geht auch ihr Vertrauter und Förderer Horst Seehofer auf Abstand zur Chefin der Bayrischen Staatskanzlei Christine Haderthauer. Der Ministerpräsident fürchtet Schaden für das Kabinett.

Das kann noch schmerzhaft werden: Bayerns Staatskanzleiministerin Christine Haderthauer verliert den Rückhalt in der eigenen Partei. Jüngst nannte Horst Seehofer ihr Vorgehen „nicht klug“. dpa

Das kann noch schmerzhaft werden: Bayerns Staatskanzleiministerin Christine Haderthauer verliert den Rückhalt in der eigenen Partei. Jüngst nannte Horst Seehofer ihr Vorgehen „nicht klug“.

MünchenIn der Modellauto-Affäre um die bayerische Staatskanzleichefin Christine Haderthauer hat Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (beide CSU) seine Vertraute öffentlich gerügt. Dass Haderthauer öffentlich über die Vorwürfe gesprochen habe, sei „sicher nicht klug“ gewesen, sagte Seehofer im ZDF-Sommerinterview, das am Sonntagabend ausgestrahlt werden sollte. Haderthauer sollte „gegenüber der Staatsanwaltschaft versuchen, diese Vorwürfe zu entkräften, und sie nicht in der Öffentlichkeit diskutieren“.

Im Bayerischen Fernsehen mahnte Seehofer eine rasche Aufklärung an. Als bayerischem Regierungschef sei es ihm wichtig, dass möglichst bald Klarheit herrsche, denn auf Dauer beeinträchtigten die Vorwürfe gegen Haderthauer die Arbeit seines Kabinetts. Seehofer will demnach an Haderthauer festhalten, bekräftigte aber zugleich zwei Punkte, die zu einer anderen Einschätzung führen könnten: eine Erhärtung der Verdachtsmomente oder eklatante Widersprüche zu dem, was Haderthauer bisher mitgeteilt habe.

In dem Gespräch mit dem BR nannte es Seehofer unklug, dass Haderthauer in der vergangenen Woche als Motiv für die Geschäfte mit den Modellautos Idealismus angegeben hatte. Dadurch sei eine unnötige neue Diskussion entstanden, kritisierte der CSU-Chef. Zwei ehemalige Geschäftspartner Haderthauers hatten die Idealismus-Aussage mit den Worten bestritten, es sei immer nur ums Geld gegangen und dass es keine billigeren Arbeitskräfte als die Psychiatrie-Insassen gegeben habe.

Modellautos: Millionenmarkt im kleinen Maßstab

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Modellautos und den Begriff Skandal in einem Satz zu nennen, darauf wäre vor ein paar Wochen kaum jemand gekommen. Auch ohne Affäre Haderthauer sorgen rollende Miniaturen in Deutschland für dreistellige Millionenumsätze.

Haderthauer hat seit diesen Äußerungen keine neuen Angaben gemacht. Auf ihrem Facebook-Profil, auf dem sie zum Teil auch die Berichterstattung kommentiert hatte, verzichtete sie ebenfalls auf neue Kommentare und veröffentlichte stattdessen zuletzt lediglich ein Foto mit einer Bayernfahne vor einem See.

In der Affäre geht es um Modellautos, die von psychisch kranken Straftätern für geringes Entgelt für das Unternehmen von Haderthauers Mann, Sapor Modelltechnik, angefertigt und dann zum Teil für mehrere tausend Euro weiter verkauft wurden. Die Politikerin war früher Gesellschafterin der Firma. Ein ehemaliger Kompagnon fühlte sich nach seinem Ausstieg aus dem Unternehmen über die tatsächlichen Gewinne getäuscht und erstattete deshalb Strafanzeige.

Staatsanwaltschaft: Weitere Ermittlungen im Fall Haderthauer

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Weitere Ermittlungen im Fall Haderthauer

Die Staatsanwaltschaft München ermittelt weiter „mit Hochdruck“ im Fall gegen Bayerns Staatskanzleichefin Christine Haderthauer. Je länger das Verfahren dauert, desto wahrscheinlicher wird ihre Entlassung.

Laut einem Bericht des „Focus“ weitete dieser Ex-Kompagnon, Roger Ponton, am 24. Juni seine gegen das Ehepaar Haderthauer eingereichte Betrugsanzeige aus. Demnach gab Ponton an, die Modellbau-Firma habe über Jahre „aktiv“ Einkünfte von ihm dem Finanzamt gemeldet. Im Jahre 2007 waren es laut vorliegendem Steuerbescheid 41.748 Euro. Ponton erklärt dazu in seiner Anzeige, er habe diese „für ihn gemeldeten jährlichen Einkünfte aus Gewerbebetrieb nie erhalten“. Er habe vielmehr „zu keinem Zeitpunkt Zahlungen aus der Sapor Modelltechnik GbR“ bekommen. Seine Anzeige untermauert Ponton mit einer eidesstattlichen Versicherung.

Die Staatsanwaltschaft München II führt in der Sache ein Ermittlungsverfahren gegen die CSU-Politikerin. Das Ende des Verfahrens ist nicht absehbar.

Von

afp

Kommentare (2)

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Herr Delete User Delete User

11.08.2014, 20:24 Uhr

Horst Wendehals und die Politikerbraut Haderthauer!

Wann bricht die symbiotische Liaison dieses schillernden Politikerpärchens endlich auseinander?

Horst Wendehals zieht sich weiterhin mit kleinsten Trippelschrittchen zurück, obwohl längst ein Rauswurf fällig wäre. Haderthauer, die die CSU und die Bundesbürger jahrelang mit "ihren" eigenen Moralvorstellungen buchstäblich malträtiert hat, passt nun sämtliche Maßstäbe so an, dass sie das zweifelhafte familiäre Modellautoimperium nach ihren eigenen Moralvorstellungen dort unterbringen kann.

Und immer noch erhält sie Rückendeckung von Horst Wendehals.

Möglicherweise liegt es daran, dass es ohne die Politikerbraut Haderthauer um Horst Wendehals einsam wird. Er verliert seine Grande Dame in seinem bayrischen Gruselkabinett. Ohne Dame ist sein Schachspiel verloren. Aigner ist ja auch schon elegant "entsorgt". Vielleicht mit jener weiblichen Unterstützung, die heute für Schlagzeilen sorgt.

Auffällig auch, dass sich die Medien von ihr einschüchtern lassen und nicht schonungslos zum Angriff blasen und weitere Details ausgraben. Der bayrische Sumpf ist noch lange nicht trockengelegt.

Wie viele Modellautos stehen eigentlich bei Horst Wendehals in der Wohnzimmervitrine?

Herr reiner tiroch

12.08.2014, 18:05 Uhr

intressant wäre zu erfahren ob ein Normalbürger sich auch die Talente in den Gefängnissen buchen darf, oder gilt das nur für Politiker?

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