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16.07.2011

17:53 Uhr

Rückkauf von Staatsanleihen

Griechenland könnte Schulden um 20 Milliarden Euro senken

Nach einem Bericht des Finanzministeriums könnte Griechenland seine Schulden durch einen Rückkauf von Staatsanleihen senken. Ökonomen, Politiker und Industrievertreter fordern dagegen einen drastischen Schuldenschnitt.

Die Schuldenkrise in Griechenland wird zur Gefahr für den Euro. Quelle: dpa

Die Schuldenkrise in Griechenland wird zur Gefahr für den Euro.

Düsseldorf/Berlin/AthenMit einem Rückkauf von Staatsanleihen könnte Griechenland einem Medienbericht zufolge seine Staatsschulden um 20 Milliarden Euro senken. Zu diesem Ergebnis seien Beamte des Bundesfinanzministeriums gekommen, berichtete das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ am Samstag in einer Vorabmeldung. Dabei würde der Euro-Rettungsschirm EFSF Griechenland Geld geben, damit das Land seine Anleihen selbst zum Marktpreis von privaten Gläubigern zurückkaufen könne. Für Griechenland wäre dies ein gutes Geschäft. Anleihen des Euro-Landes kosten derzeit nur die Hälfte ihres Nennwertes. 

Wie der „Spiegel“ weiter berichtete, ist der Rückkauf eine von mehreren Varianten, die Finanzminister Wolfgang Schäuble zur Lösung der griechischen Schuldenkrise prüfen lässt. Andere Vorschläge seien unter anderen ein echter Schuldenschnitt, verbunden mit dem Tausch von Griechenland-Anleihen in längerfristige, mit Garantien besicherte Papiere. Im Gespräch sei weiter Schäubles Vorschlag einer „sanften Umschuldung“ von Anfang Juni. Er sieht vor, die Laufzeiten aller Griechenland-Anleihen um sieben Jahre zu verlängern. Beide Modelle gelten in Europa derzeit nach Angaben aus dem Finanzministerium allerdings als weniger konsensfähig als das Rückkaufprogramm, wie das Blatt berichtete. Derzeit diskutiere die Europäische Union mit der Finanzbranche die verschiedenen Möglichkeiten einer griechischen Umschuldung. So berieten Manager der Banken HSBC, BNP Paribas und der Deutschen Bank sowie Vertreter der Allianz mit Mitarbeitern der EU und des internationalen Bankenverbandes IIF beispielsweise, wie die Restrukturierung von griechischen Bonds genau aussehen könnte und welche Banken die Abwicklung des komplizierten Geschäftes übernehmen könnten. Bis Mitte August könnten detaillierte Vorschläge fertig sein, hieß es. Beim Finanzministerium war zunächst niemand für eine Stellungnahme erreichbar. 

In der kommenden Woche sollen sich am Donnerstag Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone treffen, um über die Hilfen für Griechenland zu diskutieren.

Vor dem Sondergipfel der Euro-Länder sind in Deutschland die Forderungen nach einem Schuldenschnitt für Griechenland lauter geworden. Vertreter von Regierung und Opposition, Wirtschaftsverbänden und Wissenschaft plädierten für einen Teilerlass der Schulden, um dem hochverschuldeten Land wieder auf die Beine zu helfen. Politiker der schwarz-gelben Koalition drängten auf eine Klärung vor Ende der Sommerpause. 

Der Wirtschaftsweise Wolfgang Franz erklärte einen Schuldenschnitt für «unausweichlich». Allerdings müsse dieser so gestaltet werden, «dass daraus für die Euro-Zone kein Desaster erwächst», sagte der Vorsitzende des Sachverständigenrats zur  Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung dem «Focus». Eine Möglichkeit wäre, dass der Euro-Rettungsschirm EFSF griechische Staatspapiere mit einem «gehörigen Abschlag» in von ihm ausgegebene Anleihen umtausche, sagte Franz. Ein solcher  Umtausch würde mit 170 Milliarden Euro bei dem Rettungsschirm zu Buche schlagen. 

Auch der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) verlangte einen umfassenden Schuldenerlass. In einem Brief an Industrie-Führungskräfte forderte BDI-Präsident Hans-Peter Keitel laut «Bild am Sonntag», die «Gesamtschuldenlast des Landes auf ein tragfähiges Niveau» zu senken. Dabei sei eine Beteiligung privater Gläubiger «unabdingbar». Keitel machte sich auch für Wiederaufbauhilfen an Griechenland stark.

Kommentare (100)

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Juma

16.07.2011, 08:34 Uhr

Liebe Redaktion, auch erwähnenswert wäre, dass die SPD für Eurobonds und damit für die Zementierung einer Transferunion eintritt.

Account gelöscht!

16.07.2011, 08:37 Uhr

Die SPD Fordert ?
Diskutiert wird darüber schon länger, jeder konnte das für und wieder in sich aufnehmen .
Nun macht die SPD daraus einen "reißer"
Die SPD ist ein schäbiger Verein !

Account gelöscht!

16.07.2011, 08:49 Uhr

samstag morgen, man schaltet den pc nichtsahnend ein um mal kurz das weltgeschehen abzuchecken, natürlich beim hb.
und als ergebnis wird einen gleich wieder schlecht. schnell lieber wieder ausschalten und shoppen gehen.

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