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20.01.2011

11:36 Uhr

Rückkehr in den Hafen

Meuterei-Vorwürfe stoppen Gorch-Fock-Reise

Das Segelschulschiff "Gorch Fock" kehrt nach bekanntgewordenen schweren Konflikten zwischen Offiziersanwärtern und Stammbesatzung in seinen letzten Hafen in Argentinien zurück. In Ushuaia solle es auf ein Ermittlungsteam der Marine warten, sagte Marine-Sprecher Alexander von Heimann am Donnerstag.

HB GLÜCKSBURG/USHUAIA. Er bestätigte damit Berichte des NDR. Der Dreimaster werde voraussichtlich am (heutigen) Donnerstagabend gegen 18.00 Uhr deutscher Zeit ankommen.

Nach dem Tode einer Kadettin im November hatten Besatzungsmitglieder von Führungsversagen leitender Offiziere und einem Vertrauensverlust zwischen Stammmannschaft und Offiziersanwärtern berichtet. In einem Brief des Wehrbeauftragten an den Verteidigungsausschuss des Bundestages ist von Drohungen und sexueller Belästigung seitens der Stammbesatzung die Rede. Außerdem heißt es, vier Auszubildenden sei Meuterei vorgeworfen worden.

"Das sind schwerwiegende Vorwürfe", sagte Fregattenkapitän Heimann. "Wir werden jetzt alles Menschenmögliche tun, um den Sachen nachzugehen und das aufzuklären." Das müsse zügig und mit der gebotenen Sorgfalt geschehen. Die Untersuchungskommission soll nun Gespräche mit allen Beteiligten führen. Wann sie an Bord gehen wird, war zunächst unklar. Die Marine hatte nach dem tödlichen Unfall die Ausbildung auf dem Traditionsschiff abgebrochen und die Offiziersanwärter nach Deutschland zurückgeflogen.

Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth forderte angesichts der jüngsten Vorfällen in der Bundeswehr Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) zum Eingreifen auf. "Die Aufklärung muss zur Chefsache gemacht werden", sagte sie am Donnerstag zum Abschluss der Klausur der Landtagsfraktion der bayerischen Grünen in Coburg. Speziell spielte sie auf Ermittlungen der Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit dem Tod eines Soldaten in Afghanistan, die nicht weitergeleitete oder geöffnete Post von Soldaten und die angebliche Meuterei auf dem deutschen Segelschulschiff "Gorch Fock" an.

Der Tod eines Hauptgefreiten in Afghanistan habe "ganz offensichtlich" noch andere Hintergründe als die bisher genannten, sagte Roth. Hier sei Transparenz und Aufklärung gefordert. Falls wirklich die Post von Soldaten geöffnet wurde, seien dies Straftaten, und es müssten Konsequenzen gezogen werden, sagte die Grünen-Politikerin weiter. Die Bundeswehr brauche "demokratische und vertrauenswürdige Verhältnisse", betonte Roth.

Der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Ulrich Kirsch, hat angesichts der Vorwürfe einer Meuterei auf der "Gorch Fock" vor voreiligen Schlüssen gewarnt. Man müsse prüfen, ob Sicherheitsbestimmungen verletzt worden seien, sagte Kirsch dem "Hamburger Abendblatt". "Manchmal stellt sich am Ende manches anders dar als am Anfang." Besatzungsmitglieder des Segelschulschiffs hatten von Führungsversagen leitender Offiziere sowie einem Vertrauensverlust zwischen Stammmannschaft und Offiziersanwärtern nach dem Tod einer Frau im vergangenen November berichtet.

Kommentare (1)

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nauticcus

26.02.2011, 15:32 Uhr

na, dann hoffen wir mal, dass bei den Untersuchungen auch wirklich etwas herauskommt, das trotz des üblichen Lügens, Trügens, Täuschens, Tricksens in vielen Stäben der Bundeswehr, welches der Wahrheit nahe kommt. Und nicht nur medienaufgebauschte wohlfeile vorgebliche Vorfälle.

Jeder verunglückte Tote ist einer zuviel, ob auf GF oder in Afghanistan.

Kritische Prüfung des Afghanistan Engagements und - hoffentlich - Beibehaltung der GF Ausbildung wünsche ich mir als Ergebnis.

Es wäre sehr bedauerlich, wenn die unsauber gearbeitete Promotionsarbeit des Herrn KT vuz G ihn in seiner Funktion als Verteidigungsminister soweit lähmt, dass hier letzt lich falsche Schlüsse gezogen und falsche Entscheidungen getroffen werden.

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