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02.01.2009

11:42 Uhr

Rückläufige Inflationsrate

Sinkende Inflation wertet Tarifabschlüsse auf

VonDietrich Creutzburg

Eine stark rückläufige Inflationsrate entlastet die Verbraucher – und wertet zugleich die lohnpolitische Jahresbilanz der Gewerkschaften auf. Die Ursache für den Rückgang ist indes wenig erfreulich.

Mit dem Einbruch der Weltkonjunktur sind auch die zuletzt stark gestiegenen Preise für Benzin, Öl und Nahrungsmittel zurückgegangen. Foto: ap Quelle: ap

Mit dem Einbruch der Weltkonjunktur sind auch die zuletzt stark gestiegenen Preise für Benzin, Öl und Nahrungsmittel zurückgegangen. Foto: ap

BERLIN. Noch im Sommer schien es, als würde der Preisanstieg selbst die zuletzt deutlich höheren Lohnabschlüsse rasch wieder aufzehren. Nun hat sich die Teuerung aber nach ersten Hochrechnungen des Statistischen Bundesamts für Dezember nochmals deutlich abgeschwächt auf nur noch 1,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Entsprechend mehr blieb von den Tariferhöhungen des Jahres 2008 real für die Arbeitnehmer übrig.

Die jahresdurchschnittliche Inflationsrate hat sich damit im abgelaufenen Jahr nun bei 2,6 Prozent eingepegelt. Die durchschnittliche Tariflohnsteigerung dürfte indes gut drei Prozent erreichen. Jedenfalls hat das gewerkschaftsnahe Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) die gesamtwirtschaftliche Tarifsteigerung für 2008 bereits im Sommer auf 3,3 Prozent hochgerechnet. Darin berücksichtigt sind sowohl die damals schon neu abgeschlossenen Tarifverträge wie auch Regelungen aus länger laufenden Altverträgen. Die Zahl liegt damit erfahrungsgemäß dicht am tatsächlichen Ergebnis.

Schon damals urteilte das WSI verhalten positiv, „angesichts einer laufenden Preissteigerungsrate von rund drei Prozent“ werde mit dem Tarifplus von 3,3 Prozent „gesamtwirtschaftlich immerhin eine kleine tarifliche Reallohnsteigerung erreicht“. Bei einer tatsächlichen Inflation von 2,6 Prozent ist die reale Steigerung nun noch ein Stück höher.

Die Ursache ist indes kaum erfreulich: Mit dem Einbruch der Weltkonjunktur haben sich die zuvor massiv gestiegenen Preise von Benzin, Öl und Nahrungsmitteln stark ermäßigt. Im Jahresdurchschnitt war die Teuerungsrate 2008 damit zwar trotzdem noch immer die höchste seit 14 Jahren. Sie fiel aber letztlich nur 0,3 Prozentpunkte höher aus als 2007, obwohl die Inflation im Juni und Juli noch bei 3,3 Prozent lag.

Den vorliegenden Daten zufolge dürfte es den Gewerkschaften 2008 sogar erstmals seit fünf Jahren wieder gelungen sein, selbst den nach ihren eigenen Maßstäben ermittelten neutralen Verteilungsspielraum für die Lohnpolitik auszuschöpfen: Dieser Spielraum setzt sich aus Inflationsrate und gesamtwirtschaftlichem Produktivitätszuwachs je Arbeitsstunde zusammen. Gehen die Tarifzuwächse darüber hinaus, lässt sich dies als Umverteilung von Kapital- hin zu Arbeitseinkommen interpretieren.

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