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20.10.2013

18:19 Uhr

Rücktritt vom Rücktritt

Wowereit will mehr Einfluss beim Berliner Flughafen

Eigentlich war Berlins Regierender Bürgermeister als Aufsichtsratschef des BER-Flughafens zurückgetreten. Nun will er offenbar wieder die Führung des Kontrollgremiums übernehmen. Dabei steigen die Baukosten noch weiter.

Will die Fäden wieder fester in der Hand halten beim wichtigsten Bauprojekt der Hauptstadt: Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). dpa

Will die Fäden wieder fester in der Hand halten beim wichtigsten Bauprojekt der Hauptstadt: Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD).

BerlinErst Anfang des Jahres hatte er nach mehreren Verschiebungen des Eröffnungstermins vom Großflughafen BER zu Jahresbeginn den Aufsichtsratsvorsitz abgegeben. Nun will Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) nach einem „Spiegel“-Bericht doch wieder den Spitzenplatz im Aufsichtsrat der Berliner Flughafengesellschaft dauerhaft erobern.

Derzeit nimmt er den Posten bis zur Neuwahl kommissarisch wahr. Er war für den früheren Brandenburger Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD) eingesprungen, der das Amt ursprünglich von Wowereit übernommen hatte, es aber dann nach seinem Rückzug von seinem Amt vorübergehend an Wowereit zurückgegeben hatte.

Laut „Spiegel“ könnte der Aufschub der eigentlich für den kommenden Mittwoch erwarteten Wahl eines neuen Vorsitzenden Wowereit in die Hände spielen. Nun solle die Wahl im Dezember erfolgen. Wenn die SPD dann vermutlich Koalitionspartner der CDU in der neuen Bundesregierung sei, könne sie möglicherweise auch Einfluss auf die Flughafenaufsichtsratsvertreter des Bundes ausüben, hieß es. Der Berliner Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) wäre aber auch an dem Posten interessiert, zitiert der „Spiegel“ Senatskreise.

Fragen und Antworten zum Hauptstadtflughafen

Warum ist es so schwer, den Flughafen in Betrieb zu nehmen?

Die größten Probleme sind ungelöst: Noch haben die Ingenieure die Brandschutzanlage im Hauptgebäude des Terminals nicht im Griff. Der größte Entrauchungsabschnitt soll nun geteilt werden - in der Hoffnung, das Ungetüm dann beherrschen zu können. Außerdem strömt die Frischluft im Brandfall noch nicht so nach, wie sie sollte, und verwirbelt mit dem Rauch. Hier wird umkonzipiert. Umbauen können die Techniker aber erst, wenn ein anderes Problem gelöst ist: die hoffnungslos überbelegten Kabeltrassen zu entwirren.
Eigentlich wollte Mehdorn schon in diesen Wochen einen Inbetriebnahme-Zeitplan für den gesamten Flughafen nennen, nun hofft er, den in zwei bis drei Monaten liefern zu können. „Das muss ein Termin sein, den wir risikofrei erreichen können“, sagt Mehdorn nach der Blamage um vier geplatzte Starttermine.

Was hat Mehdorn jetzt vor?

Im Nordflügel des Terminals gibt es einen Großteil der Probleme nicht. In dem für Billigflieger gedachten Trakt will Mehdorn im März oder April die ersten Passagiere einchecken lassen. Es wäre ein Start auf Regionalflughafen-Niveau, mit höchstens fünf Starts und fünf Landungen pro Tag - gerade mal ein Prozent der Kapazität des Flughafens.
Mehdorns Kalkül: Der Großteil der Abläufe am Flughafen kann so getestet werden, bevor alle Airlines von Tegel und Schönefeld-Alt zum Neubau umziehen. Für die Gesamteröffnung wird seit längerem das Jahr 2015 genannt. Aber niemand legt sich fest.

Platzeck geht – übernimmt jetzt Wowereit?

Ja. Brandenburgs Regierungschef Matthias Platzeck (SPD) hört nach einem leichten Schlaganfall auf und gibt auch den Flughafen-Aufsichtsratsvorsitz ab. Als gewählter Stellvertreter war der Berliner Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit erst einmal eingesprungen. Nun übernimmt er wieder die Spitze im Aufsichtsrat – es gab schließlich keine Konkurrenz.

Seit einem Jahr ist Technikchef Amann auf der Baustelle. Was hat er bewegt?

Der Hoffnungsträger vom Frankfurter Flughafen hat sich in Schönefeld eine Mammutaufgabe gestellt: Eine Bestandsaufnahme aller Mängel, um dann planvoll neu durchzustarten. Von der gebrochenen Fliese bis zur defekten Brandschutzklappe kamen Zehntausende Mängel zusammen - für Projekte dieser Größenordnung keine ungewöhnliche Dimension. Mit dieser Akribie bringt Horst Amann aber den ungeduldigen Mehdorn auf die Palme, der dem Ingenieur im Frühjahr vor die Nase gesetzt wurde. Mehdorn nennt die Amann-Zeit „Schockstarre“ und startete sein Beschleunigungsprogramm „Sprint“. Beide Manager sind heillos zerstritten. Am Freitag brachten sie konkurrierende Konzepte für die Teileröffnung in den Aufsichtsrat.

Wie viel wird der Flughafen am Ende kosten?

Das weiß heute niemand. Bislang gilt die fast ein Jahr alte Zahl von 4,3 Milliarden Euro, doch sie ist nicht zu halten. Denn damals dachten die Verantwortlichen noch, dass in diesem Oktober die ersten Passagiere einchecken. Jeder weitere Monat Verzögerung kostet 34 Millionen Euro. Hinzu kommen Mehrkosten für den Schallschutz. Die 5-Milliarden-Marke ist also in Sichtweite.

Bereits als klar wurde, dass Wowereit den Posten als Aufsichtsratschef vorübergehend übernehmen würde, hatte es parteiübergreifende Kritik gehagelt. Viele zweifeln an der Eignung Wowereits für den Posten.

Inzwischen zeichnete sich zudem ab, dass der Großflughafen noch teurer wird als erwartet und dabei sogar die Fünf-Milliarden-Euro-Marke knacken könnte. Dies sagte BER-Aufsichtsratsmitglied Rainer Bretschneider in einem Interview mit dem ZDF.

Der Schallschutz wie auch das größere Terminal kosteten mehr. Zudem fielen jeden Monat Ausgaben an, ohne dass der Flughafen in Betrieb sei. Das werde bis zur Eröffnung weitergehen, für die es laut Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn noch keinen neuen Termin gibt.

Kommentare (1)

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Mazi

21.10.2013, 09:58 Uhr

Gegen den ist der Limburger Bischof ein Waisenknabe!

Bei aller berechtigten Kritik an der Kirche muss man feststellen, dass sie intern besser organisiert ist. Der Papst wird sich den jungen Bischof aus Limburg zur Brust nehmen und der Wowereit läuft immer noch ungeschoren darum.

In der Kirche muss nicht alles höchst professionell laufen - das erwartet man nicht -, aber es läuft zeitnah.

In Deutschland gibt es Spezialisten, die sich ausschließlich mit der Steuerverschwendung beschäftigen, die aber von denen, die solche Missstände an der Wurzel verhindern sollen, nur belächelt werden.

Verkehrte Welt!

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