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08.01.2012

13:47 Uhr

Rücktrittsforderungen

Ein Bundespräsident in Not

Die Spitzen von Schwarz-Gelb decken dem Bundespräsidenten noch den Rücken, andere Koalitionäre äußern Kritik. Auch in der Bevölkerung formiert sich der Protest: Der Lehrerverband beschwert sich über Wulff.

Bundespräsident Christian Wulff lehnt einen Rücktritt ab. dapd

Bundespräsident Christian Wulff lehnt einen Rücktritt ab.

BerlinIn der schwarz-gelben Koalition wächst die Kritik an Bundespräsident Christian Wulff (CDU). Der FDP-Vizevorsitzende Holger Zastrow forderte in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ „(„FAS“) vom Staatsoberhaupt mehr Aufklärung in der Affäre um dessen Umgang mit einem Privatkredit und mit den darüber berichtenden Medien: „Die Vorwürfe müssen ausgeräumt werden, und das ist noch nicht gänzlich geschehen.“ Es sei irritierend, wie Wulff sich scheibchenweise der Wahrheit nähere, „wie er sich entschuldigt und noch mal entschuldigt“, sagte der sächsische FDP-Vorsitzende, der 2010 für Wulffs Gegenkandidaten Joachim Gauck gestimmt hatte.

Für die Union sagte CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe zwar dem „Spiegel“, Wulff verdiene trotz „Ungeschicklichkeiten und Fehler“ eine Chance, Vertrauen wieder aufzubauen. Und CSU-Chef Horst Seehofer erklärte: „Wir stellen uns hinter Menschen in Schwierigkeiten, es sei denn, die Schwierigkeiten sind so groß, dass man das nicht mehr verantworten kann. Das ist bei Christian Wulff nicht der Fall.“ Zugleich sagte aber der CDU-Bundestagsabgeordnete Marco Wanderwitz dem Magazin: „Mit der scheibchenweisen Aufklärung des Sachverhalts hat sich Christian Wulff keinen Gefallen getan.“

„Wulff den Schuh zeigen”

Video: „Wulff den Schuh zeigen”

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Der CSU-Abgeordnete Georg Nüßlein rügte: „Das Krisenmanagement ist nicht professionell und seine Kommunikation oft auch nicht.“ Wulff selbst soll sich Berichten zufolge zuversichtlich gezeigt haben, dass er die Krise bald überstanden haben werde. „In einem Jahr ist das alles vergessen“, soll er laut „Bild am Sonntag“ am Freitag bei einem Neujahrsempfang für seine Mitarbeiter gesagt haben. Der Präsident habe versichert, er wolle bis 2015 einen guten Job machen und sei zuversichtlich, „dass dieses Stahlgewitter bald vorbei ist“.

Die Opposition forderte unverhohlen den Rücktritt des Bundespräsidenten. SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber sagte im „Spiegel“: „Wulff hat das Amt des Bundespräsidenten so beschädigt, dass er darin nicht verbleiben kann.“ SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann sagte der „FAS“, Wulff habe seine Glaubwürdigkeit verloren. „Ich frage mich, wie er in Zukunft sein Amt, das an dieser Glaubwürdigkeit hängt, noch ausüben will.“

Auch in der deutschen Bevölkerung regt sich Protest. Nach einer ersten Demonstration am Samstag in Berlin, bei der wütende Bürger dem Bundespräsidenten ihre Schuhsohlen präsentierten, hat der Deutsche Lehrerverband vor den Folgen der Debatte um Bundespräsident Christian Wulff auf das Interesse von Schülern für politische Themen gewarnt.

„Die mittlerweile vier Wochen quälender öffentlicher Debatte um den Bundespräsidenten, dessen Porträtbild übrigens in vielen Schulen hängt, sind alles andere als geeignet, Schüler und Lehrer für engagiertes politisches Diskutieren zu gewinnen“, sagte Verbandspräsident Josef Kraus Handelsblatt Online. „Allerdings sollten die Schulen die aktuellen Vorgänge um den Bundespräsidenten als eine Chance für ausgewogene politische Bildungsarbeit sehen“, fügte Kraus hinzu.

Dabei müsse in der gebotenen Differenzierung durchaus auch diskutiert werden, welche Rolle die Medien als sogenannte vierte Gewalt spielen „und was es bedeutet, wenn der Träger des obersten Amtes im Staate nicht ohne eigenes Zutun am kurzen Zügel der Medien hängt“. Diese Aufklärungsarbeit sei auch deshalb nötig, weil die allgemeine Politik- und Politikerverdrossenheit „tagtäglich auch in den Schulen zu spüren“ sei, betonte Kraus. „Schüler wollen immer weniger zu tun haben „mit denen da droben, die ohnehin nur machen, was sie wollen““. Folge sei, dass die jungen Leute immer weniger über Zeitgeschichte und reale Politik wüssten.

Kommentare (133)

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Radek

08.01.2012, 10:07 Uhr

Au Backe, Wulff in "Stahlgewittern", dann sind ja auch die "Marmorklippen" bald erreicht.

Lutherschule

08.01.2012, 10:21 Uhr

Man muß sich nicht hinter Menschen in Schwierigkeiten stellen, wenn diese selbst verschuldet worden sind, zumal darin auch die Untauglichkeit für das Amt bestätigt wird!
Herr Gröhe mit seinen Durchhalteparolen für eine unwürdige Merkel Schachfigur, die den Steuerzahlern Unsummen kostet, verdient mit seiner Haltung auch das Zeigen der Schuhe, denn die sozialisierte CDU ist auch sein Werk!

Fortunio

08.01.2012, 10:25 Uhr

Ihr alle kennt die wilde Schwermut, die uns bei der Erinnerung an Zeiten des Glücks ergreift.Wie unwideruflich sind sie doch dahin, und unbarherziger sind wir von ihnen getrennt als durch alle Entfernungen. Auch treten im Nachglanz die Bilder lockender hervor;wir denken an sie wie an den Körper einer toten Geliebten zurück, der tief in der Erde ruht, und der uns nun gleich einer Wüstenspiegelung in einer höheren und geistigeren Pracht erschauern läßt. Und immer wieder tasten wir in unseren durstigen Träumen dem Vergangenen in jeder Einzelheit, in jeder Falte nach. Dann will es uns scheinen, als hätten wir das Maß des Leben nicht bis zum Rand gefüllt gehabt, doch keine Reue bringt das Versäumte zurück. Oh, möchte dieses Gefühl uns doch für jeden Augenblick des Glücks eine Lehre sein.
Und süßer noch wird die Erinnerung an unsere Mond-und Sonnenjahre, wenn jäher Schrecken sie beendet. Dann erst begreifen wir, wie sehr es schon ein Glücksfall für uns Menschen ist, wenn wir in unseren kleinen Gemeinschaften dahinleben, unter friedlichem Dach, bei guten Gesprächen und mit liebevollem Gruß am Morgen und zur Nacht. Ach, stets zuspät erkennen wir, daß damit schon das Füllhorn reich für uns geöffnet war

E.Jünger

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