Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.07.2011

09:05 Uhr

Rücktrittsforderungen

Schummelverdächtiger CDU-Minister verliert Rückhalt

Noch ist nichts bewiesen, die Uni prüft noch. Doch Parteifreunde brechen schon den Stab über den unter Plagiatsverdacht stehenden niedersächsischen Kultusminister Bernd Althusmann (CDU).

Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann (CDU). Quelle: dpa

Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann (CDU).

HannoverNiedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) soll nach Ansicht führender CDU-Kreise noch vor Klärung der Plagiatsvorwürfe gegen ihn zurücktreten. „Meiner Meinung nach wäre es richtig, die Flucht nach vorn anzutreten“, sagte ein nicht genantes Mitglied der Parteispitze der Onlineausgabe der „Mitteldeutschen Zeitung“. Nach der Einleitung eines formellen Plagiatsverfahrens sei davon auszugehen, dass ihm der Doktortitel aberkannt werde. Mit einem solchen Makel könne man nicht Kultusminister bleiben.

Die Bundes-CDU rechnet nach Informationen der Zeitung schon seit längerem mit einem Rücktritt. Der Minister könne sein Amt nicht mehr mit der nötigen Autorität ausüben, heißt es im Konrad-Adenauer-Haus. Als Nachfolgerin Althusmanns ist nach Angaben aus Parteikreisen in Hannover die Leiterin der Staatskanzlei, Christine Hawighorst (CDU), im Gespräch. Sie war im Kultusministerium schon einmal Staatssekretärin.

Die Universität Potsdam hatte am Mittwoch ein formelles Prüfverfahren gegen den CDU-Politiker eingeleitet, nachdem Althusmann die Vorwürfe gegen ihn in einer schriftlichen Stellungnahme nicht hatte ausräumen können.

Nach Mitteilung der Universität Potsdam führte eine vorläufige Untersuchung der Dissertation zu keinem klaren Ergebnis. Die „Vorprüfung“ komme zu dem Schluss, „dass die Verdachtsmomente nicht hinreichend ausgeräumt werden konnten“. Sie ließen sich allerdings auch nicht bestätigen.

Ein anonymer Autor hatte Althusmann in der Wochenzeitung „Die Zeit“ vorgeworfen, in seiner Doktorarbeit auf 88 von 114 Seiten Zitate aus anderen Werken nicht korrekt ausgewiesen und damit gegen die Regeln wissenschaftlichen Arbeitens verstoßen zu haben. Althusmann, der derzeit auch Vorsitzender der Kultusministerkonferenz (KMK) der Länder und des Bundes ist, wies die Vorwürfe zurück und nannte sie „inszeniert“. Er räumte lediglich ein, seine Dissertation könnte „mögliche handwerkliche Fehler“ enthalten. Dabei gehe es aber nur um die genaue Zitierweise.

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

28.07.2011, 09:17 Uhr

Sehr geehrte Frau Ulla Burchardt,

in Deutschland gilt die Unschuldsvermutung, d.h. unschuldig, bis die Schuld bewiesen ist. Deswegen muss er auch jetzt noch von keinen Posten oder Ämtern zurücktreten!

Account gelöscht!

28.07.2011, 10:05 Uhr

Herr Althusmann äußerte gestern in einem Interview (SWR1), er habe beim Erstellen der Dissertation schließlich schon gearbeitet, deshalb habe er schnell fertig werden wollen und es sei ihm kein großer Wurf gelungen.
Frage: Warum hat er sie nicht einfach ad acta gelegt?
Frage: Warum werden hingeschmierte Arbeiten nicht zurückgewiesen?
Frage: Welche Art Mensch bringt man die Chuzpe auf, sich selbst über die Regeln zu stellen?

zarakthuul

28.07.2011, 10:58 Uhr

1. Gebe ich @huensche Recht. Vorverurteilungen sind nicht angebracht.

2. Was soll der ganze "Dissertations"-Zikus denn überhaupt?

Niemand wird durch das Erstellen eine Dissertation ein besserer Arzt, Anwalt, Politiker oder was auch immer. Dieses Relikt aus der Zeit der Emanzipation des Bürgertums gehört auf den Müllhaufen der Geschichte!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×