Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.01.2007

10:23 Uhr

Rücktrittsforderungen

Stoiber kämpft ums politische Überleben

In Wildbald Kreuth trifft sich am Montag der Führungszirkel der CSU. An eine harmonische Zusammenkunft ist aber nicht zu denken. Denn Parteichef und Ministerpräsident Edmund Stoiber steht unter Beschuss. Die Forderung, er solle seinen Stuhl räumen, wird lauter. Doch Stoiber denkt nicht daran und holt angeblich zum Befreiungsschlag aus.

Für Edmund Stoiber geht's ums politische Überleben. Foto: dpa dpa

Für Edmund Stoiber geht's ums politische Überleben. Foto: dpa

HB MÜNCHEN. Gabriele Pauli lächelte in die Kameras, dann ging sie auf Stoiber zu und schüttelte ihm die Hand: „Viel Kraft für alles, was da kommt“ wünschte die Widersacherin ihm am Freitagabend beim Neujahrsempfang in der Münchner Residenz. Und viel Kraft wird Stoiber auch brauchen, denn für ihn kommt es knüppeldick.

„Ich weiß, dass ich im Feuer stehe“, sagte der Ministerpräsident in seiner Rede auf den Neujahrsempfang vor 1 500 Gästen. „Wer in der Küche arbeitet, muss auch Hitze vertragen. Aber ich will schon etwas tun, das es wieder abkühlt“, sagte er kämpferisch. Ein Abgeordneter zitierte ihn mit den Worten: „Wer gegen mich ist, soll gegen mich kandidieren.“

Das ließe einen längeren Machtkampf in der CSU erwarten. Denn die Stimmung hat sich inzwischen gegen Stoiber gedreht. Was Fraktionsmitglieder beim Neujahrsempfang noch hinter vorgehaltener Hand sagten, sprach Fraktionschef Joachim Herrmann nur Stunden später am Samstag im Bayerischen Rundfunk erstmals offen aus: „Es ist unüberhörbar, dass sich die Stimmen mehren, dass man vielleicht doch in einer anderen Formation in die Landtagswahl 2008 gehen will.“ Darüber müsse man auf der am Montag beginnenden CSU-Fraktionsklausur in Wildbad Kreuth offen diskutieren. Hermann sprach sich jedoch gegen einen schnellen Wechsel aus: „Ich glaube nicht, dass eine Hau-Ruck-Aktion sinnvoll wäre.“ Aber die Stimmung draußen müsse wahrgenommen werden.

Doch laut der „Bild am Sonntag“ will Edmund Stoiber gerade mit Hermann und dem bayerischen Landtagspräsidenten Alois Glück einen „gemeinsamen Fahrplan“ zur Lösung der Führungskrise erarbeiten. Über den Plan soll die Landtagsfraktion dann in Wildbad Kreuth befinden. Anschließend will Stoiber laut der Zeitung in Regionalkonferenzen die Basis für sich gewinnen. Am Ende soll ein Parteitag stehen, der ihn zum Spitzenkandidat für die Wahl 2008 macht. Den Parteitag, der nach Informationen der Zeitung möglicherweise von November in die Zeit vor der Sommerpause vorgezogen wird, haben auch Stoibers Gegner im Blick. Nach ihren Vorstellungen soll dort allerdings Stoibers Nachfolger als Parteichef gewählt werden. Wenn möglich, soll das „im Einvernehmen“ und „menschlich anständig“ geschehen, wie es der Zeitung zufolge in der CSU heißt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×