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22.01.2014

14:52 Uhr

Rüstungs-Bundesamt

Vier Alternativen zum „Euro Hawk“

Vor acht Monaten scheiterte das Drohnen-Projekt „Euro Hawk“. Bei der Suche nach einem Ersatz für den unbemannten Aufklärungsflieger gibt es jetzt Fortschritte. Das Rüstungs-Bundesamt hat vier Vorschläge erarbeitet.

Ein Prototyp der Aufklärungsdrohne „Euro Hawk“ der Bundeswehr. Das Rüstungs-Bundesamt hat vier Vorschläge erarbeitet, wie die inzwischen ausgemusterte Skandal-Drohne ersetzt werden kann. dpa

Ein Prototyp der Aufklärungsdrohne „Euro Hawk“ der Bundeswehr. Das Rüstungs-Bundesamt hat vier Vorschläge erarbeitet, wie die inzwischen ausgemusterte Skandal-Drohne ersetzt werden kann.

BerlinDas Rüstungs-Bundesamt hat vier Vorschläge erarbeitet, wie die ausgemusterte Skandal-Drohne „Euro Hawk“ ersetzt werden kann. Die Alternativen werden derzeit im Verteidigungsministerium geprüft und sollen bis Ende Januar dem Generalinspekteur Volker Wieker vorgelegt werden. Das geht aus der Antwort des Ministeriums auf eine kleine Anfrage der Linksfraktion hervor, die der Nachrichtenagentur dpa vorliegt. Die Entwicklung des „Euro Hawk“ war im Mai vergangenen Jahres wegen fehlender Zulassung für den deutschen Luftraum und einer drohenden Kostenexplosion abgebrochen worden.

Ziel der Alternativvorschläge des Bundesamts für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr ist es, das 288 Millionen Euro teure Aufklärungssystem Isis weiterzuverwenden. Dafür sollen dem Generalinspekteur ein Passagierflugzeug für Mittelstrecken, ein deutlich kleineres Geschäftsflugzeug und eine Drohne für mittlere Flughöhen vorgeschlagen werden. Daneben ist auch ein Flugzeug mit einem anderen Aufklärungssystem als Isis unter den Vorschlägen.

Bei dem Mittelstreckenflugzeug handelt es sich laut Ministerium um den Airbus A319. Zur Drohne und zum Geschäftsflugzeug werden in der Antwort auf die kleine Anfrage keine Angaben gemacht. Zu den verfügbaren Drohnen für mittlere Flughöhe zählen beispielsweise die israelische „Heron“ und die US-amerikanische „Predator“.

Was den Euro Hawk vom Global Hawk unterscheidet

Wodurch unterscheiden sich Global Hawk und Euro Hawk?

Global Hawk und Euro Hawk sind für Außenstehende kaum zu unterscheiden, ihr Design ist beinahe identisch: Beide haben eine Flügelspannweite von gut 40 Metern, sind über 14 Meter lang und fast fünf Meter hoch. Ähnlichkeiten zum namengebenden Falken (englisch: „Hawk“) bestehen nicht. Euro Hawk und Global Hawk unterscheiden sich vor allem durch die Modellgeneration und die jeweils eingebaute Überwachungstechnik. Beide gehören aber zur gleichen Modellfamilie.

Wer ist der Hersteller?

Mit einem Jahresumsatz von 25 Milliarden Dollar gehört das im US-Bundesstaat Virginia ansässige Unternehmen Northrop Grumman zu den Schwergewichten der Rüstungsbranche. Die unbemannten Aufklärungsdrohnen sind ein Renommierprodukt der Firma, weil hier das Know-how des Unternehmens im Bereich Flugzeugbau und Überwachungstechnik zusammenkommt.

Was kennzeichnet beide Drohnen?

Beide Modelle wurden von ihrem Hersteller mit dem Beinamen HALE UAV versehen. Hierbei handelt es sich um Abkürzungen, die für ein Unbemanntes Fluggerät („Unmanned Aerial Vehicle“) mit großer Höhe und langer Ausdauer („High Altitude Long Endurance“) stehen. Mehr als 30.000 Kilometer können die ferngesteuerten Drohnen am Stück fliegen, und das in einer Höhe von über 18 Kilometern.

Was ist der Euro Hawk?

Beim Euro Hawk handelt es sich um ein deutsch-amerikanisches Projekt, das auf der zweiten Generation des RQ-4 Global Hawk basiert, wie sie die US-Luftwaffe seit Jahren einsetzt. Der Euro Hawk sollte vom europäischen Luftfahrtkonzern EADS auf die Bedürfnisse der Bundeswehr angepasst werden. Bis zum Stopp des Projekts flossen über 560 Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt. Die Bundeswehr zeigte sich von der Sicherheit des Euro Hawk stets überzeugt. Fällt die Fernsteuerung aus, fliegt die Drohne automatisch zu ihrem Startplatz zurück. Die Luftsicherheitsbehörden bemängelten aber neben mangelhaftem Einblick in das technische Innenleben, dass beim Euro Hawk der für eine Zulassung für den europäischen Luftraum nötige Kollisionsschutz fehlt.

Was ist der Global Hawk?

Global Hawk ist eigentlich der Oberbegriff für die Drohnen-Familie von Northrop Grumman. In der deutschen Debatte meint der Name aber die neueste Generation des Global Hawk, die Deutschland gemeinsam mit 13 weiteren NATO-Staaten anschaffen will. Im Rahmen des NATO-Programms AGS („Alliance Ground Surveillance“) zur Bodenüberwachung wollen die NATO-Länder eigene Aufklärungskapazitäten aufbauen. Wesentlicher Baustein des AGS-Programms ist der Erwerb von fünf Global Hawks der noch gar nicht fertig entwickelten vierten Generation. Diese nächste Modellgeneration zeichnet sich nach Angaben von Northrop Grumman vor allem durch eine neue Radartechnik zur Bodenüberwachung aus.

Was mit dem ausgemusterten „Euro Hawk“-Protypen passieren soll, ist weiter offen. „Der Auftragnehmer hat Konservierungsmaßnahmen durchgeführt, mit denen der Erhalt des technischen Zustandes bis Mitte Juni 2014 sichergestellt ist“, heißt es in der Antwort des Ministeriums. Ohne das Aufklärungssystem Isis hat die Drohne den Steuerzahler 312 Millionen Euro gekostet.

Der Linken-Abgeordnete Andrej Hunko lehnte die Weiternutzung von Isis ab. „Das Signalerfassungssystem Isis ist ein fliegender Datenstaubsauger“, sagte er. Bei Aufklärungsflügen könnten auch Daten über Abgeordnete, Journalisten, Anwälte oder Menschenrechtsgruppen erfasst werden. „Die Bundeswehr hat es schlicht ignoriert, wie vorgeschrieben ein Datenschutzkonzept zu erstellen.“

Von

dpa

Kommentare (1)

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ExOffizierDR

22.01.2014, 17:08 Uhr

Es gibt weit bessere Vorschläge als die, welche das Bundes- Rüstungsamt hier vorgeschlagen hat:

...Reduzierung der gesamten Armee auf 20.000 Söldner (die fangen im Krisenfall nicht an zu diskutieren, sondern machen ihren Job entsprechend ihrem Auftrag)

...mit den eingesparten Budgetmitteln wird eine in der BRD entwickelte Drohne für die halben Kosten von Euro-Hawk in der BRD produziert und eingesetzt. Die lässt sich dann auch gewinnbringend an andere Staaten verkaufen.

...neben den nunmehr 20.000 Söldnern wird der ganze BW- Apparat gesundgeschrumpft entsprechend der aktuellen politischen Lage in der EU. Das kostet dann weniger als die Hälfte der aktuellen überdimensionierten BW- Organisation.

Und zur BW- Strategie von Frau VDL: statt diesen aufgeblähten Sauhaufen Familien- gerecht mit zusätzlichen Steuergeldern zu verwöhnen muss nun endlich gesundgeschrumpft werden.

Auslandseinsätze müssen noch restriktiver gehandhabt werden, denn die BRD hat allen Grund, Verhandlungslösungen zu priorisieren statt mit Waffengewalt Scheinlösungen zu produzieren.

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