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24.05.2014

03:11 Uhr

Rüstungsstaatssekretärin

McKinsey-Beraterin gilt als Favoritin für offenen Posten

Von der Leyen kündigte eine Neuordnung im Rüstungsbereich an. Im Februar versetzte sie Staatssekretär Stéphane Beemelmans in den einstweiligen Ruhestand. Nun soll eine externe Unternehmensberaterin die Stelle übernehmen.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) soll eine Unternehmensberaterin für den offenen Posten des für Rüstungsfragen zuständigen Staatssekretärs im Visier haben. dpa

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) soll eine Unternehmensberaterin für den offenen Posten des für Rüstungsfragen zuständigen Staatssekretärs im Visier haben.

BerlinEine Unternehmensberaterin gilt nach Medienberichten als Favoritin für den offenen Posten des für Rüstungsfragen zuständigen Staatssekretärs im Verteidigungsministerium. Es handelt sich nach Berichten von „Süddeutscher Zeitung“ (Samstag) und „Bild am Sonntag“ um die Beraterin Katrin Suder von McKinsey. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte als Konsequenz aus massiven Problemen bei großen Rüstungsprojekten im Februar Staatssekretär Stéphane Beemelmans in den einstweiligen Ruhestand versetzt.

Das Verteidigungsministerium teilte am Abend mit, man beteilige sich nicht an Personalspekulationen. „Die Entscheidung dazu soll im Sommer getroffen werden“, sagte ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur.

Von der Leyen hatte zu Amtsbeginn eine grundlegende Neuordnung des Rüstungssektors angekündigt. Beemelmans und der ebenfalls entlassene Abteilungsleiter Detlef Selhausen waren Schlüsselfiguren in der Affäre um die Skandaldrohne „Euro Hawk“ im vergangenen Jahr. Von der Leyens Amtsvorgänger Thomas de Maizière (CDU) warf 2013 seinen Mitarbeitern vor, ihn unzureichend über Zulassungsprobleme und eine drohende Kostenexplosion bei dem Prestigeprojekt informiert zu haben.

Von der Leyen kündigte im Februar zudem an, eine Unternehmensberatung mit der Überprüfung des Rüstungssektors zu beauftragen. Verteidigungspolitiker aus Koalition und Opposition sehen bei laufenden Rüstungsprojekten der Bundeswehr Risiken in Milliardenhöhe. Als Problemfälle waren in den vergangenen Monaten der Kampfjet „Eurofighter“, das Raketenabwehrsystem Meads, der Hubschrauber NH90 und das Aufklärungssystem „Isis“ aus der Skandal-Drohne „Euro Hawk“ genannt worden.

Was den Euro Hawk vom Global Hawk unterscheidet

Wodurch unterscheiden sich Global Hawk und Euro Hawk?

Global Hawk und Euro Hawk sind für Außenstehende kaum zu unterscheiden, ihr Design ist beinahe identisch: Beide haben eine Flügelspannweite von gut 40 Metern, sind über 14 Meter lang und fast fünf Meter hoch. Ähnlichkeiten zum namengebenden Falken (englisch: „Hawk“) bestehen nicht. Euro Hawk und Global Hawk unterscheiden sich vor allem durch die Modellgeneration und die jeweils eingebaute Überwachungstechnik. Beide gehören aber zur gleichen Modellfamilie.

Wer ist der Hersteller?

Mit einem Jahresumsatz von 25 Milliarden Dollar gehört das im US-Bundesstaat Virginia ansässige Unternehmen Northrop Grumman zu den Schwergewichten der Rüstungsbranche. Die unbemannten Aufklärungsdrohnen sind ein Renommierprodukt der Firma, weil hier das Know-how des Unternehmens im Bereich Flugzeugbau und Überwachungstechnik zusammenkommt.

Was kennzeichnet beide Drohnen?

Beide Modelle wurden von ihrem Hersteller mit dem Beinamen HALE UAV versehen. Hierbei handelt es sich um Abkürzungen, die für ein Unbemanntes Fluggerät („Unmanned Aerial Vehicle“) mit großer Höhe und langer Ausdauer („High Altitude Long Endurance“) stehen. Mehr als 30.000 Kilometer können die ferngesteuerten Drohnen am Stück fliegen, und das in einer Höhe von über 18 Kilometern.

Was ist der Euro Hawk?

Beim Euro Hawk handelt es sich um ein deutsch-amerikanisches Projekt, das auf der zweiten Generation des RQ-4 Global Hawk basiert, wie sie die US-Luftwaffe seit Jahren einsetzt. Der Euro Hawk sollte vom europäischen Luftfahrtkonzern EADS auf die Bedürfnisse der Bundeswehr angepasst werden. Bis zum Stopp des Projekts flossen über 560 Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt. Die Bundeswehr zeigte sich von der Sicherheit des Euro Hawk stets überzeugt. Fällt die Fernsteuerung aus, fliegt die Drohne automatisch zu ihrem Startplatz zurück. Die Luftsicherheitsbehörden bemängelten aber neben mangelhaftem Einblick in das technische Innenleben, dass beim Euro Hawk der für eine Zulassung für den europäischen Luftraum nötige Kollisionsschutz fehlt.

Was ist der Global Hawk?

Global Hawk ist eigentlich der Oberbegriff für die Drohnen-Familie von Northrop Grumman. In der deutschen Debatte meint der Name aber die neueste Generation des Global Hawk, die Deutschland gemeinsam mit 13 weiteren NATO-Staaten anschaffen will. Im Rahmen des NATO-Programms AGS („Alliance Ground Surveillance“) zur Bodenüberwachung wollen die NATO-Länder eigene Aufklärungskapazitäten aufbauen. Wesentlicher Baustein des AGS-Programms ist der Erwerb von fünf Global Hawks der noch gar nicht fertig entwickelten vierten Generation. Diese nächste Modellgeneration zeichnet sich nach Angaben von Northrop Grumman vor allem durch eine neue Radartechnik zur Bodenüberwachung aus.

Die studierte Physikerin Suder leitet bei McKinsey den Bereich Öffentlicher Sektor, unter anderem mit den Schwerpunkten Telekommunikation, Software und IT-Dienstleistungen. Von der Leyen habe bereits als Arbeitsministerin mit Suder zusammengearbeitet, berichtet „Bild am Sonntag“. Unter anderem habe McKinsey eine Studie zum Fachkräftemangel für die Ministerin erarbeitet.

Im Ministerium gibt es nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" aber auch Bedenken gegen die Personalie, da Suder keine Erfahrung im Rüstungsbereich hat.

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