Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.01.2005

07:37 Uhr

Rüttgers: Aufhören mit der Selbstbeschäftigung

CDU-Wahlkämpfer rufen Glos zur Ordnung

CSU-Landesgruppenchef Michael Glos hat mit Kritik am Führungsstil von CDU-Chefin Angela Merkel in der Schwesterpartei für heftigen Unmut gesorgt. „Die Bürger erwarten von CDU und CSU weder Personaldebatten noch Diskussionen über internen Führungsanspruch, sondern Lösungen für die dringenden Probleme dieses Landes“, sagte der designierte CDU-Generalsekretär Volker Kauder gestern in Berlin.

Michael Glos hat sich wieder ein paar Feinde mehr bei der CDU gemacht. Foto: dpa

Michael Glos hat sich wieder ein paar Feinde mehr bei der CDU gemacht. Foto: dpa

rks/ms/HB BERLIN/KREUTH. Glos hatte in einem Interview im Deutschlandfunk die Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen als Stimmungstest für eine Kanzlerkandidatur Angela Merkels gewertet. Ihren Führungsanspruch müsse sie nicht nur „auf Parteitagen“ geltend machen, „sondern man muss das immer wieder auch in Wahlkämpfen beweisen“. Sollten die Wahlen für die Union verloren gehen, erwarte er eine erneute Diskussion über Merkels Kanzlerkandidatur 2006, so Glos.

Die Äußerungen von Glos kamen pünktlich zum Auftakt der traditionellen Winterklausur der CSU in Wildbad Kreuth – eine Veranstaltung, die seit jeher dazu dient, die Eigenständigkeit und Führungsrolle der bayerischen Christsozialen in der Union mit markigen Worten zu unterstreichen. Die Christdemokraten und Merkel trifft die Kritik an schmerzhafter Stelle: Nach dem Gezerre um die Gesundheitspolitik und den Affären um Generalsekretär Laurenz Meyer und den Chef des Arbeitnehmerflügels Hermann-Josef Arentz – beide aus NRW, beide inzwischen zurückgetreten – hat die Union in Umfragen rund zehn Prozent verloren. Merkels Zögern im Fall Meyer hatte in den Reihen der Union Zweifel an ihrer Führungskraft geschürt.

Vor allem bei den wahlkämpfenden CDU-Landesverbänden im Norden und Westen ist man erbost über Glos’ Nadelstiche: „Ich rufe alle in der Union auf, sich auf das zu konzentrieren, was die Menschen von uns erwarten: für den Wechsel in Kiel, in Düsseldorf und dann auch im Bund zu kämpfen“, sagte Peter-Harry Carstensen, Chef der schleswig-holsteinischen CDU, dem Handelsblatt. „Personaldebatten bringen uns nicht weiter.“

Der Vorsitzende der NRW-CDU, Jürgen Rüttgers, rief die bayerische Schwesterpartei mit Nachdruck zur Ordnung: „Glos soll sich mal keine Sorgen machen: Wir gewinnen die Wahl. Aber wir wünschen uns, dass die Selbstbeschäftigung aufhört und Rot-Grün wieder stärker angegriffen wird.“

Glos’ Attacke habe für mehrere heftige Telefonate zwischen der verärgerten CDU-Zentrale in Berlin und Kreuth geführt, hieß es in Berlin. CSU-Chef Edmund Stoiber bemühte sich gestern, Glos’ Äußerungen zu relativieren: „Personalfragen stehen zurzeit nicht auf der Tagesordnung, sondern erst im nächsten Jahr“, sagte Stoiber dem Handelsblatt. „2005 wird von großer Geschlossenheit bei CDU und CSU gekennzeichnet sein. Es geht jetzt darum, das ökonomische Scheitern Schröders auf allen Feldern deutlich zu machen und damit die Notwendigkeit eines Wechsels aufzuzeigen.“

Auch in der CSU-Landesgruppe sah man sich zu Klarstellungen genötigt: „Es gibt weder in der CSU noch in der Union eine Diskussion über die Frage der Kanzlerkandidatur in der Union“, sagte der Geschäftsführer der Landesgruppe Peter Ramsauer. „Frau Merkel ist in ihrer Partei und in der CDU/CSU- Fraktion unbestritten die Nummer eins.“ Eine angebliche Diskussion über die Kanzlerkandidatur gehe schon deshalb völlig an der politischen Realität in der Union vorbei.

Glos selbst meldete am Mittwoch zum Auftakt der CSU-Klausur den Anspruch seiner Partei auf eine führende Rolle in der Union an. Die CSU sei nicht nur die Speerspitze der beiden Schwesterparteien, sondern auch ein bisschen der Motor. Von der Klausur in Kreuth solle deshalb ein Zeichen der Zuversicht für die gesamte Union ausgehen.

Seine Kritik an Merkel milderte Glos ab. Ihre Teamfähigkeit sei „steigerungsfähig“, das gelte für seine aber auch. Das letzte Jahr sei für die Union so mäßig gelaufen, dass das dieses Jahr verbessert werden müsse. Der langwierige Streit über die Gesundheitsprämie und anderes „hat einen Nebel über unseren Machtwillen gelegt“.

Quelle: Handelsblatt

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×