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12.05.2014

16:13 Uhr

Ruf nach europaweiten Obergrenzen

CDU-Sozialflügel nimmt „Gehaltsexzesse“ ins Visier

VonDietmar Neuerer

ExklusivDer US-Hedgefonds-Manager Tepper hat im vergangenen Jahr pro Tag sieben Millionen Euro verdient. Solche „Gehaltsexzesse“ will der CDU-Sozialflügel gesetzlich unterbinden. Die SPD signalisierte schon Unterstützung.

Die Auswüchse bei Managergehältern gehen dem CDU-Sozialflügel zu weit. Eine europaweite Begrenzung soll Gehaltsexzesse verhindern. dpa

Die Auswüchse bei Managergehältern gehen dem CDU-Sozialflügel zu weit. Eine europaweite Begrenzung soll Gehaltsexzesse verhindern.

BerlinDer CDU-Sozialflügel hat sich für eine europaweite, gesetzliche Begrenzung von Managergehältern ausgesprochen. Zur Begründung nannte der Bundesvize der Christlich-Demokratischen-Arbeitnehmerschaft (CDA), Christian Bäumler, die „Auswüchse“ insbesondere bei Hedgefonds-Managern. „Gehaltsexzesse gefährden nicht nur den Zusammenhalt der Gesellschaft, sondern schaffen auch volkswirtschaftliche Risiken“, sagte Bäumler Handelsblatt Online. Hedgefonds-Manager könnten Milliarden-Gehälter nur dann erzielen, wenn sie mit relativ wenig Eigenkapital große Risiken eingingen. „Wir brauchen deshalb sowohl gesetzliche Lohnuntergrenzen wie auch Gehaltsobergrenzen“, forderte Bäumler.

Der CDA-Bundesvize plädiert für eine europaweite Regelung nach der Wahl zum Europäischen Parlament am 25. Mai. „Managergehälter dürfen die Durchschnittsverdienste, der von ihnen geleiteten Unternehmen nicht um mehr als das fünfzigfache übertreffen“, sagte er. „Außerdem muss es gerade bei Hedgefonds-Managern eine absolute Obergrenze geben“, betonte Bäumler.

Der SPD-Bundesvize Ralf Stegner unterstützt den Vorstoß. „Es freut mich, dass nun auch in Teilen der Union ein Bewusstsein für die Einkommensschere in unserer Gesellschaft entstanden ist. Die SPD tritt schon lange für die Begrenzung von Managergehältern einerseits und eine Verbesserung des Lohnniveaus andererseits ein“, sagte Stegner Handelsblatt Online. „Wenn die Position des Arbeitsnehmerflügels sich auch in der Parteispitze der CDU durchsetzt, steht einer Umsetzung dieser Position in der Großen Koalition nichts im Wege.“

Hintergrund ist ein Bericht des US-Branchenmagazin „Institutional Investor's Alpha“ von vergangener Woche. Danach haben die 25 erfolgreichsten Hedgefonds-Manager im vergangenen Jahr wieder kräftig verdient. Laut dem Magazin bekamen sie alle zusammen rund 21,2 Milliarden Dollar (15,2 Milliarden Euro), das waren rund 50 Prozent mehr als in den beiden Vorjahren. 2012 hatten die Spitzenmanager demnach insgesamt nur 14,1 Milliarden Dollar eingestrichen - ihr niedrigster Verdienst seit der Finanzkrise 2008.

Die Titanen der Hedge-Fonds

Alfred Winslow Jones

Das New York Magazin kürte Winslow 1968 zum „Big Daddy“ der Branche. 1949 hatte er den „abgesicherten Fonds“ erfunden und große Gewinne eingefahren. Er veränderte wie viele Hedge-Fonds-Titanen die Finanzbranche. Kapital wurde nicht mehr nur von Treuhändern verwaltet, sondern aktiv verwaltet.

Michael Steinhardt

Die erste Ära der Hedge-Fonds wurde von der Baisse Anfang der 70er-Jahre jäh beendet. Mchael Steinhardt war einer der Ersten, die danach wieder aufstanden und wurde zur Legende. Dank einer harten Kindheit in Brooklyn unter der Knute eines spielsüchtigen Vaters entwickelte er sich zum „heißesten Analysten der Wall Street“. 1994 verlor er Steinhardt aber sehr viel Geld bei einem „Blutbad“, das auf das Wirken vom damaligen Fed-Chef Alan Greenspan zurückging.

Jerold Fine und Howard Berkowitz

An Steinhardts Seite standen Jerold Fine und Howard Berkowitz. Das Trio gründete 1967 ihren Hedge-Fongs – vorher waren sie Broker gewesen. Die Drei stellten einen Poolbillard-Tisch in ihr Büro und verkündeten die „Überlegenheit der Jugend“. Ihr Erfolg demonstrierte eindrucksvoll die Möglichkeit der antizyklischen Vorgehensweise.

F. Helmut Weymar

Weymars Karriere begann mit seiner Doktorarbeit, in der er eine Methode entwickelte, Kakaopreise zu antizipieren. Er galt als äußerst ehrgeizig, aber auch ein wenig größenwahnsinnig. Doch der Mangel an Selbstzweifel hat ihm viel Geld eingebracht. Er gründete rasch seine eigene Firma – gemeinsam mit Frank Vannersen. Außerdem inspirierte Weymar den Nobelpreisträger Paul Samuelson.

Michael Marcus

Marcus hatte eine denkbar schlechte Eignung für einen Hedge-Fonds-Manager: Er hatte keine Ahnung von Computern und noch weniger von Mathematik. Aber als er in Weymars Firma kam, hatte er großen Erfolg. Marcus zeigte eine furchtsame Selbstkontrolle. Und setzte Weymars ursprüngliches Konzept außer Kraft. Er perfektionierte die Kunst des Tradings nach Chartsignalen.

George Soros

Der berühmteste, aber auch berüchtigste Hedge-Fonds-Manager aller Zeiten: Als der junge Ungar 1949 an der London School of Economics ankam, hatte er schon viel durchgemacht.: Der Jude entkam den Nazis nur mit Mühe und hatte die Grauen des Krieges intensiv mitbekommen. In London verschmolz er sein eigenes Wissen mit Karl Poppers Ideen. Erst 1973, nach vielen Jahren, wurde der Wirtschaftswissenschaftler zum Hedge-Fonds-Manager. 1978 wurde der Soros Fund in Quantum Funds umbenannt, der Rest ist Geschichte. Berühmt wurde Soros im Jahr 1992 mit seiner Spekulation gegen das britische Pfund.

Louis Bacon

Bacon war ein besonders stiller Vertreter der Hedge-Fonds-Branche, die ohnehin nicht mit Exzentrikern überfrachtet ist. Journalisten beschrieben ihn stets als „skurrile Figur hinter einer Wand aus Monitoren“. Am Ende seiner Karriere kaufte er sich eine Insel und hatte dann das geschafft, was vorher eigentlich auch schon galt: Er war maximal isoliert.

Julian Hart Robinson

Robinson war ein spezieller Typ: Er hatte den Charme eines Südstaatlers, aber auch das Netzwerk eines New-Yorkers. Voller Selbstvertrauen, extrovertiert und athletisch. Inspiriert von Steinhardt und Soros gründete er 1980 im fortgeschrittenen Alter von 48 Jahren den Hedge-Fonds „Tiger“. Bis zum Höhepunkt 1998 verdiente „Tiger“ nach Abzug der Gebühren 31,7 Prozent jährlich.

Paul Tudor Jones II

Die späten 80er-Jahre markierten einen Wendepunkt für die Hedge-Fonds. Die Branche war beinahe ausgelöscht, es gab nur noch wenige Fonds mit unbedeutenden Mengen an Kapital. Doch dann entstanden neue Titanen, einer von ihnen war Paul Tudor James II., Sohn eines Baumwollhändlers. Er hatte gelernt, Trading als psychologisches Spiel und als Bluff in hoher Geschwindigkeit zu begreifen.

Stan Druckenmiller

Im Herbst 1988 konnte Druckenmiller den Angeboten von George Soros nicht mehr wiederstehen und heuerte bei ihm an. Die beiden waren sehr unterschiedliche Persönlichkeiten, passten als Investoren aber perfekt zusammen. Neben einem guten Gespür für Aktien brachte der gelernte Analyst ein starkes Verständnis für Währungen und Zinsen mit.

John Meriwether

Meriwether ist neben George Soros der bekannte Gründer eines Hedge-Fonds – nämlich des Long-Term Capital Management (LTCM). Er war in jungen Jahren einer der ersten Manager an der Wall Street, der das Potenzial neuartiger Finanzprodukte erkannte. Sein Rüstzeug lernte er als Star bei der Bank Solomon Brothers. 1994 gründete Meriwether dann seinen Fonds. Das spezielle Vorgehen – LTCM wette vor allem auf die Entwicklung der Renditeunterschiede zwischen verschiedenen Anleihen – war zunächst äußerst lukrativ. Im Jahr 1998 kam jedoch die Wende, da sich LTCM in der Russland-Krise massiv verspekulierte. LTCM kollabierte und erschütterte die Kapitalmärkte. Der Fonds musste schließlich aufgefangen werden, um eine Finanzkrise zu verhindern. Meriwether wurde danach Selbstüberschätzung vorgeworfen.

David Swensen

Swensen war der Pionier des Ansatzes, Hedge-Fonds mit Stiftungen zu kombinieren. Der asketische Mann aus dem Mittleren Westen war besessen von seinem Sinn für Moral – und hatte eine große Leidenschaft für das Finanzwesen. Als Swensen die Yale-Stiftung übernahm, war diese zu über 80 Prozent in US-Aktien und –Anleihen investiert. Swensen war von der Gestaltung der Hedge-Fonds beeindruckt, wollte den Managern aber nicht dabei helfen, noch reicher zu werden. Er fand in Tom Steyer den richtigen Mann, um im Sinne der Stiftung viel Geld zu verdienen.

James Simons

Es mag an seinem Allerweltsnamen liegen: Simons war Mitte der 2000er-Jahre sicher nicht der berühmteste Milliardär der Welt, aber wohl der klügste von ihnen. Sein Hedge-Fonds Renaissance Technologies ist der wahrscheinlich erfolgreichste aller Zeiten. Der Vorzeigefonds Medaillon verdiente zwischen 1989 und 2006 eine jährliche Rendite von 39 Prozent.

James Chanos

Chanos leitete den Hedge-Fonds Kynikos Associates, dessen Spezialität es war, nach finanziellen Leichen im Keller von Unternehmen zu suchen und auf Leerverkäufe zu setzen. Der schwache Markt der 2000er-Jahre war für Chanos ein Paradies. Und natürlich boten auch die Jahre 2007 und folgende für ihn so manche Chance.

Angeführt wird die „Reichenliste“ des Magazins vom Gründer des Hedgefonds Appaloosa Management, David Tepper, der im vergangenen Jahr 3,5 Milliarden Dollar verdiente. Steven Cohen von SAC Capital Advisors arbeitete sich demnach mit 2,4 Milliarden Dollar vom dritten auf den zweiten Platz hoch. Mehr als zwei Milliarden Dollar verdienten auch John Paulson von Paulson & Co. (2,3 Milliarden Dollar) und James Simons von Renaissance Technologies (2,2 Milliarden Dollar).

2014 wird SAC-Capital-Chef Cohen allerdings nicht mehr auf der Liste stehen: Im November akzeptierte sein Investmentfonds in den USA eine Milliardenstrafe wegen Insiderhandels. Neben einer Strafzahlung von 1,8 Milliarden Dollar sagte SAC Capital zu, sich aus dem Investmentgeschäft mit Kundengeldern zurückzuziehen. Für ein Strafverfahren gegen Fonds-Chef Cohen reichten die Beweise nicht aus.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

12.05.2014, 13:19 Uhr

CDU-Sozialflügel nimmt „Gehaltsexzesse“ ins Visier
Was soll so eine Überschrift?
Ist dies nur Sand in die Augen der Menschen gestreut?
Hat dies etwas mit den EU-Wahlen zu tun?
Oder wollte der Wirtschaftsflügel der CDU nur wider Schlagzeilen Produziren, die nach allem sich in Schall und Rauch auflösen.
Den Sinn dieser Aktion, kann ich noch nicht deuten.

Account gelöscht!

12.05.2014, 16:42 Uhr

Exzesse? Was ist mit den hemmungslosen Einkommenserhöhungen durch die Politiker? Wann erhalten Rentner auch die Erhöhungen, die sich die Politiker "widerrechtlich" nehmen und nur dem Bürger vorsätzlich Schaden wollen? Nur ein Beispiel: Infrastruktur!!

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