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30.05.2016

23:16 Uhr

Rundmail an AfD-Mitglieder

AfD-Vize Gauland schlägt zurück

VonDietmar Neuerer

Nach seinen umstrittenen Aussagen über Fußballnationalspieler Boateng hat sich AfD-Vize Gauland an die Parteimitglieder gewandt. In einer E-Mail nimmt er detailliert zu dem Vorgang Stellung und greift die FAZ frontal an.

AfD-Vize Gauland: Schaden für die eigene Partei möglichst klein halten. Reuters

Alexander Gauland.

AfD-Vize Gauland: Schaden für die eigene Partei möglichst klein halten.

BerlinDer stellvertretende AfD-Vorsitzende Alexander Gauland hat nach seiner Äußerung über angebliche Vorurteile gegen den Fußballer Jérôme Boateng schwere Vorwürfe gegen die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) erhoben. In einer an alle 23.400 Parteimitglieder am Montagabend versandten E-Mail, die dem Handelsblatt vorliegt, wirft er zwei FAZ-Redakteuren vor, sich nicht an die Abmachungen gehalten und ihm auch keine Zitate zur Autorisierung vorgelegt zu haben.

Zudem habe ein dritter Redakteur der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (FAS) die Überschrift: „Gauland beleidigt Boateng“ gewählt, „die durch keinen Satz im Text gedeckt ist“. Die FAS hatte Gauland mit Bezug auf Boateng mit den Worten zitiert: „Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben.“ Die Meldung hatte parteiübergreifende Empörung ausgelöst. Selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schaltete sich ein.

AfD-Programm: Das fordert die Partei

Mindestlohn

Die AfD ist für den gesetzlichen Mindestlohn. Damit liegt sie auf einer Linie mit SPD, Grünen, der Linkspartei und Teilen der Union.

Erbschaftssteuer

Geht es nach der AfD soll die Erbschaftssteuer abgeschafft werden. Dafür setzt sich aktuell auch die FDP ein.

Bundespräsident

Die AfD möchte, dass der Bundespräsident künftig direkt vom Volk gewählt wird. Dieser Vorschlag kam 2009 auch vom damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler. Zustimmung erhielt er dafür nur aus der FDP.

Volksentscheid

Die AfD will mehr direkte Demokratie durch Volksentscheide. Auch die SPD, die Linke und die Grünen wollen, dass die Hürden für Volksentscheide abgesenkt werden. Ihre Vorschläge gehen aber nicht so weit wie die Ideen der AfD.

Familie

Die traditionelle Familie gilt der AfD als Keimzelle der Gesellschaft. Das Loblied auf die traditionelle Vater-Mutter-Kind-Familie taucht in dieser Form auch im Parteiprogramm der CSU auf. 

Freihandelsabkommen

Die AfD lehnt die Freihandelskommen TTIP und CETA ab. Auch die Linke und die Grünen sind dagegen.

Gauland versichert in seiner E-Mail an die „lieben Parteifreunde“, an keiner Stelle ein Werturteil über Boateng abgegeben zu haben, „den ich bis dato gar nicht kannte“. Erst durch die Überschrift hätten „die ansonsten richtigen Aussagen den Dreh ins Fremdenfeindliche, Rassistische bekommen“.

Der beteiligte FAZ-Redakteur Eckart Lohse wies Gaulands Kritik zurück. Der AfD-Vize habe bei dem Gespräch nicht den Eindruck gemacht, dass er nicht wisse, wer Boateng ist, sagte Lohse im Deutschlandfunk. Beim Thema Fremdsein sei Gauland gefragt worden, „wie es denn mit Herrn Boateng zum Beispiel sei“. „Und dann hat er die Antwort gegeben, die er gegeben hat, und die wir veröffentlicht haben.“

Von dem anderthalbstündigen Gespräch mit Gauland gebe es keinen Audiomitschnitt, sagte Lohse. Er und sein Kollege Markus Wehner hätten aber „unabhängig voneinander mitgeschrieben“. Wenn Gauland darum gebeten hätte, hätten beide nicht mehr mitgeschrieben.

Das laut Gauland „als vertraulich klassifiziertes Hintergrundgespräch“ mit zwei FAZ-Redakteuren hat seinen Angaben zufolge vergangene Woche stattgefunden. Im Mittelpunkt des Gesprächs hätten Auseinandersetzungen im Bundesvorstand sowie der „ungebremste Zustrom raum- und kulturfremder Menschen nach Deutschland“ gestanden und wie sich dieser Zustrom auf das „Heimatgefühl“ vieler Menschen auswirke.

„Ich kann heute nicht mehr sagen, wer zuerst den Namen Boateng in den Mund genommen hat – ich bilde mir ein, es war einer der beiden FAZ-Redakteure, da mir der Name wie auch der Fußballsport weitgehend fremd sind“, schreibt Gauland in seiner E-Mail. „Dabei mag das Zitat von der Nachbarschaft gefallen sein.“ Er habe dem aber „keine Bedeutung beigemessen, da das Gespräch nicht zur Veröffentlichung bestimmt war“.

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