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07.03.2012

18:19 Uhr

Russland-Wahl

Gerhard Schröder löst mit Kritik Empörung aus

Der Altbundeskanzler steht mit seinem Lob für Wladimir Putin und seiner Kritik an den Wahlbeobachtern offenbar weitgehend allein da. CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe nannte ihn gar „Putins bestbezahlten Minnesänger“.

Der ehemalige deutsche Kanzler Gerhard Schröder bei einer Rede. Reuters

Der ehemalige deutsche Kanzler Gerhard Schröder bei einer Rede.

BerlinAltbundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat mit seiner Kritik an den internationalen Wahlbeobachtern in Russland parteiübergreifend Empörung ausgelöst. In einem am Mittwoch gesendeten Interview mit dem Deutschlandfunk sagte Schröder, er sei sich bei manchen der Wahlbeobachter „nicht so ganz sicher, ob da nicht Vorurteile größer sind als Urteile“. Er halte an seiner Einschätzung fest, dass der designierte russische Präsident Wladimir Putin ein „lupenreiner Demokrat“ sei. „Ich habe daran nichts abzustreichen“, sagte Schröder.

Die Bundesregierung distanzierte sich von Schröders Äußerungen. Sie habe „überhaupt keine Anhaltspunkte, dass die Befunde der internationalen Wahlbeobachter durch Vorurteile gelenkt worden seien“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Deren Kritikpunkte müssten im Gegenteil „ernst genommen werden“. Die internationalen Wahlbeobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) und andere Gruppen hatten erhebliche Unregelmäßigkeiten bei der Wahl am Sonntag kritisiert.

Mit seiner positiven Einschätzung Putins stand der Altkanzler in Berlin weitgehend allein da. „Gerhard Schröder ist Putins bestbezahlter Minnesänger“, sagte CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe zu „Spiegel Online“. „Für Gazprom-Gerd gilt offensichtlich die alte Regel: Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.“ Schröder ist Vorsitzender im Aufsichtsgremium der Ostsee-Pipeline Nord-Stream zwischen Russland und Deutschland. Mehrheitseigner ist der russische Gasriese Gazprom.

Auch in der SPD stießen Schröders Äußerungen auf Widerspruch. „Wenn die OSZE-Wahlbeobachter in Russland Fälschungen und Manipulation festgestellt haben, ist es nahezu eine Frechheit, ihnen Vorurteile zu unterstellen“, sagte der Juso-Vorsitzende Sascha Vogt der „Welt“.

Grünen-Chefin Claudia Roth erklärte: „Ich bin mir nicht ganz sicher, ob bei der Einschätzung von manchen Putin-Spezeln aus Deutschland nicht die Wertschätzung für die eigenen Interessen größer ist als das Eintreten für die Interessen der Menschen in Russland.“ Schröder hatte in dem Interview namentlich die Grünen-Politikerin und Wahlbeobachterin Marieluise Beck kritisiert.

Von

afp

Kommentare (27)

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matze

07.03.2012, 18:44 Uhr

na klar, das non plus ultra ist ja das politische system der usa und in europa ist ja auch alles klasse, wie wir das beim system bunga-bunga gesehen haben. ein großteil der politiker in deutschland sind ja "so viel in der welt rumgekommen". achja, und es kommt ja in deutschland "nie vor", dass beschlossene gesetze vom verfassunggericht gemahnt werden. oder etwa doch?

HarryRPanschin

07.03.2012, 18:45 Uhr

Freundschaft macht blind für die Wahrheit

spacewalker

07.03.2012, 18:46 Uhr

Wenn Steinmeier, Gabriel, Nahles und Oppermann fertig sind mit "Wulff-Entrüstung" und davon nicht allzusehr geschwächt sind, dann kann, bzw. muß von den Genannten eine deutliche Stellungnahme zu Schröders Äußerungen erfolgen. Ich bin einmal gespannt, wer von den vier genannten Moralisten den Mumm hat, das Kreuz durchzudrücken? Ich fürchte es wird auf wolkige, unverbindliche Schwafelei hinauslaufen.

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