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22.02.2012

20:00 Uhr

Sachliche Rede zum Aschermittwoch

Merkel lässt sich nicht provozieren

Es wäre die Gelegenheit gewesen, dem Koalitionspartner FDP für dessen Rolle bei der Kür des Präsidentschaftskandidaten eins auszuwischen. Doch die Kanzlerin wählte am politischen Aschermittwoch eine andere Variante.

„Zeit für deutliche Worte“ lautete das Motto des politischen Aschermittwochs der CDU. Kanzlerin Merkel hielt sich jedoch zurück. dpa

„Zeit für deutliche Worte“ lautete das Motto des politischen Aschermittwochs der CDU. Kanzlerin Merkel hielt sich jedoch zurück.

DemminBundeskanzlerin Angela Merkel hat den politischen Aschermittwoch für eine sachliche Rede mit ernsten Inhalten genutzt. Sie rechnete nicht mit der FDP ab, die sie mit der Unterstützung von Joachim Gauck als Bundespräsidentschaftskandidat brüskiert hatte.

In ihrer gut halbstündigen Rede bei einer Veranstaltung der CDU Mecklenburg-Vorpommern in Demmin ging die Parteichefin weder auf die Krise der Koalition ein, die der Rücktritt von Christian Wulff als Bundespräsident ausgelöst hatte, noch auf die Vorwürfe gegen ihn wegen des Verdachts der Vorteilsannahme. Sie reagierte auch nicht auf den Auftritt des christdemokratischen EU-Parlamentariers Werner Kuhn, der Wulff vor 1000 Gästen als Geizkragen verhöhnte.

Im Wissen um Merkels Ablehnung von Gauck hatte die FDP am Sonntag überraschend für den Favoriten von SPD und Grünen als Wulff-Nachfolger votiert. Merkel lenkte schließlich ein. Statt markiger Sprüche wählte Merkel in Demmin eine betont sachliche Sprache.

Sie bekannte sich etwa klar zum Kampf gegen Rechtsextremismus: „Wir haben mit denen, die Rechtsextremisten sind, nichts gemein, da gibt es keine Toleranz.“ Merkel rief: „Null Toleranz gegen jede Art von Extremismus!“ Dies gelte insbesondere für Rechtsextreme. An diesem Donnerstag spricht die Kanzlerin auch auf der zentralen Gedenkveranstaltung in Berlin für die Opfer der Neonazi-Mordserie in Deutschland.

Der politische Aschermittwoch

Abrechnung

Am Aschermittwoch fliegen die Fetzen - zumindest verbal: Mittlerweile wird die ursprünglich niederbayerische Tradition der Parteien, mit dem politischen Gegner abzurechnen, in vielen Bundesländern gepflegt. Aschermittwochs-Kundgebungen gibt es auch längst nicht mehr nur von politischer Seite - Umwelt- oder Wirtschaftsverbände laden ebenfalls dazu ein.

Ursprung

Im niederbayerischen Vilshofen (Kreis Passau) liegen die Wurzeln des Politischen Aschermittwochs: Im 19. Jahrhundert wurde dort am Aschermittwoch ein Viehmarkt veranstaltet, ab dem Jahr 1919 folgten Kundgebungen des Bauernbundes zu Agrarthemen. Später vereinnahmten die Nazis die Kundgebungen für sich. Nach dem Zweiten Weltkrieg war es zunächst die Bayernpartei, die sich an die Tradition erinnerte.

Verbreitung

Inzwischen spricht Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Aschermittwoch regelmäßig bei der CDU Mecklenburg-Vorpommern in Demmin. Und sogar die Piratenpartei folgt der guten alten Tradition - sie lädt zum „piratigen Aschermittwoch“.

Kundgebungen

In Bayern ist der Hauptschauplatz des derben Schlagabtauschs die Passauer Dreiländerhalle, wo die CSU traditionell ihre Kundgebung abhält. Die SPD, sonst Stammgast im „Wolferstetter Keller“ in Vilshofen, hat dort diesmal ein großes Bierzelt aufstellen lassen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt diesmal im Saarland, wo der Wahlkampf vor der Landtagswahl am 25. März läuft.

Mit Blick auf die Sondersitzung des Bundestags zum zweiten Griechenland-Paket am Montag verteidigte sie die geplanten Finanzhilfen für Athen und andere Schuldenländer. Deutschland mit einem Anteil von 1,2 Prozent an der Weltbevölkerung brauche die Kraft und Größe Europas. „Wir wissen, wir können es in Deutschland nicht mehr allein schaffen. Deshalb ist Europa unsere Zukunft.“ Auch wenn EU-Mitgliedstaaten durch schlechte Finanzpolitik Vertrauen in die gemeinsame Währung erschüttert hätten, sei es richtig, hoch verschuldeten Staaten wie Griechenland, Portugal oder Irland zu helfen. Klar sei aber auch, dass sie sich selbst anstrengen müssten. Und Merkel mahnte eine schnellere Regulierung der internationalen Finanzmärkte an. „Das alles geht viel zu langsam.“

Von

dpa

Kommentare (5)

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Rapid

22.02.2012, 20:12 Uhr

Diese Frau scheint eine Verdrängungskünstlerin par excellance zu sein. Sie ist schwer angeschlagen und verkündet nichts anderes als ihre altbekannten Dogmen, die den Boden von Erkenntnissen und Fakten schon längst verlassen haben. Die Kanzlerin hat ihren Zenit überschritten.

debrasseur

22.02.2012, 20:23 Uhr

Wer bin ich denn, daß ich zu dem stehe, was ich will. Nach mir die Sintflut, ich schwebe ohnehin schon. Einmal fliegen ist nichts, aber ohne Kompaß, na da grüßen die Wolken und der Sinkflug kann beginnen.

HeschdenSchirmchestehelosse

22.02.2012, 22:47 Uhr

In Hesse seschd man "die arm Fra"! Wenig Worte, viel gesagt.

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